Puchheimer Fehde

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Die Puchheimer Fehde war eine kriegerische Auseinandersetzung im Zusammenhang mit den Herrschaftsverhältnissen im Herzogtum Österreich in den 1460er-Jahren, die im Kampf um die Herrschaft und Burg von Steyr ihren Höhepunkt fand. Obwohl sie im Wesentlichen von Jörg von Stein geführt wurde, ist sie nach Wilhelm von Puchheim benannt, der sich diesem vorübergehend angeschlossen hatte.

Vorgeschichte

Der aus Oberschwaben stammenden Adelige Jörg von Stein (auch Georg von Stain oder Stein) († 1497) war ein enger Vertrauter von (Erz-)Herzog Albrecht VI. von Österreich (†1463) gewesen.[1] Von diesem hatte er mehrere Pfandschaften im Herzogtum Österreich, das sich inzwischen in die Herzogtümer unter und ob der Enns aufgespalten hatte, erhalten, darunter die Burg und Herrschaft Steyr. Noch zu Lebzeiten Albrechts hatte er diesen mit Fehdehandlungen, die gegen Kaiser Friedrich III. und dessen Gefolgschaft gerichtet war, unterstützt.

Nach Albrechts Tod schloss er sich zunächst Herzog Siegmund von Österreich ("Siegmund dem Münzreichen") an, den Albrecht zu seinem Erben eingesetzt hatte. Nachdem sich dieser jedoch mit Friedrich III. geeinigt und auf seine Ansprüche auf das Herzogtum Österreich ob der Enns im Austausch für die "Vorderen Lande" verzichtet hatte, war Jörg von Stein gezwungen, mit Friedrich III. wegen der Pfandschaften zu einer Einigung zu gelangen.[2]

Jörg von Stein stimmte der Herausgabe von Steyr gegen die Rückzahlung der Pfandsumme zu, die um 6.000 Gulden reduziert wurde[3], eröffnete dann aber eine Fehde gegen den Kaiser, die als "Puchheimer Fehde" in die Geschichte eingegangen ist. Die Ursache für diese Fehde dürfte wohl gewesen sein, dass Jörg von Stein die reduzierte Pfandsumme letztlich nicht oder nur zum Teil erhalten hatte.

Die Puchheimer Fehde

Zunächst waren von Jörgs Fehdehandlungen in der Puchheimer Fehde nur die Gebiete im unteren Mühlviertel und um Steyr betroffen. Im Februar 1465 suchte er allerdings auch St. Florian, Garsten und Lambach heim.[4]

Die Fehde ist jedoch nicht nach ihm benannt, sondern nach einem seiner Verbündeten. Wilhelm von Puchheim, der zuvor auf der Seite des Kaisers gestanden hatte.[5] Dieser ließ er 1466 (vermutlich bereits im Rahmen der Fehde) von seinen Knechten den Tross der Kaiserin Eleonore, die sich von Baden auf dem Weg nach Heiligenkreuz befand, überfallen, wobei einer ihrer Kammerwagen ausgeraubt wurde. Nachdem die Beute im Auftrag der Kaiserin von ihren Leuten zurückgeholt worden war, beauftragte Friedrich III. Georg von Pottendorf mit einer Strafexpedition, bei der Wilhelms Veste Rauhenstein (im heutigen Niederösterreich) erobert und zum Teil zerstört wurde.[6] 1467 wurde Wilhelm allerdings begnadigt und war daraufhin wieder im Dienst des Kaisers.[5]

Als Friedrich III. die Stadt Steyr nach Neujahr 1467 besetzen ließ, eroberte Jörg sie noch Ende Jänner des selben Jahres zurück und setzte sich mit seinen Söldnern auf der Steyrer Burg fest. In der Folge stellte er sich in den Dienst des böhmischen Königs Georg, der ebenfalls in einem Konflikt mit Friedrich III. geraten war. Ende 1467 musste Jörg von Stein die Stadt Steyr endgültig aufgeben. Nachdem die erwartete Hilfe des böhmischen Königs ausgeblieben war, verlor er im Januar 1468 auch die Burg Steyr. In der Folge dürfte er nach Böhmen geflüchtet sein. Mit einer am 30. November 1470 auf Trübau abgeschlossenen Urkunde trat er seine Rechte auf Steyr als Pfandschaft an Ulrich von Boskowitz auf Cimburg ab. Jörg von Stein schloss sich dann dem ungarischen König Matthias Corvinus an[3]

Probleme der Forschungslage

Die "Puchheimer Fehde" gehört zu jenen Auseinandersetzungen, deren Hintergründe bis heute nicht restlos erforscht sind. Selbst in wissenschaftlichen Arbeiten finden sich widersprüchliche und auch unrichtige Informationen. Das dürfte zwei Gründe haben.

  • Zum einen wurden Fehden, selbst in der seriösen Geschichtsforschung, lange Zeit ausschließlich kritisch und vor allem als Unrecht wahrgenommen. Bei Konflikten zwischen Landesfürst und Landadel im Spätmittelalter bzw. bei Kämpfen zwischen Reichsstädten und dem "niedrigen" Adel (wobei dieser oft im Auftrag von Landesfürsten tätig war, die sich selbst im Hintergrund hielten, wurden vor allem die Vorteile einer Stärkung der Landesherrschaft durch den Fürsten bzw. der Reichsstädte wahrgenommen.[7]
  • Bei Jörg von Stein und seiner Zeit unter den (Erz-)Herzögen von Österreich (Habsburgern) kommt noch hinzu, dass das Bild des Erzherzogs Albrecht VI. durch parteiische Überlieferung und unrichtige Beurteilung über Jahrhunderte verzerrt war.[8] Erst seit Ende des 20. Jahrhunderts begann sich in der seriösen wissenschaftlichen Forschung eine differenziertere Sicht durchzusetzen.

Das wirkte sich auch auf die Wahrnehmung des Jörg von Stein aus. Gleich nach dem Tod Albrechts hatte dieser, den der Erzherzog an sein Krankenlager hatte rufen lassen und der somit bei seinem Tod anwesend war, die Stadt Wien verlassen und wurde daraufhin verdächtigt, etwas mit dem Tod Albrechts zu tun zu haben, wofür es allerdings keine Belege gibt.[9] Im 19. Jahrhundert wurde ihm dann von der Geschichtsforschung nicht nur Beteiligung an einer möglichen Ermordung, sondern auch eine Verschwörung gegen den Erzherzog unterstellt, für die es ebenfalls keine eindeutigen Belege gibt.[10]

Literatur

  • Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich (= Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Bd. 38). Köln u. a.: Böhlau 2015, ISBN 978-3-412-50139-6 digital

Weblinks

Einzelnachweise

  1. vgl. Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI., 2015, S. 269
  2. Wenn Friedrich III. also am 15. April 1464 die Burg und Herrschaft Steyr an Jörg von Stein verpfändet haben soll, wie zum Beispiel bei Rudolf Lehr: LandesChronik Oberösterreich. 3000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien: Christian Brandstätter Verlag 2012, ISBN 978-3-850-62-1, S. 101, steht das im Widerspruch dazu, dass diesem die Burg und Herrschaft bereits von Albrecht verpfändet worden war.
  3. 3,0 3,1 vgl. Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI., 2015, S. 644
  4. vgl. Rudolf Lehr: LandesChronik Oberösterreich. 3000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien: Christian Brandstätter Verlag 2012, ISBN 978-3-850-62-1, S. 101
  5. 5,0 5,1 vgl. Paul-Joachim Heinig: Kaiser Friedrich III. (1440–1493). Hof, Regierung, Politik (= Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Bd. 17). 3 Bände, Böhlau, Köln 1997, ISBN 3-412-15595-0 (Zugleich: Gießen, Universität, Habilitations-Schrift, 1993), Bd. 1, S. 257
  6. vgl. Rauhenstein, Burgen-Austria.Com, eingesehen am 5. September 2017
  7. Hinweise dazu vgl. Kurt Andermann (Hrsg.): "Raubritter" oder "Rechtschaffene vom Adel"?. Aspekte von Politik, Friede und Recht im späten Mittelalter (= Oberrheinische Studien 14). Sigmaringen, 1997, ISBN 3-7995-7814-5
  8. vgl. Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI., 2015, S. 646f.
  9. vgl. Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI., 2015, S. 638f.
  10. vgl. Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI., 2015, S. 636ff.