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Absturz einer B-17 bei Reichenau an der Rax am 26. Juli 1944

Abzeichen der 301. Bomber-Gruppe
Ein B-17-Bomber der 301. Bomber-Gruppe
B-17-Bomber der 352. Squadron der 301. Bomber-Gruppe am 24. Juli 1944, also zwei Tage vor dem Großangriff auf Österreich, nach einem Angriff auf Turin.

Am 26. Juli 1944 stürzte im Gemeindegebiet von Reichenau an der Rax im Ortsteil Prein an der Rax ein amerikanischer Bomber vom Typ Boeing B-17 Fortress der 301. Bomber-Gruppe (419. Staffel) nach einem Luftkampf ab. Das Flugzeug hatte im Verband der 15. US-Luftflotte am Großangriff auf Ostösterreich teilgenommen und war dabei von deutschen Jagdflugzeugen abgeschossen worden.

Das Flugzeug hatte noch alle Bomben an Bord und explodierte in der Luft. Sieben Besatzungsmitglieder konnten sich mit dem Fallschirm retten, drei Crewmitglieder, darunter die beiden Piloten, starben bei diesem Absturz. Zumindest vom Piloten Richard Luebke wurden keine sterblichen Überreste gefunden.

Inhaltsverzeichnis

Schicksal der Besatzung der Maschine 44-6189

Über das Schicksal der Besatzung gibt folgende Tabelle Auskunft:

Crewmitglieder
Funktion Name Dienstgrad Verbleib
Pilot Luebke Richard H. First Lieutenant KIA (Killed in Action)
Co-Pilot Larry Thomas B. Second Lieutenant KIA
Navigator Krumholz Georg A. Second Lieutenant POW (Prisoner of War)
Bombenschütze Jones Willis T. jr. Captain POW
Bordingenieur Darling Stanley B. Technical Sergeant KIA
Funker Ault Robert L. Sergeant POW
Bordschütze Hudson Henry C. Staff Sergeant POW
Bordschütze Petrowski Anthony J. Staff Sergeant POW
Bordschütze Scalabrino Michael V. Staff Sergeant POW
Bordschütze Cope Fred T. jr. Staff Sergeant POW

Ablauf des Abschusses

Berichte von amerikanischen Augenzeugen während des Krieges

Der Missing Aircrew Report (MACR) 7141[1], der üblicherweise innerhalb 48 Stunden nach Abschuss einer Maschine erstellt wurde, enthält einen Augenzeugenbericht über die Umstände des Absturzes:

  • Second Lieutenant Paul E. Gerhart, Bombenschütze von Flugzeug Nr. 186:

„Ich flog als Bombenschütze mit Flugzeug 186 mit der 419. Staffel. Flugzeug Nr. 44-6189 kreuzte unsere Nase ungefähr 3000 Fuß (ca. 1000 Meter) unter uns, von 2 Uhr auf 10 Uhr (Anmerkung: von rechts vorne nach links hinten). Der linke Flügel brannte zwischen dem Motor und dem Flugzeugrumpf. Die Beschädigungen sahen aber nicht so arg aus. Das Flugzeug war perfekt unter Kontrolle und als ich das Ganze mit dem Fernglas beobachtete, sah ich drei Mann aus dem Seitentor abspringen. Ein Mann kam aus der offenen Bombenbucht heraus, zwei Mann bei der Luke der Flugzeugnase. Das Flugzeug drehte nach links, immer noch unter perfekter Kontrolle, und verschwand in einer sich nähernden Wolke. Alle sieben Fallschirme gingen auf, dann erforderten die angreifenden feindlichen Jäger meine Aufmerksamkeit. Es besteht die große Chance, dass der Rest der Männer aus dem Flugzeug abgesprungen ist, nachdem es mein Blickfeld verlassen hat.“

Berichte von amerikanischen Augenzeugen nach dem Krieg

Der Missing Aircrew Report (MACR) 7141[1] enthält auch Aussagen der überlebenden Besatzungsmitglieder, welche diese nach dem Krieg geäußert haben:

  • Staff Sergeant Henry Hudson, Bordschütze:

„Als ich mich aus dem Boden-Gefechtsstand befreien konnte, sah ich wie der Fallschirm von Staff Sergeant Scalabrino sich an der Notausstiegstür verhangen hatte. Ich befreite ihn und sprang dann nach ihm ab.“

  • Sergeant Ault Robert, Funker:

„Ich berichtete dem Pilot über das Feuer im Funkraum und er sagte mir, dass ich weiter nach Ursache suchen soll. Die Bordschützen sagten mir, dass der Pilot den Befehl zum Aussteigen gegeben hatte, aber ich habe ihn nicht gehört. Der Bordschütze des Boden-Gefechtsstand hörte ihn sagen: "Thomas hilft ihm". Ich glaube, dass das Flugzeug aufgrund der intensiven Hitze in der Bombenbucht explodiert ist, noch mit dem Bomben in den Schächten. Pilot und Co-Pilot waren da noch an Bord.“

Weitere Aussagen zu diesem Flugzeugabsturz

 
Militärfriedhof Florenz
 
Innenraum Militärfriedhof Florenz
 
Die im Blogeintrag von Suzanne Thompson angesprochene Memphis Belle
  • Suzanne Thompson, die Nichte des Piloten Richard Luebke erstellte 2011 einen beeindruckenden Blogeintrag über ihren Besuch in Österreich und die tiefe Trauer, welche der Tod ihres Onkels in ihrer Familie hinterlassen hatte:[2]

„Unsere bevorstehende Reise nach Italien und Österreich hat einige Verwirrung bei Freunden ausgelöst. Jeder kann verstehen, warum wir nach Italen fahren. Sonnenschein, Pizza, römische Antiquiäten, Wein, der Papst, Olivenöl und, natürlich, lebt dort auch George Clooney. Aber Österreich? Und es ist nicht einmal Schisaison. Wenn durch die Alpen fahren, Mehlspeisen essen und coole Architektur nicht genug sind, und das ist es für mich, dann gibt es auch noch einen mehr persönlichen, etwas düsteren, Grund. Am 26. Juli 1944 wurde mein Onkel Richard Luebke in Österreich getötet. Natürlich, es war während des Krieges und er war Pilot einer B-17, und da gab es eine Menge anderer junger Männer, die nicht zurückkehrten, aber während meiner Jugend fühlte ich den Verlust dieses einen Soldaten, obwohl es ein Jahrzehnt, bevor ich geboren wurde, geschah. Meine Mutter war erst 10, als ihr Bruder starb. Sie hatte zwei ältere Brüder, beide waren beim Militär eingezogen. Wenn ich meinen Onkel Dick auf Fotos sehe, erkenne ich, dass er der kontaktfreudigere der Brüder war. Ein war ein gut aussehender Kerl und in seiner Uniform war er ganz der schneidige Offizier. Von Feber bis zum Frühling 1944 flog er mit der 457. Bomber-Gruppe, die in Glatton in England stationiert war. Ich weiß nicht warum, aber ich glaube, dass er freiwillig nach Italien gegangen ist. Die 15. US-Luftflotte hatte enorme Verluste im Italienfeldzug erlitten und verstärkte in ihrer ärgsten Not aus neuen Rekruten bestehende Flugzeugbesatzungen mit erfahrenen Fliegern. Die 301. Bomber-Gruppe war während des Afrikalfeldzuges aktiv, nun aber in Lucera, Italien, stationiert. Es lag großartig für Bombenangriffe auf Industriegebiete in Österreich, Deutschland und die Ölraffinerien in Ploesti, Rumänien. Als die Armee meine Großeltern informierte, dass das Flugzeug abgestürzt war, erzählten sie ihnen, dass sich einige der Crew mit Fallschirmen gerettet hätten und dass die Wahrscheinlichkeit besteht, dass auch die restlichen Besatzungsmitglieder Kriegsgefangene sind. Als der Krieg in Europa endete und die deutschen Akten überprüft wurden, tauchte sein Name nicht auf. Die zurückkehrenden Kriegsgefangenen wurden zuerst im Camp Lucky Strike aufgepäppelt. Aber Dick war nicht darunter. Es gibt Briefe meiner Großmutter, die auf ihre anwachsende Frustration verweisen, aber sonst nichts. Das Flugzeug stürzte in einem Teil von Österreich ab, der für einige Jahre nach dem Krieg unter sowjetischer Kontrolle war. 1950 und 1951 suchten und fanden die ermittelten Offiziere Überreste von Flugzeugen, aber nicht von jenem meines Onkels. Ohne einer offiziellen Grablage wurde der Namen meines Onkels auf die Mauer der Vermissten des Amerikanischen Militärfriedhofes in Florenz geschrieben. Meine Großeltern ließen im National Cemetery in Ft. Snelling in Minnesota, auf dem auch sie heute begraben sind, eine Gedenktafel errichten. Vor einigen Jahren fuhren mein Mann und ich nach Italien und leisteten uns einen Ausflug zum Friedhof in Florenz. Wie alle militärischen Friedhöfe standen die weißen Marmorkreuze im scharfen Kontrast zum grünen Gras und dem tiefblauen Himmel. Ich stand vor der Mauer und schaute über diese Zeilen der Kreuze hinauf zu den Hügeln und den Olivenbäumen. Ich dachte an meine Mutter und meine Großmutter. Wie meine Großmutter kaum über Onkel Dick sprach und meine Mutter es ablehnte sich den Film Memphis Belle anzusehen. Eine Mauer in Florenz und eine Gedenktafel in Minnesota spenden nicht viel Trost. Meine Mutter, mein anderer Onkel und meine Großeltern sind alle schon gestorben und vielleicht, wenn es Antworten jenseits des Grabes gibt, wissen sie schlussendlich die Wahrheit. Mich aber schickte der Tag in Florenz auf eine Suche.“

  • Michael Scalabrino, einer der überlebenden Bordschützen, arbeitete 2006 bei einem Projekt mit, bei dem er als Zeitzeuge über seine Zeit in der Luftwaffe und in der Kriegsgefangenschaft befragt wurde.[3]

Übersicht über die Verluste der 301. Bomber-Gruppe

An diesem Tag wurden insgesamt elf B-17-Bomber der 301. Bomber-Gruppe abgeschossen. 66 Besatzungsmitglieder fanden dabei den Tod, 43 weitere gerieten in Gefangenschaft. Zu diesen Opfern könnten eventuell noch Tote und Verwundeten in den 15 verbleibenden Flugzeugen kommen, die den Angriff fortsetzten und zur Heimatbasis zurückkehrten.

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Daten zu diesen abgestürzten Maschinen und enthält Links zu den einzelnen Detailseiten:

Ereignis MACR - Uhrzeit Absturzstelle Typ/Seriennummer MACR Einheit KIA POW
19440726/B-17/42-31652 11.05 Uhr Stinatz B-17/42-31652
7136
[4]
301. Bomber-Gruppe/353. Squadron
3
6
19440726/B-17/Alland 11.18 Uhr Alland B-17/42-30385
7000
[5]
301. Bomber-Gruppe/353. Squadron
9
1
19440726/B-17/Alland 11.18 Uhr Alland B-17/42-102929
7143
[6]
301. Bomber-Gruppe/352. Squadron
8
2
19440726/B-17/42-102915 11.05 Uhr Langenwang B-17/42-102915
7123
[7]
301. Bomber-Gruppe/419. Squadron
6
4
19440726/B-17/44-6189 11.10 Uhr Reichenau an der Rax B-17/44-6189
7141
[1]
301. Bomber-Gruppe/32. Squadron
3
6
19440726/B-17/42-31625 11.05 Uhr Ratten B-17/42-31625
7135
[8]
301. Bomber-Gruppe/419. Squadron
6
4
19440726/B-17/St.Jakob 11.10 Uhr Sankt Jakob im Walde B-17/42-32107
7129
[9]
301. Bomber-Gruppe/419. Squadron
3
7
19440726/B-17/St.Jakob 11.10 Uhr Sankt Jakob im Walde B-17/42-3157
7138
[10]
301. Bomber-Gruppe/32. Squadron
5
5
19440726/B-17/42-31523 11.05 Uhr St. Kathrein am Hauenstein B-17/42-31523
7127
[11]
301. Bomber-Gruppe/419. Squadron
8
2
19440726/B-17/Strallegg 11.10 Uhr Strallegg B-17/42-102913
7124
[12]
301. Bomber-Gruppe/32. Squadron
7
3
19440726/B-17/Strallegg 11.05 Uhr Strallegg B-17/44-6168
7142
[13]
301. Bomber-Gruppe/352. Squadron
8
2
Summe:
66
43

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Scan von MACR 7141, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  2. Why Austria? Part I, Webseite wordpress.com, abgerufen am 15. Dezember 2014
  3. Interview Michael Scalabrino, Webseite gvsu.cdmhost.com, abgerufen am 15. Dezember 2014
  4. Scan von MACR 7136, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  5. Scan von MACR 7000, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  6. Scan von MACR 7143, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  7. Scan von MACR 7123, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  8. Scan von MACR 7135, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  9. Scan von MACR 7129, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  10. Scan von MACR 7138, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 9. Dezember 2014
  11. Scan von MACR 7127, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  12. Scan von MACR 7124, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  13. Scan von MACR 7142, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014