Ernst der Eiserne

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ernst der Eiserne, einer der schwarzen Manda in der Innsbrucker Hofkirche

(Erz-)Herzog Ernst (I.) von Österreich, auch Ernst von Steier(mark) oder Ernst von Innerösterreich, später Ernst der Eiserne genannt, (* um 1377, vermutlich in Bruck an der Mur; † 1424, in Bruck an der Mur)[1] herrschte im 14. und 15. Jahrhundert über Teile der heutigen Republik Österreich.

Herkunft und Familie

Ernst der Eiserne stammte aus dem Leopoldinischen Familienzweig der Herzöge von Österreich (Habsburger)[A 1]. Er war einer der jüngeren Söhne von Herzog Leopold III. von Österreich († 1386) aus dessen Ehe mit Viridis Visconti, einer der Cousinen und Schwägerinnen von Gian Galeazzo Visconti, dem ersten Herzog von Mailand.

Ernst war zweimal verheiratet,
∞ in 1. Ehe (Eheschließung 14. Januar 1392[2] mit Margarethe von Pommern-Stettin (* um 1366; † 30. April 1407, vermutlich in Bruck an der Mur)[3] aus der Familie der "Greifen", einer Tochter von Herzog Bogislaw (V.) von Pommern [A 2]; keine Kinder[A 3].[4]
∞ in 2. Ehe (Eheschließung 1412, angeblich in Bruck an der Mur) mit Herzogin Cimburgis von Masowien († 1429)

Zu den Kindern aus dieser Ehe -> Cimburgis von Masowien#Herkunft und Familie.

Ernst der Eiserne begründete die "steirischen Linie der Herzöge von Österreich (Habsburger)[A 4] und gilt als einer der "Stammväter" des späteren Hauses Österreich / Habsburg. Unter seinem Sohn Friedrich (III.) und seinem Enkel Maximilian (I.), die beide als Könige und Kaiser über das Heilige Römische Reich herrschten, wurden nach dem Aussterben der übrigen Familienzweige und -linien sämtliche Herrschaftsgebiete wieder vereint.[3]

Herrschaften - Überblick

Ernst der Eiserne herrschte über folgende Gebiete:

Im Gegensatz zu seinen Brüdern Wilhelm und Leopold gelang es Ernst nach dem Tod des Letzteren nicht die Position des Seniors für beide Linien zu behaupten. Seit 1414 führte er offiziell den Titel Erzherzog von Österreich, was von einigen Reichsfürsten anerkannt wurde, obwohl der spätere Kaiser Sigismund und Albrecht (V.) ihre Zustimmung ausdrücklich verweigerten.[5] Ob es Ernst mit dieser Maßnahme nur um eine "Aufwertung seiner "steirischen" Linie ging oder ob er darüber hinaus eine weitere politische Umsetzung der im Privilegium maius postulierten Rechte intendierte, ist in der Forschung bisher nicht geklärt.[6]

Orte mit Bezug zu Ernst dem Eisernen im heutigen Österreich

Kärnten

  • Ernst der Eiserne war der letzte Herzog von Österreich (Habsburger), der auf dem Fürstenstein in Karnburg am Zollfeld als Herzog von Kärnten eingesetzt wurde.[3] Nach dieser Einsetzung nahm er den Titel des Erzherzogs von Österreich an. Da die Führung des Erzherzogstitels nach dem Privilegium maius auf das Amt eines "Reichsjägermeisters" zurückgeführt wird, das der Herzog von Kärnten einst innehatte, wird seine Annahme des Erzherzogstitel in der Forschung oft mit seiner Herrschaft über das Herzogtum Kärnten begründet.[7]

Niederösterreich

Oberösterreich

  • 1417 eroberte Albrecht V. von Ernst die Stadt und Herrschaft Steyr, die daraufhin endgültig Teil des Herzogtums Österreich blieb und später zum Herzogtum Österreich ob der Enns gehörte.

Steiermark

  • Bruck an der Mur gehörte zu den bevorzugten Aufenthaltsorten von Herzog Ernst dem Eisernen. Es gilt als sein Geburts- und Sterbeort, hier soll er außerdem seine beiden Ehen geschlossen haben.[3]

Tirol

  • Ernst hielt sich einige Male in der Grafschaft Tirol auf.
  • Von ca. Juli 1415 bis Anfang des Jahres 1417) hatte er seinen Sitz in der Stadt Innsbruck.

Wien

  • Die Stadt Wien war ein wesentlicher Schauplatz der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Ernst dem Eisernen und Leopold den Stolzen (1406-1409 beziehungsweise 1411). Während sich Leopold auf den niederen Adel im Herzogtum Österreich und die ärmeren Bevölkerungsschichten in Wien sowie die Handwerker stützte, sympathisierten der Hochadel und die bürgerliche Oberschicht mit Ernst. Im November 1407 eskalierte der Konflikt zum Krieg, in dem die Wiener Stadtregierung zwischen die Fronten geraten sein dürfte. Nachdem der Wiener Bürgermeister Konrad Vorlauf im Jänner 1408 fünf Wiener Handwerker vermutlich im Auftrag von Ernst oder zumindest mit dessen Billigung enthaupten ließ, ehe Ernst mit Leopold am 14. Jänner 1408 einen Waffenstillstand schloss, ließ Leopold, angeblich unter dem Druck der Handwerker, Konrad Vorlauf und die Ratsherrn Konrad Ramperstorffer und Hans Rockh am 11. Juli 1408 hinrichten, wofür Ernst Rechenschaft forderte. In der Folge wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen fortgesetzt. Am 13. März 1409 beendete ein Schiedsspruch des späteren Kaisers Sigismunds, nach dem Leopold und Ernst gemeinsam die Vormundschaft führen sollten, zumindest formal.
  • Trotz seiner Konflikte mit Albrecht, die erst kurz vor seinem Tod zumindest formal beigelegt wurden, hat Ernst sich auch später mehrmals in Wien aufgehalten, so zum Beispiel während der Reichstage von König Sigismund. Dort residierte er gewöhnlich im Praghaus, dass seinem Bruder Friedrich gehörte.

Erinnerungsstätten in Österreich

Steiermark

Ernst der Eiserne in Legende und Sage

Um Ernst den Eisernen als Person haben sich keine Sagen gebildet, in denen es um seine Figur oder Herrschaft geht. Seine keineswegs unumstrittene vorübergehende Teilhabe an der Herrschaft anderer Mitglieder seiner Familie über das Herzogtum Österreich und die Grafschaft Tirol hatte jedoch zur Folge, dass er in einigen dortigen Sagen als wichtige Figur im Hintergrund fungiert.

Belletristik

  • Josephine von Kviatovska: Hedwiga und Cimburgis oder die starken Frauen. Ein historischer Roman aus dem 14. Jahrhundert. Mausberger, Wien 1820

Literatur

  • Günther Hödl: Habsburg und Österreich 1273-1493. Gestalten und Gestalt des österreichischen Spätmittelalters. Verlag Böhlau, Wien / Köln / Graz, 1988, ISBN 3-205-05056-8, S. 147-163, besonders S. 157-163
  • Karl-Friedrich Krieger: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich III. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 2., aktualisierte Auflage 2004, ISBN 3-17-018228-5, S. 154-159[A 13]
  • Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411. Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter. Verlag Ueberreuter, Wien, 2001, ISBN 3-8000-3974-5, besonders S. 197–200
  • Monika Schellmann: Zur Geschichte von Herzog Ernst des Eisernen (1386/1402-1424). Dissertation (ungedruckt), Universität Wien, 1966

Literatur zu Teilaspekten

  • Eva Bruckner: Formen der Herrschaftsrepräsentation und Selbstdarstellung habsburgischer Fürsten im Spätmittelalter. phil. Dissertation, Wien, 2009, S. 152–164 digital

Lexika-Artikel

Weblinks

 Ernst der Eiserne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. Nach Felix Czeike (Hrsg.): Ernst der Eiserne. In: Historisches Lexikon Wien. Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 206. und Eva Bruckner: Formen der Herrschaftsrepräsentation, 2009, S. 178. Brucker gibt als Sterbetag den 10. Juni an, Czeike den 15. Juli
  2. Nach Eva Bruckner: Formen der Herrschaftsrepräsentation, 2009, S. 178 und Felix Czeike (Hrsg.): Ernst der Eiserne. In: Historisches Lexikon Wien. Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 206. Nach Czeike wurde die Ehe in Bruck an der Mur geschlossen, nach Brucker in Preßburg.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Ernst der Eiserne. In: Historisches Lexikon Wien. Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 206.
  4. vgl. Monika Schellmann: Zur Geschichte von Herzog Ernst des Eisernen (1386/1402-1424), S. 241f.
  5. vgl. Monika Schellmann: Zur Geschichte von Herzog Ernst des Eisernen (1386/1402-1424), S. 202ff.
  6. vgl. Klaus Brandstätter: Das Privilegium maius und Herzog Friedrich IV.. In: Johannes Gießauf - Rainer Murauer - Martin P. Schennach (Hrsg.): Päpste, Privilegien und Provinzen. Beiträge zur Kirchen-, Rechts- und Landesgeschichte. Festschrift für Werner Maleczek zum 65. Geburtstag. (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband 55) Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 2010, ISBN 978-3-205-78577-4, S. 48
  7. vgl. Klaus Brandstätter: Das Privilegium maius und Herzog Friedrich IV.. In: Johannes Gießauf - Rainer Murauer - Martin P. Schennach (Hrsg.): Päpste, Privilegien und Provinzen. Beiträge zur Kirchen-, Rechts- und Landesgeschichte. Festschrift für Werner Maleczek zum 65. Geburtstag. (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband 55) Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 2010, ISBN 978-3-205-78577-4, S. 48

Anmerkungen

  1. Als Folge der 1379 im Vertrag von Neuberg an der Mürz vereinbarten Länderteilung hatten sich das Haus Österreich (Habsburg) in zwei (gleichberechtigte) Familienzweige aufgeteilt, die "Albrechtinische" und die "Leopoldinische" Linie.
  2. Margarethes ältere Halbschwester Elisabeth (* um 1345; † 1393) war die vierte Ehefrau von Kaiser Karl IV. und Mutter des späteren Kaisers Sigismund, vgl. Monika Schellmann: Zur Geschichte von Herzog Ernst des Eisernen (1386/1402-1424), S. 241f.
  3. Nicht geklärt ist, ob die Ehe überhaupt kinderlos blieb oder den Kindern aus dieser Ehe kein langes Leben beschieden war, vgl. Monika Schellmann: Zur Geschichte von Herzog Ernst des Eisernen (1386/1402-1424), S. 245
  4. Zusammen mit der "älteren" Tiroler Linie seines jüngeren Bruders Friedrich (IV.) bildete sie eine der beiden Linien, in den sich der "Leopoldinische Familienzweig" aufspaltete.
  5. Die Angaben in der Literatur, in welchen von Wilhelm beherrschten Gebieten, Ernst Mitregent war, sind nicht eindeutig. Sicher dürfte er Mitregent in den Herzogtümern Kärnten und Krain gewesen sein, zum Herzogtum Steier gibt es widersprüchliche Angaben.
  6. Das Herzogtum Steier(mark) umfasste damals Teile der späteren Bundesländer Steiermark, wobei zu jenem Zeitpunkt, als Ernst dort die Herrschaft antrat, die Zugehörigkeit der im heutigen Bundesland Oberösterreich gelegenen Stadt und Herrschaft Steyr zwischen den Herzogtümern Steier und Österreich umstritten war.
  7. Das Herzogtum Österreich umfasste damals nur Teile der heutigen Bundesländer Niederösterreich und Wien
  8. Dieses Herzogtum Österreich, das sich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in die Herzogtümer Österreich ob der Enns und Österreich unter der Enns aufspaltete, wird in der Fachliteratur oft auch als "Donauösterreich" bezeichnet.
  9. Das Gebiet des Herzogtums Kärnten umfasste damals Teile des späteren Bundeslandes Kärnten dessen übrige Teile damals noch unter der Herrschaft des Erzstiftes Salzburg und dessen Suffraganbistum Gurk sowie der Albertinischen Linie der Grafen von Görz und Tirol (Grafen von Görz) waren.
  10. Die Herzogtümer Kärnten und Krain werden gemeinsam mit dem Herzogtum Steier oft unter dem Begriff "Innerösterreich" zusammengefasst. Ernst der Eiserne wird daher in der Fachliteratur oft auch als Herzog von Innerösterreich bezeichnet.
  11. Das Gebiet der Grafschaft Tirol umfasste neben dem heutigen Bundesland Tirol (ausgenommen den Städten Rattenberg, Kitzbühel und Kufstein sowie Osttirol) auch Südtirol
  12. Ernst der Eiserne, der die Herrschaft über die Grafschaft Tirol zunächst, zumindest offiziell in Vertretung für seinen jüngeren Bruder Friedrich aufgrund der Geschehnisse des "Konzils von Konstanz" übernommen hatte, dürfte außerdem versucht haben, diese ebenfalls in den "Vorderen Landen" zu übernehmen.
  13. Eine gute Überblicksdarstellung, der Schwerpunkt liegt allerdings auf den Habsburgern die römisch-deutsche Könige und Kaiser waren.
Wikipedia logo v3.svg
Überregionale Aspekte dieses Themas werden auch in der Wikipedia unter dem Titel Ernst der Eiserne behandelt.
Hier auf RegiowikiAT befinden sich Informationen sowie Ergänzungen, die zusätzlich von regionaler Bedeutung sind (siehe Mitarbeit).