Gottfried von Weißeneck

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Gottfried von Weißeneck (* im 13. Jahrhundert; † 16. September 1362[1]), auch Gottfried von Weißenegg oder Gottfried von Passau, in der älteren Literatur auch Georg von Weißeneck[2], war ein Bischof von Passau.

Herkunft und Familie

Gottfried von Weißeneck entstammte einer Ministerialenfamilie des Herzogtums Kärnten. Er dürfte ein Bruder des Erzbischofs Ortolf von Salzburg und des Bischofs Ulrich von Seckau gewesen sein.[3]

Leben

Gottfried von Weißeneck soll zunächst Pfarrer in Bruck an der Mur oder Dompropst in Passau gewesen sein.[2] 1342 wurde er nach dem Tod von Bischof Albert (II.) von Passau zu dessen Nachfolger gewählt und war bis zu seinem Tod Bischof von Passau. In dieser Position gilt er einerseits als großer Bauherr, andererseits aber als schwacher Politiker, da er der Beschränkung der bischöflichen Zentralgewalt durch eine Wahlkapitulation des Domkapitels zustimmte, welche für das Verhältnis von Bischof und Kapitel für die nächsten beiden Jahrhunderte wesentliche Folgen hatte. Nach seinem Tod wurde er im Dom zu Passau beigesetzt, seine Gebeine wurden nach dem Stadtbrand im Jahr 1662 gehoben und in die neue Domgruft überführt.[1] Sein Nachfolger als Bischof wurde Albert von Winkl (Bischof Albert III.).

Wirken im heutigen EU-Land Österreich

Das Bistum Passau umfasste unter Gottfried von Weißeneck ein Gebiet entlang der Donau von der Isarmündung bei Deggendorf bis zu den Grenzen des ungarischen Königreiches. Als solches besaß es die geistliche Oberhoheit über die meisten Teile der heutigen Bundesländer Wien, Ober- und Niederösterreich. So weit es sich aufgrund der Quellenlage beurteilen lässt, dürfte Bischof Gottfried, der sich relativ oft in der Stadt Wien aufhielt[4], mit Herzog Albrecht (II.) von Österreich ("Albrecht dem Lahmen" / "Albrecht dem Weisen"), der zu seiner Zeit über das Herzogtum Österreich herrschte, und besonders mit dessen Nachfolger (Erz-)Herzog Rudolf (IV.) von Österreich ("Rudolf dem Stifter") recht gut ausgekommen sein. In Wien kaufte er im Februar 1357 vom Wiener Bürger Jans (II.) Greif einen Gebäudekomplex, den späteren Passauer Hof, der in der Folge dem Passauer Offizial als Wohnsitz diente.[5] Im Zusammenhang mit diesem Kauf wurde außerdem das Patronatsrecht der Wiener Maria am Gestade dem Bistum Passau übertragen.[6] Im November 1358 nahm Bischof Gottfried an einem wichtigen Hoftag von Herzog Rudolf (IV.) teil, wo er auch als einer der zahlreichen Zeugen bei der Ernennung des Ritters Friedrich von Kreisbach zum Jägermeister durch den Herzog fungierte. Auch in den Jahren danach ist der Bischof in Urkunden des Herzogs häufig als Zeuge genannt.[7] 1360 begleitete er den Herzog gemeinsam mit einer Reihe weiterer Bischöfe, die für dessen Herrschaftsgebiete zuständig waren, auf einer mehrwöchigen Reise in südlich gelegene Herrschaftsgebiet, die nach Graz, St. Veit an der Glan, Cilli und Laibach führte.[3] Am 11. Juni 1360 stellte er zusammen mit Bischof Aegidius von Vicenza[A 1] und den Äbten Eberhard von Reichenau († 1379) und Lambert von Gengenbach († 1399)[A 2] die Vidimierungsurkunden für mehrere herzögliche Urkunden, darunter das Privilegium maius, aus.[8]Am 21. März 1361 schloss er mit Herzog Rudolf (IV.) einen Bündnisvertrag, der beide zur gegenseitigen Hilfe (auch zu militärischer Hilfe) in Notsituationen verpflichtete, der Teil eines Bündnissystems des Herzogs für den Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung mit König Karl IV. gewesen sein dürfte.[9]

Orte mit Bezug zu Bischof Gottfried im heutigen EU-Land Österreich

Niederösterreich

Oberösterreich

Wien

Wien 1:

  • In Wien kaufte Bischof Gottfried im Februar 1357 vom Wiener Bürger Jans (II.) Greif einen Gebäudekomplex, den späteren Passauer Hof, der in der Folge dem Passauer Offizial als Wohnsitz diente.[5]
  • 1460 weihte Bischof Gottfried für Herzog Rudolf dem Stifter eine von dessen Vater errichtete Kapelle in Wien, aus der später das Dorotheerkloster entstehen sollte.[13]

Literatur

  • Vreni Dangl: Der Erzherzog und sein Bischof. Bischof Gottfried von Passau und Herzog Rudolf IV. von Österreich im Kontext der österreichischen Freiheitsbriefe. In: Thomas Just - Kathrin Kininger - Andrea Sommerlechner - Herwig Weigl (Hrsg.): Privilegium maius. Autopsie, Kontext und Karriere der Fälschungen Rudolfs IV. von Österreich (= Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Bd. 69; zugleich: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs. Sonderband 15). Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 2018. ISBN 978-3-205-20049-9. S. 105-144
  • Vreni Dangl: Gottfried von Weißeneck, Bischof von Passau (1342–1362) (= Studien zur Geschichtsforschung des Mittelalters. Band 38). Verlag Dr. Kovac, Hamburg, 2019. ISBN 978-3-339-11076-3

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 vgl. Inschriftenkatalog der Stadt Passau, Inschriften.NET, abgerufen am 26. Dezember 2019
  2. 2,0 2,1 vgl. Carinthia I (32), 1832, S. 89 digital
  3. 3,0 3,1 vgl. Vreni Dangl: Der Erzherzog und sein Bischof, 2018, S. 115
  4. vgl. Vreni Dangl: Der Erzherzog und sein Bischof, 2018, S. 118
  5. 5,0 5,1 vgl. Vreni Dangl: Der Erzherzog und sein Bischof, 2018, S. 113f.
  6. vgl. Vreni Dangl: Der Erzherzog und sein Bischof, 2018, S. 113
  7. vgl. Vreni Dangl: Der Erzherzog und sein Bischof, 2018, S. 114
  8. vgl. Vreni Dangl: Der Erzherzog und sein Bischof, 2018, S. 108
  9. vgl. Vreni Dangl: Der Erzherzog und sein Bischof, 2018, S. 116
  10. vgl. Anton Harrer: Die Herren und Frauen von Zelking. Eine Spurensuche. Melk, 2016, S. 65
  11. vgl. Stiftungsurkunde Gallspach, Website der Gemeinde Gallspach, abgerufen am 26. Dezember 2019
  12. vgl. Burg Schalenberg, Kleinzell.AT, abgerufen am 26. Dezember 2019
  13. vgl. Dorotheerkloster im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien

Anmerkungen

  1. Bischof Aegidius von Vicenza war ein enger Mitarbeiter des damaligen Papstes und wurde von diesem häufig als Gesandter für wichtige Missionen eingesetzt, vgl. Vreni Dangl: Der Erzherzog und sein Bischof, 2018, S. 109 und S. 112
  2. Der gelehrte Jurist Lambert von Gengenbach war zuletzt Fürstbischof des Hochstiftes Bamberg. Er war ein langjähriger Ratgeber von Kaiser Karl IV. und unter König Wenzel Kanzler, vgl. Vreni Dangl: Der Erzherzog und sein Bischof, 2018, S. 112f.
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