Konrad Vorlauf

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Konrad Vorlaufs Hinrichtung. Idealisierte Darstellung aus dem 19. Jahrhundert

Konrad Vorlauf (* vor 1385, vermutlich in Wien; † 11. Juli 1408)[1] ist wegen seines tragischen Schicksals einer der bekanntesten Wiener Bürgermeister des Mittelalters.

Herkunft und Familie

Siegel der Familie Vorlauf (Aus: Carl Weiss: Geschichte der Stadt Wien. 1872. S. 201

Konrad Vorlauf war ein Sohn oder Verwandter von Konrad Vorlauf dem Älteren, dessen Familie 1353-1393 in Wien nachgewiesen ist. Ihr Wappen, das er ebenfalls führte, zeigte im Schild und auf dem Helm den Rumpf eines laufenden Pferdes.[2]

Konrad Vorlauf war verheiratet,
∞ in 1. Ehe mit Katrei († 1401), Witwe des Wisent von Dornbach;
∞ in 2. Ehe mit Dorothe (Dorothea) († 14. Mai 1441), Tochter von Jakob Süß. Sie wurde zu St. Jakob auf der Hülben beigesetzt.[1]

Vermögensverhältnisse

Konrad Vorlauf besaß zahlreiche Liegenschaften. Dazu gehörte das Haus Unter den Sattlern (heute: Tuchlauben 15, Wien 1, Konskriptionsnummer 439). 1401 kaufte er in der späteren Vorlaufstraße, die 1886 nach ihm benannt wurde, ein weiteres Haus.[2]

Politische Karriere

Konrad Vorlauf wird erstmals 1385 erwähnt. Er wirkte in Wien, wo er verschiedene politische Ämter bekleidete. 1396/1397, 1398-1401, 1402-1403, 1404-1405 gehörte er dem Stadtrat an[2], 1403-1404 und 1406-1408 war er Bürgermeister von Wien.[1] 1400 gehörte er zu jener Gesandtschaft, die im Königreich Neapel für Herzog Wilhelm von Österreich die Ehe zwischen ihm und der späteren Königin Johanna aushandelte.[2]

Die Hinrichtung

Als Bürgermeister dürfte Konrad Vorlauf während seiner zweiten Amtszeit die wirtschaftliche und die politische Lage in der Stadt Wien und im Herzogtum Österreich zum Verhängnis geworden sein. Missernten und Überschwemmungen hatten eine hartnäckige Wirtschaftskrise verursacht, die sich durch die Auseinandersetzung um die Vormundschaft über Herzog Albrecht V. von Österreich verschärfte. Zu dieser war es nach dem Tod von Herzog Wilhelm zwischen dessen Brüdern, den Herzögen Leopold (IV.) ("Leopold dem Stolzen") und Ernst (I.) ("Ernst dem Eisernen") gekommen.[3] Dabei dürfte Konrad Vorlauf 1408 gemeinsam mit einigen anderen Ratsherren, darunter den früheren Bürgermeistern Konrad Ramperstorffer und Hans Rockh zwischen die Fronten geraten sein.[A 1]

Nach den halbwegs zulässigen Fakten ließ Konrad Vorlauf am 5. Jänner 1408 fünf Handwerker, die einen Aufstand gegen Ernst und für Leopold geplant hatten, öffentlich hinrichten.[A 2] Als es am 14. Jänner 1408 zwischen den beiden Herzögen zu einer vorläufigen Einigung kam, dürfte dies für ihn eine nachhaltige Brüskierung bedeutet und in der Folge seine politische Stellung erheblich geschwächt haben.[3] Wenig später kam es zu Verhandlungen mit Herzog Leopold außerhalb von Wien. Auf dem Rückweg von dort wurde die Delegation der Wiener Bürger, an deren Spitze sich Konrad Vorlauf befand und zu der auch Rudolf Angerfelder, ein früherer Bürgermeister von Wien, gehörte[A 3], am 9. April 1408 von Ritter Hans Laun von Grünau bei Gablitz in der Nähe von Purkersdorf überfallen, wobei nach der "Kleinen Chronik von Klosterneuburg der Wiener Bürger Niklas Flusthart getötet wird[4]. Konrad Vorlauf und seine Begleiter, die mit ihm gefangen genommen wurden, wurden zunächst auf der Burg Kogel, dann auf der Burg Kreuzenstein und schließlich auf der Burg Dürnberg gefangen gehalten[4]. Erst am 16. Juni 1408 kamen sie wieder frei, nachdem Herzog Leopold Lösegeld an Hans Laun gezahlt hatte.[A 4] Wenig später kam es zur Ausschreibung einer Sondersteuer für die Stadt Wien, die einen Aufstand der Handwerker zur Folge hatte. Durch diesen[A 5] geriet Herzog Leopold unter Druck, worauf er am 7. Juli 1408 Konrad Vorlauf und mehrere Ratsherren, darunter Konrad Ramperstorffer, Hans Rockh, Rudolf Angerfelder, Hans Mosprunner, den "Schröfel" und Hans Stichel (auch Zirnast, genannt der "Alte Kürschner")[4], verhaften ließ. Am 11. Juli 1408 wurde Konrad Vorlauf gemeinsam mit Konrad Ramperstorffer und Hans Rockh am auf dem Schweinemarkt[A 6] enthauptet.[2] Nach der "Kleinen Chronik von Klosterneuburg" soll er mit Berufung auf sein Amt als Bürgermeister verlangt haben, als erster hingerichtet zu werden.[5]

Nachdem Herzog Albrecht V. die Herrschaft über das Herzogtum Österreich 1411 selbst übernommen hatte, kam es zur postumen Rehabilitierung der drei Hingerichteten.[2] Wie auch die späteren Bürgermeister Wolfgang Holzer und Martin Siebenbürger galt Konrad Vorlauf im 19. Jahrhundert als Vorläufer eines liberalen Bürgertums[2], wobei er jedoch im Unterschied zu Holzer ausschließlich positiv gesehen wurde.

Gedenkstätten in Wien

Gedenktafel am Lobkowitzplatz
  • Die Leichen von Konrad Vorlauf, Konrad Ramperstorffer und Hans Rockh, die zunächst auf dem Stephansfreithof an der Nordseite des Stephansdoms begraben worden waren, wurden 1430 exhumiert und im Südchor von diesem unter einer für sie eigens angefertigten Marmorgrabplatte beigesetzt. Die Inschrift auf dieser Grabplatte berichtete von ihrem Schicksal. Die Grabplatte ist heute nur mehr in Teilen erhalten, sie wurde am 13. April 1945 beim Einsturz des Chorgewölbes zerstört.[2]
  • In Wien, Lobkowitzplatz 3, wurde am 23. Juli 1868, eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Hinrichtung enthüllt. In Wien ist außerdem die Vorlaufstraße nach ihm benannt.[2]
  • Auf einem Langhauspfeiler im Stephansdom befindet sich eine "Schutzmantelmadonna", die aufgrund des Wappens als eine Stiftung von Konrad Vorlaufs Witwe Dorothea gilt. Die noch erkennbaren Stifterfiguren sollen das Ehepaar darstellen.[2]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 vgl. Vorlauf Konrad, Website Stadt Wien, eingesehen am 27. Jänner 2018
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 2,9 vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Vorlauf Konrad. In: Historisches Lexikon Wien. Band 5, Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 3-218-00547-7, S. 557.
  3. 3,0 3,1 vgl. Andreas Pittler: Die Bürgermeister Wiens, 2003, S. 20
  4. 4,0 4,1 4,2 vgl. Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien: Zeitgenossen berichten. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 1995, ISBN 978-3-205-98372-9, S. 114
  5. vgl. Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien: Zeitgenossen berichten. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 1995, ISBN 978-3-205-98372-9, S. 115

Anmerkungen

  1. Der tatsächliche Hintergrund für die Hinrichtung von Konrad Vorlauf, Konrad Ramperstorffer und Hans Rockh ist zurzeit nicht eindeutig geklärt, selbst wissenschaftlich fundierte Arbeiten weichen in wesentlichen Punkten von einander ab. Zum Vergleich: Konrad Ramperstorffer#Die Hinrichtung
  2. Nicht ganz klar ist, ob er diese Hinrichtung selbst zu verantworten hatte oder nur einen Befehl von Herzog Ernst dem Eisernen ausführte.
  3. Nach der "Kleinen Chronik von Klosterneuburg" sollen zu dieser Delegation auch Hans Rockh und Niklas Undermhimmel gehört haben, vgl. Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien: Zeitgenossen berichten. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 1995, ISBN 978-3-205-98372-9, S. 114
  4. Angeblich soll Hans Laun eine offene Geldforderung an den Herzog gehabt haben, deren Bezahlung er mit dieser Aktion erreichen wollte. In diesem Fall würde es sich um eine Fehde zwischen ihm und Herzog Leopold IV. handeln. Dieser Hans Laun dürfte mit jenen Johann Laun ident sein, dem auch ein Überfall auf die Rauhenstein nachgesagt wird, vgl. Rauhenstein, Burgen-Austria.Com, eingesehen am 4. März 2018
  5. Nach Pittler soll Konrad Vorlauf dagegen von seinen früheren Parteigängern geopfert worden sein, vgl. Andreas Pittler: Die Bürgermeister Wiens, 2003, S. 20
  6. Der Schweinemarkt als Hinrichtungsort war eine zusätzliche Demütigung.
VorgängerAmtNachfolger
Haunold Schuchler der JüngereBürgermeister von Wien
1403-1404
Paul Würffel
VorgängerAmtNachfolger
Rudolf AngerfelderBürgermeister von Wien
1406-1408
Hans Feldsberger


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