Michael Hueber (Bader)

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Michael Hueber, auch Michael Hueber der Ältere (* im 15. Jahrhundert; † nach dem 11. November und vor dem 6. Dezember 1507[1]) war Bader in Rattenberg, das zu seiner Zeit noch unter der Herrschaft der Herzöge von Baiern[A 1] war.

Das Badehaus zu Rattenberg

Das Badehaus zu Rattenberg befand sich am Ufer des Inns[2]. Es war Eigentum der Stadt, die für die Instandhaltung des Gebäudes und seiner Inneneinrichtung (Badofen, Warmwasserkessel, Bänke, Stellagen etc.) zuständig. Sie trug auch die Kosten für Neuanschaffungen. Der Bader erhielt eines Jahressold, das Bad wurde ihm von der Stadt kostenlos überlassen. Alle Werkzeuge (Badewannen, Schaffen, Rasiermesser, Lass- und Schröpfeisen, Verbandszeug etc.), die er als Bader, Barbier und Wundarzt benötigte, musste er jedoch selbst mitbringen. Für die Aufnahme seines Personals war er selbst zuständig, für die Anstellungen seiner Gewandhüterinnen und Reiberinnen (Badefrauen) benötigte er jedoch die ausdrückliche Zustimmung des Stadtrates, der mit diesen beiden Berufen Frauen und Witwen der einfachen Handwerker und Krämer, die arm oder verarmt waren, so ein kleines Einkommen zu verschaffen versuchte. Während er für die Bezahlung des Wochenlohns seiner Badeknechte selbst zuständig war, wurden die Gewandhüterinnen und Reiberinnen, die freiberuflich tätig waren, von der Stadt bezahlt[3]. Gesellschaftlich hatte der Bader nur das "Inwohnerrecht", nach seiner Aufnahme als Bader war eine jährliche Wiederbestellung vorgeschrieben.[4] Nach 1518 und vermutlich bereits zeitweise zuvor dürfte das städtische Badehaus auch als Badehaus für die Mönche des Augustinerklosters in Rattenberg zuständig gewesen sein.[5] Das Badehaus wurde erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschlossen und dann Privatbesitz. Es war in der Folge Gasthaus und Café, dann eine Schlosserei und schließlich eine psychotherapeutische Praxis.[6]

Der erste für das Badehaus in Rattenberg belegte Bader dürfte Hanns Karg von Röttemberg gewesen sein, der 1450/60 zur "Baderbruderschaft Innsbruck-Hall" gehörte.[7] Um 1478 ist der Bader in Rattenberg ein Meister Hans Plank. Vermutlich war er bereits 1470 Bader. Aus diesem Jahr hat sich eine Mitteilung über einen Vorfall im Badehaus erhalten: die Verurteilung eines Knappen durch den Bergrichter, nachdem dieser eine Gewandhüterin mit einem Messer bedroht hatte. Michael Hueber dürfte sein Nachfolger gewesen sein.[8]

Leben

Michael Hueber war zunächst Bader im Dienst des Augustinerklosters in Rattenberg. Er dürfte um 1482 / 1489 das städtische Badehaus übernommen haben. Als städtischer Bader dürfte er auch Leistungen erbracht haben, die für das Kloster waren und von diesem bezahlt wurden. Er wurde außerdem bei Viehkrankheiten konsultiert.[9]

Familie

Michael Hueber war verheiratet und hatte einen gleichnamigen Sohn, der später ebenfalls Bader in Rattenberg wurde. Seine Ehefrau Katharina wurde als seine Witwe am 6. Dezember 1507 mit der Weiterführung des Bades für ein Vierteljahr beauftragt. Wie unter der Leitung ihres Mannes wurden weiterhin Leistungen für das Kloster erbracht. Am 14. Februar 1508 heiratete sie Heinrich Öttinger.[1]

Literatur

  • Robert Büchner: Im städtischen Bad vor 500 Jahren. Badhaus, Bader und Badegäste im alten Tirol. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 2014, ISBN 978-3-205-79509-4, S. 82ff.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 vgl. Robert Büchner: Im städtischen Bad vor 500 Jahren, 2014, S. 84
  2. vgl. Robert Büchner: Im städtischen Bad vor 500 Jahren, 2014, S. 120
  3. vgl. Robert Büchner: Im städtischen Bad vor 500 Jahren, 2014, S. 113
  4. vgl. Robert Büchner: Im städtischen Bad vor 500 Jahren, 2014, S. 82
  5. vgl. Robert Büchner: Im städtischen Bad vor 500 Jahren, 2014, S. 84f.
  6. vgl. Robert Büchner: Im städtischen Bad vor 500 Jahren, 2014, S. 138
  7. vgl. Robert Büchner: Im städtischen Bad vor 500 Jahren, 2014, S. 82f.
  8. vgl. Robert Büchner: Im städtischen Bad vor 500 Jahren, 2014, S. 83
  9. vgl. Robert Büchner: Im städtischen Bad vor 500 Jahren, 2014, S. 83f.

Anmerkungen

  1. Die Schreibweise des Landes Bayern mit y wurde erst einige Jahre nach dem Wiener Kongress im 19. Jahrhundert durch einen gesetzlichen Beschluss des damaligen Königs eingeführt. Da es um die Wittelsbacher bzw. um das Mittelalter geht, wird in diesem Artikel die Schreibung mit i verwendet.