Ladislaus Postumus

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Herzog Ladislaus von Österreich, böhmischer und ungarischer König, besser bekannt als Ladislaus Postumus (* 22. Februar 1440, in Komorn, damals Königreich Ungarn; † 23. November 1457 in Prag, damals Königreich Böhmen)[1] war von 1440-1457 der offizielle Herrscher über das Herzogtum Österreich. Mit seinem Tod endete die Albertinische Linie der Herzöge von Österreich (Habsburger). Sein Beiname Postumus bezieht sich darauf, dass er erst nach dem Tod seines Vaters geboren wurde.

Herkunft und Familie

Ladislaus war der einzige Enkel von Kaiser Sigismund. Seine Eltern waren König König Albrecht II. (Herzog Albrecht V. von Österreich) und Königin Elisabeth. Durch die Ehen seiner beiden älteren Schwestern Anna und Elisabeth war er der Schwager von Herzog Wilhelm III. von Sachsen und König Kasimir IV. von Polen.

Seit 1456 führte Ladislaus mit König Karl (Charles) VII. von Frankreich (Karl der Siegreiche) Verhandlungen, bei denen es um seine Eheschließung mit dessen Tochter Magdalena (Madeleine) ging. Nachdem diese Ehe offiziell beschlossen war, kam sie jedoch durch den Tod von Ladislaus nicht zustande.[2] Magdalena heiratete später Gaston von Foix. Einer ihrer Nachfahren war König Heinrich (Henri) IV. von Frankreich.

Herrschaften - Überblick

Ladislaus herrschte während seines Lebens über folgende Territorien:

Von seinen Eltern hatte Ladislaus Herrschaftsansprüche auf das Herzogtum Österreich unter und ob der Enns und auf die Königreiche Böhmen und Ungarn geerbt.[1] Aufgrund seines Alters übte Ladislaus die Herrschaft in seinen Territorien zunächst nicht selbst aus. Nachdem er 1452 aus der Vormundschaft von Friedrich III. entlassen (bzw. "befreit") worden war, wurde die Herrschaft von mehreren Personen aus seinem Umfeld ausgeübt, wobei auch die Landstände beteiligt waren. Erst in seinem letzten Lebensjahr scheint es, dass Ladislaus die Regierungsgeschäft auch selbst führte.

Leben

Ausgangssituation für Ladislaus

König Albrecht II. hatte seit 1411 über das Herzogtum Österreich (unter und ob der Enns) geherrscht. Von seinem Schwiegervater Sigismund war er zum Markgraf von Mähren ernannt worden. Nach dessen Tod wurde er sein Nachfolger als römisch-deutscher König und außerdem König von Ungarn und Böhmen. In beiden Königreichen konnte er sich als Herrscher behaupten. Albrecht, der wenig später überraschend verstarb, versuchte in seinen Testamenten (mit Rücksicht auf die unterschiedlichen Rechtsverhältnisse der von ihm regierten Territorien) die Nachfolge für einen Sohn, mit dessen Geburt zu diesem Zeitpunkt gerechnet wurde, zu sichern[4]. Nach seinem Tod wählten die Kurfürsten seinen Cousin Herzog Friedrich V. von Österreich (den späteren Kaiser Friedrich III.) zu seinem Nachfolger als römisch-deutschen König.

1440 - 1452

Ladislaus Nachfolge für das Herzogtum Österreich wurde nach seiner Geburt sofort anerkannt, seine Nachfolge in Böhmen und Ungarn war jedoch zunächst umstritten.[1] Die böhmischen Stände boten die Nachfolge von Ladislaus Friedrich III. an, der sie mit ausdrücklichen Verweis auf diesen zurückwies. In der Folge wurde Ladislaus als König anerkannt, wobei sich Georg von Podiebrad als tatsächlicher Herrscher im Königreich Böhmen durchsetzte. Friedrich III. ernannte ihn zum Reichsverweser (Gubernator) von Böhmen für Ladislaus bis zu dessen Volljährigkeit.[1]

Elisabeth versuchte vor allem die Nachfolge ihres Sohnes als König von Ungarn zu sichern. Wesentliche Unterstützung von Seiten ihrer Verwandten erhielt sie von Graf Ulrich von Cilli[A 4] und (Erz-)Herzog Albrecht VI. von Österreich. Da bereits vor seiner Geburt ein Teil des ungarischen Adels die ungarische Krone dem polnischen Königs Władysław III.[A 5] angeboten hatte, versuchte sie dessen Einsetzung zuvorzukommen. Am 15. Mai 1440 ließ sie Ladislaus in Stuhlweißenburg durch den Erzbischof von Gran zum ungarischen König krönen, wobei die Einhaltung der drei ungarischen Krönungsartikel durch die Verwendung der legendären Stephanskrone gewährleistet wurde.[3] Da Elisabeth keinen Zugriff auf die Stephanskrone hatte, musste sie diese dafür im Februar 1440 durch ihre Kammerfrau Helene Kottanner aus der Plintenburg (Visegrád), wo die Krone aufbewahrt wurde, entwenden lassen.[A 6] Letztlich konnten sich jedoch die Anhänger von Władysław in den meisten Teilen des ungarischen Königreiches durchsetzen. Um den Kampf um die ungarische Krone für ihren Sohn weiterzuführen, sah sich Elisabeth letztlich gezwungen, Friedrich III. als Vormund anzuerkennen und Ladislaus in seine Obhut zu geben.[3] Erst nach ihrem Tod und nachdem Władysław in der Schlacht von Varna (10. November 1444) gefallen war, wurde Ladislaus als ungarischer König anerkannt. Friedrich III. machte später den ungarischen (heute: ungarisch-rumänischen) Adligen Johann (János) Hunyady zum Reichsverweser für das Königreich Ungarn.[1]

1452 - 1457

Im Herbst 1452 erreichten (bzw. "erzwangen") die Landstände unter Ulrich von Eitzing, die sich im Herbst 1451 zum Mailberger Bund zusammengeschlossen hatten, die Entlassung von Ladislaus aus der Vormundschaft Friedrichs III. (4. September 1452).[1] Ladislaus residierte danach abwechselnd besonders in den Städten Wien, Prag und Ofen (heute Teil von Budapest), wobei verschiedene Personen auf ihn Einfluss zu nehmen versuchten und in seinem Namen politisch tätig waren, die allerdings miteinander rivalisierten, darunter Georg von Podiebrad, Johann Hunyady und Ulrich von Eitzing sowie Graf Ulrich II. von Cilli. Besonders die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ulrichen wirkten sich vor allem auf die Politik im Herzogtum Österreich aus und spalteten das Wiener Bürgertum. Während der Wiener Erbbürger und zeitweilige Bürgermeister Konrad Hölzler (der Jüngere) zu den Hauptstützen des Grafen von Cilli gehörte, zählten die Wiener Ratsbürger Wolfgang Holzer und Jakob Starch zu den Parteigänger von Ulrich von Eitzing..[1]

Außerdem kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Ladislaus und Friedrich III. um jene Burgen in den heutigen österreichischen BundesländernNiederösterreich und Burgenland, die diesem von Ladislaus' Mutter verpfändet worden waren, was mehrere Fehden zur Folge hatte. In diesen Konflikten versuchte (Erz-)Herzog Albrecht VI. einige Male zu vermitteln. Ein weiterer Konflikt mit Friedrich III. ergab sich durch den Tod von Ulrich von Cilli. Ladislaus machte als dessen nächster Verwandter Ansprüche auf das Erbe geltend.

1455-1456 hielten sich außer Ladislaus auch seine Verwandten (Erz-)Herzog Albrecht VI. und Herzog Siegmund von Österreich ("Siegmund der Münzreiche") in Wien auf[1], bis heute ist allerdings nicht geklärt, was bei diesem mehrmonatigen Treffen tatsächlich zwischen ihnen verhandelt wurde.

Erst nach dem Tod von Johann Hunyady am 11. August 1456, der Ermordung von Ulrich von Cilli am 9. November 1456 und der Hinrichtung von Ladislaus Hunyady am 16. März 1457 scheint es, dass Ladislaus nun begann auch selbst zu herrschen.[1] Im Sommer 1457 hielt er sich nochmals in und bei Wien auf, von Korneuburg aus führte er im August Verhandlungen mit Georg von Podiebrad und Ulrich von Eitzing, als deren Folge er wenig später nach Prag reiste, wo er überraschend verstarb.[1]

Die Folgen von seinem Tod

Es scheint, dass Ladislaus zumindest im Herzogtum Österreich und vor allem in Wien sehr betrauert wurde[1]. Seine letzte Ruhestätte fand Ladislaus im Veitsdom in Prag[1].

Um seinen plötzlichen Tod bildeten sich Gerüchte, die auch in der seriösen Forschung für Fakten gehalten wurden. Nach zeitgenössischen Gedichten, in denen sein Tod beklagt wird und deren Verfasser unbekannt sind, lässt ihn Georg von Podiebrad erstechen. Als Todesursachen finden sich in der wissenschaftlichen Literatur bis heute eine Pesterkrankung oder eine Vergiftung[1]. Seit einer medizinisch-wissenschaftlichen Untersuchung seiner Gebeine ist allerdings bewiesen, dass er an einer akuten Leukämieerkrankung starb.

Mit Ladislaus endet der Albrechtinische Zweig der Habsburger in männlicher Linie, außerdem bedeutete sein Tod auch das Ende einer habsburgisch-luxemburgischen Linie und somit eine (indirekte) Weiterführung der Dynastie der Luxemburger über eine Erbtochter. Während in den Königreichen Böhmen und Ungarn die Adligen Georg von Podiebrad und Matthias Corvinus seine Nachfolge antraten, fiel das Herzogtum Österreich nach seinem Tod wieder an den Leopoldinischen Zweig der Habsburger[5]. Dort kam es in der Folge zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die als der "Erste Bruderzwist von Habsburg" in die Geschichte eingegangen sind.

Ladislaus Postumus und Wien

Nach der offiziellen Entlassung von Ladislaus aus der Vormundschaft von Kaiser Friedrich III. war Wien eine seiner Hauptstädte, wo er sich häufig aufhielt.

  • Nach Ladislaus war der "Laßlaturm" in benannt. Er wurde im 15. Jahrhundert erbaut und befand sich in Wien 4, Wiedner Hauptstraße, etwa in der Gegend des späteren Hotels "Zur Stadt Triest". Es handelte sich dabei um einen hohen Quaderbau mit vier spitzen Ecktürmchen, der als Bollwerk diente und die äußere Grenze der Vorstadt Wieden bezeichnete. Der feierliche Einzug von Ladislaus in die Stadt Wien im Herbst 1452 soll durch den damals in Bau befindlichen Turm erfolgt sein. Der Laßlaturm wurde 1461 vollendet, 1529 durch die Osmanen arg beschädigt und bald danach abgebrochen. Unweit der Stelle, an der er stand, wurde 1904 der Rainerbrunnen errichtet.[6]
  • 1452 wurde im Stadtgraben für Ladislaus Postumus ein Tiergarten angelegt, der aber nach seinem Tod wieder aufgelassen wurde.[7]
  • Für die Stadt Wien erließ Ladislaus Postumus am 15. Mai 1453 eine "Hansgrafenordnung", in welcher die Anzahl der Unterkäufel[A 7] geregelt wurde.

Ladislaus Postumus als Bühnenfigur

Ladislaus Postumus in zeitgenössischen Quellen

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Ladislaus Postumus. In: Historisches Lexikon Wien. Band 1, Kremayr & Scheriau, Wien 1992, ISBN 3-218-00543-4, S. 657.
  2. vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Ladislaus Postumus. In: Historisches Lexikon Wien. Band 1, Kremayr & Scheriau, Wien 1992, ISBN 3-218-00543-4, S. 657–658.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 vgl. Franz Theuer: Der Raub der Stephanskrone, 1994, S. 543
  4. vgl. Franz Dirnberger: Reisen im Mittelalter. Die Gesandtschaftsreise des Königs Ladislaus nach Rom 1453. Diplomarbeit (nicht publiziert), Wien, 1997, S. 10f.
  5. vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Ladislaus Postumus. In: Historisches Lexikon Wien. Band 1, Kremayr & Scheriau, Wien 1992, ISBN 3-218-00543-4, S. 658.
  6. vgl. Laßlabrunnen, WienWiki, eingesehen am 17. September 2017
  7. vgl. Stadtgraben, WienWiki, eingesehen am 17. September 2017

Anmerkungen

  1. Die tatsächliche Herrschaft oblag zunächst seiner Mutter Elisabeth (bis zu deren Tod) und den Landständen sowie dem späteren Kaiser Friedrich III., der bis 1452 auch offiziell sein Vormund war.
  2. Nachdem Friedrich III. die böhmische Krone, die ihm von den Ständen angeboten worden war, mit Berufung auf seinen Neffen zurückgewiesen hatte, wurde Ladislaus als (offizieller) Herrscher hier weitgehend anerkannt. Die tatsächliche Herrschaft lag jedoch bei Georg von Podiebrad, den Friedrich III. zum Reichsverweser erhoben hatte und der diese Position auch nach 1552 halten konnte. Er folgte nach Ladislaus' Tod diesem als böhmischer König nach.
  3. Kaiser Friedrich III. ernannte später für das Königreich Ungarn den Adeligen Janos Hunyady zum Reichsverweser.
  4. Ulrich von Cilli war ein Cousin von Königin Elisabeth. Ihre Mutter Barbara und sein Vater Friedrich waren Geschwister.
  5. Władysław III. war der ältere Bruder des polnischen Königs Kasimir IV. von Polen, der 1454 Ladislaus' Schwester Elisabeth heiratete.
  6. Dieses Geschehnis wird gewöhnlich als "Raub der Stephanskrone" bezeichnet, obwohl der Begriff Raub mit Blick auf die tatsächliche Vorgehensweise irreführend ist. Über die Einzelheiten informiert ein Bericht von Helene Kottanner, der im 19. Jahrhundert entdeckt wurde und in der seriösen Geschichtsforschung für zuverlässig gilt. Er wird außerdem auch als eine wichtige Quelle für den "Alltag" des Spätmittelalters genutzt. Vgl. Beatrix Eichinger: Die Quellen und ihre Verfasserin. In: diess.: Geschlechtstypisches Erleben im 15. Jahrhundert? Die autobiographischen Schriften einer Frau und zweier Männer im Vergleich. (ungedruckte) Diplomarbeit, Universität Wien, 1994, S. 11-28
  7. Als Unterkäufel (oder auch Leitkaufer) wurden im Mittelalter in Wien Handelsagenten bezeichnet, die gegen Provision Geschäftsabschlüsse zwischen heimischen und fremden Kaufleuten vermittelten. Mit dem Inkrafttreten des Wiener Stapelrechts von 1221 stieg ihre Bedeutung, doch waren sie bis 1348 als Zeugen für Handelsgeschäfte vor Gericht nicht zugelassen. Waren die Unterkäufel zunächst privat tätig, wurden sie später auch "Bedienstete" der Stadt Wien. Die Anzahl der für die Stadt Wien tätigen Unterkäufel war jedoch auf eine bestimmte Anazahl eingegrenzt, sie waren dem Hansgrafen unterstellt und hatten ihm periodisch Bericht zu erstatten hatten. vgl. Unterkäufel, WienWiki, eingesehen am 17. September 2017
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