Heinrich Narr

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Matrei am Brenner, wo Heinrich Narr lebte und wirkte, um 1836

Heinrich Narr (* im 15. Jahrhundert; † im 15. Jahrhundert, um / nach 1473[A 1]) war im 15. Jahrhundert ein bedeutender Bürger von Matrei am Brenner.

Herkunft und Familie

Die Familie Narr war eine Sippe, die im Gebiet zwischen Jenbach und Patsch verstreut ihre Wohnsitze hatte. Sie ist dort bereits im 14. Jahrhundert nachgewiesen.[1]

  • Ein "Konrad der Narr" kaufte im 14. Jahrhundert zusammen mit seiner Ehefrau von Hans Helbling von Straßfried[A 2] eine Gülte aus dem Burggarten und der Mühle unterhalb von Vill (heute Teil der Stadt Innsbruck).[2]
  • Ein Thomas Narr aus Patsch war im Besitz des Zolls zu Lans und wird in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts als Zeuge einer Kundschaftsaufnahme und einer Urfehde genannt.[2]

Heinrich Narr hatte aus seiner Ehe mit Barbara einen Sohn: Sebastian Narr, der später als Gerichtsbote hervorgetraten ist.[2]

Leben

Heinrich Narr ist erstmals 1453 genannt, als Rechtsprecher der Familie Trautson, die damals gegen den Verkauf eines Baurechtes, der ohne ihre Zustimmung erfolgt war, gerichtliche Schritte setzte. [2] Er war Bürger von Matrei am Brenner, wo er zunächst ein Haus in der Altstadt bewohnte. Dieses verkaufte er 1456 an Lorenz Trautson. Die Verkaufsurkunde siegelte Augustin Heuerling. Ein Jahr zuvor war Heinrich Narr vom Stift Stams mit dem ebenfalls in Matrei gelegenen "Kupferer-Haus" ("Klosterhaus") belehnt worden. Teil dieser Belehnung waren außerdem ein Garten und drei Grundstücke im Erbbaurecht. Als Gegenleistung war er verpflichtet, innerhalb einer Fünfjahresfrist Teile dieses Hauses wieder Instand zusetzen zu lassen und dort Räumlichkeiten einzubauen, die den Klosterleuten und allen, die im Dienst des Stiftes in Matrei tätig waren, als Unterkunft dienen sollten. Auch für die Verköstigung dieser Menschen war er zuständig, allerdings durfte er die entstandenen Kosten dafür dem Stift in Rechnung stellen.[2]

Von Michael Jaufner von Silz erwarb er zusätzlichen Besitz in der Umgebung von Matrei. Bereits 1454 hatte er von ihm angeblich zwei Äcker im Umfeld von Matrei gekauft. Wegen dieser kam es noch im selben Jahr zu einem Streit zwischen ihm und den Kirchenpröpsten der Nikolauskapelle in Obernberg, in welchen er von Augustin Heuerling und anderen Vertreter von Matrei unterstützt wurde.[3] Gemeinsam mit Augustin Heuerling vertrat Heinrich Narr 1472 die Interessen von Matrei in einem Streit mit der Stadt Meran um Zollrechte in Steinach.[4]

Heinrich Narr wird in privaten Kaufverträgen mehrmals an vorrangiger Stelle genannt. Er fungierte außerdem als Schiedsrichter in einem Wasserstreit zwischen zwei privaten Personen und als es um die Klärung der Ansprüche des Stiftes Neustift auf die Hinterlassenschaft zweier Pfründner ihres Spitals aus Matrei.[5]

Literatur

  • Adelina Wallnöfer: Die politische Repräsentation des gemeinen Mannes in Tirol. Die Gerichte und ihre Vertreter auf den Landtagen vor 1500 (= Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs. Bd. 41). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck, 2017. ISBN 978-3-7030-0941-9

Einzelnachweise

  1. vgl. Adelina Wallnöfer: Die politische Repräsentation des gemeinen Mannes in Tirol, 2017, S. 335f.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 vgl. Adelina Wallnöfer: Die politische Repräsentation des gemeinen Mannes in Tirol, 2017, S. 336
  3. vgl. Adelina Wallnöfer: Die politische Repräsentation des gemeinen Mannes in Tirol, 2017, S. 272, S. 280 und S. 336
  4. vgl. Adelina Wallnöfer: Die politische Repräsentation des gemeinen Mannes in Tirol, 2017, S. 272 und S. 336
  5. vgl. Adelina Wallnöfer: Die politische Repräsentation des gemeinen Mannes in Tirol, 2017, S. 337

Anmerkungen

  1. Nach Hinweisen in Adelina Wallnöfer: Die politische Repräsentation des gemeinen Mannes in Tirol, 2017, S. 337
  2. Straßfried war später Teil des Ortes Vill, der heute zu Innsbruck gehört