Barbara Edelpöck

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Barbara Edelpöck (auch Eedelpöck Borbála, Barbara Edelbeck oder Barbara Edelböck) (* um 1450; † 9. März 1495) war die Tochter eines Bürgers aus Stein an der Donau und wurde durch ihre Beziehung zum ungarischen König Matthias Corvinus bekannt. Sie war dessen Geliebte und die Mutter seines natürliches Sohnes Johann Corvinus.

Beziehung zum Ungarnkönig

Barbara Edelpöck war die Tochter von Hans Edelpöck aus Stein an der Donau. Über das Zustandekommen ihrer (Liebes-)Beziehung zum ungarischen König Matthias Corvinus gibt es keine Belege. Da ihr gemeinsamer Sohn Johann am 2. April 1473 geboren wurde, muss die Beziehung spätestens um beziehungsweise vor 1472 begonnen haben. Da sich Matthias Corvinus um 1470 in Wien aufhielt, wird angenommen, dass sich beide wahrscheinlich dort kennenlernten. Matthias, der seit 1464 verwitwet war, dürfte mit Barbara einige Zeit offiziell zusammengelebt haben, doch wurde die Beziehung spätestens im Jahr 1476 beendet, als er sich mit Beatrice von Aragon verheiratete.

In den 1470er-Jahren nach der Geburt ihres Sohnes erwarb Barbara die Herrschaft Enzersdorf an der Fischa und ein Haus in Neusohl. Aufgrund der hohen Kaufsumme wird gewöhnlich davon ausgegangen, dass es sich bei beiden Erwerbungen um Geschenke des Königs handelte.

Weiteres Leben

1476 heiratete Barbara, vielleicht im Zusammenhang mit Matthias Eheschließung, einen Mann († nach dem 9. März 1495), der sich nach dem Herrschaftssitz seiner Frau Friedrich von Enzersdorf nannte. Über ihn ist nichts bekannt, vermutet wird, dass er bürgerlicher Herkunft war und aus dem Umfeld des Königs stammte. Den Kontakt mit ihr dürfte Matthias Corvinus auch nach seiner Heirat nicht gänzlich abgebrochen haben. Auf seinem Zug nach Wien ist ein Aufenthalt in Enzersdorf im Oktober 1482 belegt.

Sie erlebte noch, dass ihr Sohn Johann im Jahr 1481 von seinem Vater zum Grafen von Hunyad und Herzog von Liptau erhoben sowie in der Folge mit weiteren Herrschaften belehnt wurde, und dass Matthias schließlich versuchte ihn zu seinem Nachfolger aufzubauen, nach sich abzuzeichnen begann, dass seine Ehe mit Beatrice ebenfalls kinderlos bleiben würde. Nach Tod seines Vaters konnte Johann sich jedoch nicht als dessen Nachfolger behaupten. Er wurde später Banus von Kroatien und bewährte sich im Kampf gegen die Osmanen. Seinen frühen Tod und den seiner Kinder hat Barbara nicht mehr erlebt.

Barbaras Tod

Als Barbara 1495 starb, galt sie als reiche Schlossherrin. Nach Hinweisen in ihrem Testament, das sie vier Jahre zuvor verfasst hatte, dürfte sie in den Adelsstand erhoben worden sein. Ihr Testament enthält Stiftungen für mehrere Kirchen, die sie mit Perlen, Silber, Schmuck und wertvoller Kleidung für Altargerät und Messgewänder bedacht hatte, so die Pfarrkirche St. Nikolaus in Stein und den dortigen St. Barbara-Altar sowie Mariazell, Klosterneuburg und die Pfarrkirchen in Unterloiben und Enzersdorf. Das Schloss Enzersdorf vermachte sie ihrem Ehemann, das Haus in Neusohl ihrem Sohn. Entgegen ihrem letzten Willen wurde Barbara allerdings nicht im Hieronymuskloster in Wien begraben, einem Büßerinnenkloster für ehemalige Prostituierte, das sie möglicherweise als Sühne für ihre außereheliche Beziehung mit Matthias gewählt hatte, sondern in der Agneskapelle im Stift Klosterneuburg.

Barbara in Legende und Sage

Im Zusammenhang damit, dass Matthias Johann Corvinus zum Herzog von Liptau erhob, bildete sich eine Legende aus. Matthias soll seinem Sohn dieses Titel verliehen haben, nachdem er während einer Jagd im Liptauer Kessel nochmals Barbara begegnet war. Diese Legende hatte zur Folge, dass lange Zeit fälschlich angenommen wurde, dass Barbara die Tochter einer Breslauer Ratsherrenfamilie gewesen wäre.[1]

Literatur

  • Matthias Corvinus und Barbara Edelpöck. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Ser. NF, Bd. 32 (1955/56) S. 74-93.
  • Manfred Thiemann: Mathias Rex anno 1486. Das Matthias-Corvinus-Denkmal in Bautzen. In: Ungarn-Jahrbuch. Zeitschrift für interdisziplinäre Hungarologie 29, 2008, S. 1-32

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ungarn-Jahrbuch 29, 2008, S. 25