Burgruine Lavant

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lavent, im 19. Jahrhundert auch Trettenstein genannt, ist die Ruine eines Burgstalls in Osttirol. Der Kirchbichl, auf dem dieser erbaut wurde, zählt heute zu den geschichtsträchtigsten und eigentümlichsten Kultstätten in Tirol.

Das Bauwerk

Die Ruine des früheren Burgstalls befindet sich auf dem Kirchbichl in der gleichnamigen Gemeinde in Tiroler. Auf ihm wurde im 15. Jahrhundert eine kleine Kirche errichtet, aus der später die Petrus- und Pauluskirche entstand. Unterhalb des früheren Burgstalls befindet sich heute die Pfarr- und Wallfahrtskirche zum Hl. Ulrich. Von früheren Burgstall Lavant sind nur mehr kümmerliche, gänzlich überwachsene Mauerfragmente erhalten sowie ein Graben und ein inzwischen ausgegrabener Turmrest.[1]

Geschichte

Der Kirchenbichl ist bereits im 5. Jahrhundert als Zufluchtsstätte für die hier ansässige Bevölkerung belegt. Ursprünglich dürfte sich hier ein keltischer Tempel befunden haben, auf dessen Ruinen damals eine frühchristliche Kirche, angeblich ein Bischofssitz, mit einer Fliehburg errichtet wurde.[1] Etwa auf halber Höhe der Zufahrtstraße des Kirchbichls haben sich Reste von zwei Türmen mit ca. zwei Meter starken Mauern erhalten. Es dürfte sich dabei um das Tor einer mittelalterlichen Fliehburg für die Bevölkerung handeln.[2]

Auf der Kuppe des Kirchbichls erbauten die Herren von Lavant um 1200 den Burgstall, der ihr Stammsitz wurde.[2] Bei ihnen handelte es sich um Ministeriale der Grafen von Lechsgemünd-Matrei[2], einem bairisch-schwäbischen Adelsgeschlecht, das damals die Grafschaft Oberpinzgau von den Herzögen von Baiern[A 1] zu Lehen hatte. Ihr Hauptsitz war Mittersill, durch Heirat erwarb die Familie um 1169 außerdem die Gerichte Matrei und Lengberg. Anfang des 13. Jahrhunderts kamen ihre Besitzungen auf dem Gebiet der heutigen Republik Österreich unter die Herrschaft des Erzbistums Salzburg.[3]

1169 werden die Herren von Lavant erstmals mit "Gebolf de Lowat" urkundlich erwähnt. Noch vor 1206 dürften sie Dienstleute der Grafen von Görz geworden sein. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde ihr Stammsitz ausgebaut, um diese Zeit befanden sie sich am Höhepunkt ihrer Macht. Bereits 1369 musste Heinrich von Lavant jedoch den gesamten Besitz, den er von seinem Bruder Hans geerbt hatte, an Graf Meinhard von Görz übergeben. Lavant wurde daraufhin landesfürstlicher Besitz und in der Folge von Burggrafen verwaltet. Es scheint, dass der Burgstall für Graf Meinhard und seine Nachfolger keine Bedeutung mehr hatte und wenig später der Verfall der Anlage begann.[2]

Als noch vor 1485 am Kirchbichl die erste kleine Peterskirche errichtet wurde, diente der frühere Burgstall als Steinbruch für den Bau dieser Kirche[1]. Danach geriet der Burgstall weitgehend in Vergessenheit, es scheint aber, dass sich im Volk eine Erinnerung an ihn erhalten hat.[2]

Trettenstein

Der Name Trettenstein, mit dem der Burgstall gelegentlich bezeichnet wurde, ist nicht historisch, sondern findet sich erst im 19. Jahrhundert. Die Herkunft dieses Namens ist nicht geklärt.[2]

Lavant in Legende und Sage

  • Einer Überlieferung nach soll das Langhaus der Kirche auf dem Kirchenbichl der Palas des früheren Burgstalls gewesen sein.[1]
  • Einer Sage nach soll sich der englische König Richard I. Löwenherz auf seiner Rückreise vom Dritten Kreuzzug hier einige Zeit aufgehalten haben.[1]

Literatur

  • Beatrix Pinzer – Egon Pinzer: Burgen, Schlösser und Ruinen in Nordtirol, und Osttirol. Edition Löwenzahn, Innsbruck, 1996, ISBN 3-7006-2122-3, S. 204

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 vgl. Beatrix Pinzer – Egon Pinzer: Burgen, Schlösser und Ruinen in Nordtirol, und Osttirol, 1996, S. 204
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 vgl. Burgstall Lavant, eingesehen am 18. November 2017
  3. vgl. Beatrix Pinzer – Egon Pinzer: Burgen, Schlösser und Ruinen in Nordtirol, und Osttirol, 1996, S. 205

Anmerkungen

  1. Die Schreibweise des Landes Bayern mit y wurde erst einige Jahre nach dem Wiener Kongress im 19. Jahrhundert durch einen gesetzlichen Beschluss des damaligen Königs eingeführt. Da es um die Wittelsbacher bzw. um das Mittelalter geht, wird in diesem Artikel die Schreibung mit i verwendet.