Oswald von Milser

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Oswald von Milser, auch Oswald Milser von Klamm, Oswald von Mils, Oswald Milser oder Oswald Mülser (* im 14. Jahrhundert, um 1330; † um 1395[1]), ein Adeliger der Grafschaft Tirol, war eine sagenumwobene, berüchtigte Persönlichkeit. Bekannt wurde er wegen des "Hostienwunders von Seefeld".

Herkunft und Familienverhältnisse

Die Herren von Milser (auch von Mils oder Mülser) stammten aus dem unteren Inntal und waren in Mils bei Imst ansässig[1]. Sie waren zunächst Dienstleute der Grafen von Eppan-Ulten und dann der Grafen von Tirol bzw. der Grafen von Görz. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die Familie mit der strategisch wichtigen Burg Klamm belehnt.[2] Diese war einer der Stützpunkte zur Sicherung der (besonders für den Salzhandel aus Hall) wichtigen Handelsstrecke von Mötz (wo es damals bereits eine wichtige Innbrücke gab) über den Fernpass ins Reich.[3]

Einer von Oswalds Vorfahren, Rupert Milser hatte in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts (1279[4] oder 1286[5]) gemeinsam mit seiner Gattin Adelheid die Milser-Kapelle (Sakramentskapelle, seit ca. 1620 im Volksmund auch Blutkapelle) im Kloster zu Stams gestiftet, die 1306 zu Ehren des Allerheiligsten Sakramentes eingeweiht wurde[5]. Hier fanden mehrere Angehörige der Familie, darunter auch Oswald, ihre letzte Ruhestätte.[4][5]

Oswald war vermutlich ein Sohn von Konrad von Milser.[6] Dessen Bruder, Rudolf III. von Milser, hatte nach 1300 Margarethe, die Erbtochter des Guntram von Clam (Klamm), geheiratet, und wurde gemeinsam mit Konrad, vermutlich um 1318, mit der Burg Klamm belehnt. Da Rudolf keine Nachkommen hatte, beerbten ihn Oswald und sein Bruder Christoph († nach 1895[6]).[1]

Oswald und sein Bruder Christoph sind seit 1350 urkundlich belegt[1]. Oswald war angeblich mit einer Frau namens Dorothea verheiratet[5]. Da weder Oswald noch Christoph Nachkommen hatten, starb die Familie mit ihnen aus.[6]

Leben

Als die Herzöge von Österreich (Habsburger) 1363 die Herrschaft über die Grafschaft Tirol angetreten hatte, unterstützte Oswald von Milser sie im Kampf gegen die Herzöge von Baiern (Wittelsbacher)[A 1]. Er gehörte zu den Verteidigern des Mieminger Plateaus im Jahr 1368. Im selben Jahr verschleppte er (vermutlich im Auftrag von Herzog Leopold III. von Österreich) den Abt von Wilten, Konrad III. (Konrad Speiser von Friedberg), der die Herzöge von Baiern unterstützt hatte, auf die Burg Klamm, wo er ihn einige Zeit festhielt. Für diese Tat wurde er in der Folge mit dem Kirchenbann belegt, von dem er sich erst 1372 lösen konnte.[7]

Oswald und sein Bruder Christoph verwalteten ihren Besitz zunächst gemeinsam. 1374 teilten sie ihre Güter, siegelten aber bis 1395 gemeinsam.[1] Außer im Besitz (oder Mitbesitz) der Burg Klamm war Oswald von Milser 1384–1393 auch landesfürstlicher Pfleger der Burg Schlossberg bei Seefeld.[2]

Tod und Erbschaft

Nach dem Tod seines Bruders Christoph von Milser bestimmte Oswald, dass die Burg Klamm nach seinem Tod an den Landesfürst zurückfallen sollte. Sein Neffe Siegmund von Starkenberg, dessen Erbansprüche durch diese Entscheidung verhindert werden sollten, setzte sich jedoch nach seinem Tod als sein Erbe durch und wurde von Herzog Leopold IV. von Österreich mit der Burg belehnt. Erst als Folge der "Starkenberger Fehde" kam diese unter die Verwaltung des Herzogs Friedrich IV. von Österreich.

Oswald von Milser wurde nach seinem Tod in der Grablege seiner Familie im Stift in Stams beigesetzt.[2]

Oswald von Milser in Sage und Legende

Das "Seefelder Hostienwunder"

Über Oswald von Milser wird eine Sage erzählt, wonach er am Gründonnerstag des Jahres 1384 in der Kirche St. Oswald in Seefeld den Pfarrer zwang, ihm als Kommunion die große Hostie zu reichen, die den Priestern vorbehalten war. Sobald die Hostie aber seine Zunge berührte, öffnete sich vor ihm die Erde und er drohte in dieser zu versinken. Er bereute daraufhin seine Tat, worauf sich die Erde wieder schloss. Als Sühne soll er die beiden Lebensjahre, die er angeblich noch vor sich hatte, im Stift Stams mit Buße verbracht haben.[2] Deshalb soll er auch nicht in der Grablege bei seinen Ahnen beigesetzt worden sein, sondern unter der Schwelle der Heiligblut-Kapelle (Weihe 1576), damit alle, die sie besuchten, auf ihn treten mussten.[2] In einer Version wird diese Sage dadurch ergänzt, dass seine Ehefrau, die dem Gottesdienst ferngeblieben war, als ihr von dem Wunder berichtet wurde, dieses nicht glauben wollte. Als es daraufhin zu einem Rosenwunder kam, das sie selbst herausgefordert hatte und sie dieses nicht anerkennen wollte, verfiel sie dem Wahnsinn.[5]

Erinnerungen

In Mils bei Hall wurde nach ihm die Oswald-Milser-Straße benannt.[1][A 2]

Oswald von Milser in der bildenden Kunst

  • Das "Seefelder Hostienwunder" wurde von Jörg Kölderer in seiner "Seefelder Mirakeltafel" aus den Jahren 1500 / 1502 dargestellt.[2][8]
  • Das "Seefelder Hostienwunder" wurde als Deckenfresko in der Heilig-Blut-Kapelle der Kirche St. Oswald Mitte des 15. Jahrhunderts verewigt.[5].

Oswald von Milser auf der Theaterbühne

  • H. Tusch: Oswald von Milser, Drama[9]

Literatur

  • Beatrix Pinzer – Egon Pinzer: Burgen, Schlösser und Ruinen in Nordtirol, und Osttirol. Edition Löwenzahn, Innsbruck, 1996, ISBN 3-7006-2122-3, S. 64-67

Primärtexte

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 vgl. Oswald Milser-Darstellung, Mils-Chronik.at, eingesehen am 22. Oktober 2017
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 vgl. Beatrix Pinzer – Egon Pinzer: Burgen, Schlösser und Ruinen in Nordtirol, und Osttirol, 1996, S. 66
  3. vgl. Beatrix Pinzer – Egon Pinzer: Burgen, Schlösser und Ruinen in Nordtirol, und Osttirol, 1996, S. 64
  4. 4,0 4,1 lt. Wappen, Mils-Chronik.at, eingesehen am 22. Oktober 2017
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 vgl. Die Begebenheit mit Oswald Milser, Sagen.At, eingesehen am 22. Oktober 2017
  6. 6,0 6,1 6,2 vgl. Beatrix Pinzer – Egon Pinzer: Burgen, Schlösser und Ruinen in Nordtirol, und Osttirol, 1996, S. 67
  7. vgl. Beatrix Pinzer – Egon Pinzer: Burgen, Schlösser und Ruinen in Nordtirol, und Osttirol, 1996, S. 66f.
  8. vgl. Oswald Milser-Mappe, Seefelder Kulturring.At, eingesehen am 21. Oktober 2017
  9. vgl. Theaterverband Tirol, eingesehen am 22. Oktober 2017

Anmerkungen

  1. Die Schreibweise des Landes Bayern mit y wurde erst einige Jahre nach dem Wiener Kongress im 19. Jahrhundert durch einen gesetzlichen Beschluss des damaligen Königs eingeführt. Da es um die Wittelsbacher bzw. um das Mittelalter geht, wird in diesem Artikel die Schreibung mit i verwendet.
  2. Früher wurde davon ausgegangen, dass sie aus Mils bei Hall stammten, also aus dem westlichen Teil des oberen Inntals. Nach den Urkundenbelegen ist jedoch Mils bei Imst wahrscheinlicher, vgl. Oswald Milser-Darstellung, Mils-Chronik.at, eingesehen am 22. Oktober 2017.