Gundelhof

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Der Gundelhof, benannt nach der aus Tirol stammenden Familie Gundlach[1], war ein repräsentatives Bürgerhaus der Stadt Wien.

Geschichte

1351-1800

Erstmals wird das Haus, welches später unter dem Namen "Gundelhof" bekannt war, im Jahr 1351 genannt, zusammen mit einer dazu gehörigen Kapelle, die dem Hl. Thomas geweiht war. Es war damals im Besitz des Bürgermeisters Berthold Poll. 1422 wurde es zusammen mit der Kapelle vom Stadtanwalt Hans Zink verkauft. In diesem Zusammenhang wird es als das Haus, das "weilent drei Häuser gewesen sind", beschrieben.[1]

1434-1461 gehörte das Haus dann Peter (Lorenz?) Strasser.[A 1] 1458 wohnte hier Kaiser Friedrich III., als er sich anlässlich der Landtagsausschreibung für 3 Tage in Wien aufhielt. Seit ca. 1461 gehörte das Haus Peter Strassers Witwe Kunigunde, die es 1490 ihrem zweiten Gatten Georg von Gundlach vermachte. Dieser ließ das Gebäude, das nach ihm den Namen Gundlhof erhielt, umbauen. Nachdem Georg von Gundlach 1515 Schulden nicht beglichen hatte, wurde der Gundelhof von der Schranne einem Gläubiger zugesprochen. In der Folge gab es mehrere Besitzerwechsel.[1]

1607 kaufte der Wiener Bürgermeister Augustin Haffner den Gundelhof. Er ließ die damals bereits verfallene Thomaskapelle wiederherstellen und gründete eine Messstiftung. Durch seine Tochter Barbara[A 2], die den späteren Bürgermeister Paul Wiedemann heiratete, kam der Gundelhof 1617 in dessen Besitz. Wiedemann ließ die Ausstattung der Kapelle erweitern und vergrößerte die Messstiftung.[1] Über seine Witwe Rosina († 1679) gelangte der Gundelhof in den Besitz von Daniel Lazarus Springer, einem weiteren Bürgermeister von Wien.[2] Am 16. Juli 1696 kaufte Bartholomäus Tinti, dessen Familie später in den Freiherrenstand erhoben wurde, den Gundelhof, der ca. 100 Jahre im Besitz dieser Familie blieb.[1]

1800-heute

1800 kaufte ihn Erzherzog Ferdinand Karl von Österreich(-Este), ein Bruder von Kaiser Joseph II., der nach seinem Tod zunächst seinem Sohn und dann seinem Enkel gehörte. Dieser verkaufte den Gundelhof am 20. April 1810 an den Juwelier Bruno Neuling, der ihn seinem Sohn Vinzenz vererbte.[3] Am 31. August 1843 ging der Grundelhof in den Besitz von Salomon Mayer Rothschild († 1856) über, der 1855 einen Zubau anbauen ließ.[4]

Bereits 1802 befand sich im Gundelhof die erste Wiener Börse, die vom Haus "Zum grünen Fassel" (heute Wien 1, Kohlmarkt 8-10) vorübergehend hierher verlegt worden war. Hier befanden sich außerdem die Gasthäuser "Zum Goldenen Stern" und "Eiche". Im Vormärz gab es im Gundelhof den "Sonnleithnerschen Salon", der als der größte musikalische Salon seiner Zeit galt, und von prominenten Personen wie Franz Grillparzer, Karoline Pichler, Franz Schubert und Freundeskreis besucht wurde. Im Hof wurde bis zur Demolierung der "Gänsemarkt" abgehalten. Ursprünglich war hier auch der Gänsemädchenbrunnen aufgestellt.[1]

1877 wurde der Gundelhof von der Stadtbaugesellschaft, die ihn 1873 erworben hatte, demoliert und durch ein modernes Miethaus ersetzen. Dieses brannte im April 1945 aus, 1949 wurde es durch einen Neubau ersetzt.[4] Später war hier das Café Hönig.

Lage

Der Gundelhof befand sich im 1. Wiener Gemeindebezirk im Bereich Bauernmarkt 4 / Brandstätte 5 (Konskriptionsnummer 588). Nach Bildern muss er mit seinen rundbogigen Gewölbetüren mit vorspringenden Dächern und dem massiven Haustor, beides Verweise auf sein hohes Alter, ein imposanter Anblick gewesen sein. Der Gundelhof schloss die Brandstätte zum Bauernmarkt hin ab, sodass diese nur durch den Hof oder durch zwei Schwibbogen vom Stephansfreithof aus betreten werden konnte.[1]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Gundelhof. In: Historisches Lexikon Wien. Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 638.
  2. vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Springer Daniel Lazarus. In: Historisches Lexikon Wien. Band 5, Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 3-218-00547-7, S. 274.
  3. vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Gundelhof. In: Historisches Lexikon Wien. Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 638–639.
  4. 4,0 4,1 vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Gundelhof. In: Historisches Lexikon Wien. Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2–639.

Anmerkungen

  1. Der Bau der Thomaskapelle wurde in der älteren Literatur häufig ihm zugeschrieben, was inzwischen widerlegt ist. Nicht ausgeschlossen wird allerdings, dass dieser Fehler damit zusammenhängen dürfte, dass die Kapelle um 1450 erneuert wurde, vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Gundelhof. In: Historisches Lexikon Wien. Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2–639.
  2. Es handelt sich nicht um seine Ehefrau, wie bei Czeike behauptet