Otto von Eberstein

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Graf Otto (II.) von Eberstein, auch Otto der Jüngere (* im 13. Jahrhundert, bei Hohen-Baden im alten Uffgau; † um 1286/87[1]) war 1246/47 kaiserlicher Reichsverweser des Herzogtums Österreich, konnte sich dort aber nicht durchsetzen.

Herkunft

Graf Otto (II.) von Eberstein war der Sohn des Grafen Otto I. von Eberstein und der Bruder des Grafen Eberhard IV. von Eberstein. Verheiratet war er mit Elisabeth, einer Tochter des Pfalzgrafen Konrad von Tübingen. Es scheint, dass die Ehe kinderlos blieb.[1]

Reichsverweser des Herzogtums Österreich um 1246/47

Herzog Friedrich II. von Österreich ("Friedrich dem Streitbaren") fiel am 15. Juni 1246 in der Schlacht an der Leitha. Da er keine Nachkommen hatte, keine männlichen Verwandten hinterließ und über seine Nachfolge auch keine Bestimmungen getroffen hatte, versuchte Kaiser Friedrich II. die Herzogtümer Österreich und Steiermark als "erledigte" Reichslehen an das Reich zu ziehen beziehungsweise unter seine Herrschaft zu bringen. Ende des Jahres 1246 ernannte er den Grafen Meinhard III. von Görz zu seinem Reichsverweser für das Herzogtum Steiermark. Den Grafen Otto von Eberstein machte er zu seinem Reichsverweser für das Herzogtum Österreich.[2] Graf Otto versuchte von der Stadt Wien aus, eine Regierung auszuüben, wobei er zunächst bei einigen wichtigen Adelsfamilien des Herzogtums, darunter den Herren von Kuenring Unterstützung fand[3] Nachdem die Herzoginnen Gertrud und Margarete als die Nichte beziehungsweise eine Schwester von Friedrich dem Streitbaren ebenfalls Ansprüche auf seine Nachfolge erhoben hatten und Papst Innozenz IV., der als Schiedsrichter angerufen worden war, 1247 Gertrud für erbberechtigt erklärte, trat Graf Otto im Sommer 1247 als Reichsverweser zurück. Kaiser Friedrich II. ernannte den Herzog Otto von Baiern zu seinem Nachfolger, dieser konnte sich aber ebenfalls nicht durchsetzen.[4]

Vermeintlicher Reichsverweser des Herzogtums Österreich um 1436

Nachdem Kaiser Friedrich II. 1436 Herzog Friedrich den Streitbaren geächtet hatte, hielt er sich von Jänner bis April 1237 in der Stadt Wien auf, die ihn gegen den Herzog unterstützte, und ließ dort seinen Sohn Konrad zum römisch-deutschen König wählen. Im April 1237 erhob er Wien zur Reichsstadt. Ehe er von Wien abreiste, setzte er Bischof Eckbert von Bamberg († 5. Juni 1237) zu seinem Reichsverweser für die Herzogtümer Österreich und die Steiermark ein, wobei er ihm den Burggrafen Konrad von Nürnberg und die Grafen Eberhard (III.) von Eberstein und Wilhelm (IV.) von Heunburg zur Seite stellte. Es gelang diesen aber nicht, die Herrschaft des Kaisers gegen den Herzog zu behaupten. Nach Bischof Eckberts Tod kam es zu einem Gefecht auf dem Steinfeld, in welchem Herzog Friedrich siegte und den Burggrafen von Nürnberg gefangen nehmen konnte. Nach einigen weiteren Gefechten im damaligen Herzogtum Österreich brachte der Herzog auch die neue "Reichstadt" Wien nach einer längeren Belagerung wieder unter seine landesfürstliche Herrschaft.[5]

Dieser Graf Eberhard (III.) von Eberstein war ein Onkel von Graf Otto (II.) von Eberstein [6]. In der Sekundärliteratur des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Verwechslung der beiden Grafen, dieser Irrtum hat sich bis heute in manchen Sekundärliteratur-Arbeiten erhalten.[7]

Literatur

  • Franz Xaver von Wegele: Otto II. von Eberstein- In: Allgemeine Deutsche Biographie 5, 1877, S. 583f. Online-Version
  • Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien. Zeitgenossen berichten. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 1995, ISBN 3-205-98372-6, S. 27-31
  • Maximilian Weltin: Das Land und sein Recht. Ausgewählte Beiträge zur Verfassungsgeschichte Österreichs im Mittelalter. Hrsg. von Folker Reichert und Winfried Stelzer (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband 49), R. Oldenbourg Verlag, Wien / München, 2006, ISBN 3-7029-0543-X, S. 132-135

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 vgl. Allgemeine Deutsche Biographie 5, 1877, S. 583
  2. vgl. Walter Kleindel: Österreich Chronik. Daten zur Geschichte und Kultur, 1978, S. 57
  3. vgl. Maximilian Weltin: Das Land und sein Recht, 2006, S. 132f.
  4. vgl. Walter Kleindel: Österreich Chronik. Daten zur Geschichte und Kultur, 1978, S. 58
  5. vgl. Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien, 1995, S. 28f.
  6. vgl. Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien, 1995, S. 31
  7. Diese unrichtige Information findet sich zum Beispiel noch in Walter Kleindel: Österreich Chronik. Daten zur Geschichte und Kultur, 1978, S. 56