Johann Georg Grasel

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Johann Georg Grasel (* 4. April 1790, in Neu-Serowitz, heute Tschechien; † 31. Jänner 1818, in Wien) war Anführer einer Räuberbande, die das Viertel über dem Manhartsberg und die benachbarten Gebiete der damaligen Kronländer Böhmen und Mähren heimsuchte. Nach seiner Gefangennahme und Hinrichtung wurde er zu einer Waldviertler Legende, die heute vor allem für den Tourismus genutzt wird.[1]

Der historische Johann Georg Grasel

Johann Georg Grasel stammte aus der Unterschicht und war aufgrund seiner "unehrlichen" Herkunft von Jugend an ein gesellschaftlicher Außenseiter. In seiner Familie waren Kriminaldelikte an der Tagesordnung. Er war sicher kein "Sozialrebell" oder gar ein "Robin Hood des Waldviertels", zu dem ihn die Legende später verklärt hat. Als "gewöhnlicher" Gauner dürfte er jedenfalls nicht "unbegabt" für seine Profession gewesen sein, denn er verstand es geschickt, durch ein gut organisiertes Kontaktnetz und eine kompakte "Allianz" der "Waldviertler Unterprivilegierten" seine Einbrüche und Raubzüge so zu planen, dass es den öffentlichen Behörden längere Zeit nicht gelang, seiner habhaft zu werden. Seine Bande und er mordeten zwar nicht vorsätzlich, scheuten aber vor Gewalt keineswegs zurück, wenn die Opfer Geld oder Wertsachen nicht freiwillig herausrückten. Außer Diebstahl und Raub kam es auch zu schweren Totschlagdelikten und Raubmord. Als Grasels bekannteste Opfer gelten der Gastwirt Michael Witzmann aus Obergrünbach (heute Teil der Marktgemeinde Lichtenau im Waldviertel), der sich auf die Jagd nach der "Grasel-Bande" gemacht hatte und von Grasel am 13. Juni 1813 mit sechs Messerstichen ermordet wurde, und Anna Maria Schindler, eine alleinstehende alte Frau, die von ihm und vier seiner Komplizen bei einem Einbruch in Zwettl in der Nacht vom 18. zum 19. Mai 1814 schwer misshandelt und dabei tödlich verletzt wurde. Mit Hilfe von David Mayer, der als Polizeispitzel tätig war, gelang es, Grasel und seiner Bande eine Falle zu stellen, mit der sie am 20. November 1815 im Dorfgasthaus von Mörtersdorf (heute Teil von Rosenburg-Mold) festgenommen wurden. Nach der Überführung nach Wien wurden sie verurteilt und Grasel gemeinsam mit Ignaz Stangl und Jakob Fähding, zwei seiner Komplizen, vor dem Neutor auf dem Glacis gehängt wurden.[2]

Legendenbildung um Johann Georg Grasel

Grasel-Gedenkstätten

  • Drosendorf: ein Turm, in dem Resi Hammer, eine Geliebte von Grasel, inhaftiert war.[3]
  • Horn: Der Grasel-Turm im Höbarthmuseum mit einer nachgebauten "Graselhöhle"
  • Rosenburg-Mold: Die Grasel-Höhle in der Nähe der Wallfahrtskirche Maria Dreieichen und den "Grasel-Heuriger" (Gasthaus" "zur Graselwirtin"), angeblich das Gasthaus in Mörtersdorf, wo Grassel verhaftet wurde.

Belletristik

  • Eduard Breier: Die beiden Grasel, Roman (1854)
  • C. Ulf: Leben und Treiben des berüchtigten Räuber-Hauptmannes Johann Georg Grasel nach Urkunden, andern glaubwürdigen Aufzeichnungen und mündlicher Überlieferung, Volksbuch (1862)
  • Moriz Bermann: Grasel's Liebschaften oder: Der Mädchenräuber aus dem Höllenthale, Roman (1872)

Grasel gilt außerdem als Vorbild für die Figur des Jaromir aus der Schicksalstragödie "Die Ahnfrau" (1817) von Franz Grillparzer sein.[4] Eine weitere Folge der Legendebildung um ihn war, dass sich das Waldviertel (Viertel über dem Manhartsberg) im 19. Jahrhundert als Schauplatz mehrere österreichischer Gruselromane etablierte.[5]

Literatur

Einzelnachweise

  1. vgl. Robert Bouchal - Johannes Sachslehner: Waldviertel, 2002, S. 75
  2. vgl. Robert Bouchal - Johannes Sachslehner: Waldviertel, 2002, S. 75-78
  3. vgl. Öffentliche Sicherheit 9-10 / 15, S. 43f. online
  4. vgl. Robert Bouchal - Johannes Sachslehner: Waldviertel, 2002, S. 78
  5. vgl. Robert Bouchal - Johannes Sachslehner: Waldviertel, 2002, S. 79