Kolonie Mödling

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Schusterhäusel in der Hartigstraße

Die Kolonie (auch als Schusterhäusel bekannt) ist eine denkmalgeschützte Arbeitersiedlung in Mödling.

Lage

Sie liegt östlich der Südbahn in der Schöffelstadt. Im Norden wird sie begrenzt durch die Schillerstraße, im Süden durch die Südtirolerstraße. Durch die Heinrich Horny-Straße (früher an der Laxenburger Bahn) wird sie in die obere und die untere Kolonie getrennt. In Längsrichtung verlaufen die beiden Straßen, die Hartig- und die Robert-Koch-Straße. Die Robert-Kochstraße ist allerdings nur auf einer Straßenseite mit den Siedlungshäusern bebaut. Auf der anderen Seite befindet sich das Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling, einem Institut der AGES.

Bauweise der Häuser

Von allen 39 gleich konzipierten Häusern befindet sich jeweils eine Giebelwand an der Straßenfront. Zueinander haben sie einen Abstand von etwa 20 Meter. Die Größe jedes der Massivbauten aus Ziegel beträgt 12 x 19 Meter. Dazwischen liegende Flächen werden als Gärten genutzt. Alle Häuser sind ebenerdig mit einem ausgebauten Dachraum und nur teilweise unterkellert. Die Eingänge zu den Wohnungen sind gartenseitig. Die grob verputzten Fassaden sind an der Wetterseite (Westen) durch Holzschindeln verkleidet.

Geschichte

Die Bauten entstanden zeitgleich mit der Mödlinger Lokomotivfabrik im Jahr 1872. Bereits im Juli 1873 wurden die ersten elf Häuser in der oberen Kolonie bezugsfertig. In jedem dieser Häuser waren vier kleine Wohnungen untergebracht, wobei alle Räume über die Küche erreichbar waren.

Auch ein Schulbau für die Bewohner der Siedlung wurde eingereicht, wurde aber aus Kostengründen nie realisiert. Nach Baumeister Hartig, der alle Häuser errichtete, wurde noch 1873 auch die durchführende Straße benannt.

Die Lokomotivfabrik wurde, da sie ja nur zwei Jahre in Betrieb war, im Jahr 1883 vom Schuhfabrikanten Alfred Fränkel gekauft. Auch die Koloniehäuser waren dabei mit inbegriffen. Die Schuhfabrik nahm 1884 den Betrieb auf und in der Kolonie wurden Werksangehörige untergebracht, die dort bereits Schuhe und Stiefel in Heimarbeit vorfertigten. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung Schusterhäusl für die Kolonie. Um den Lebensunterhalt etwas aufzubessern, wurden auch Bettgeher aufgenommen. Im ersten Haus der unteren Kolonie war ein Gemischtwarenhandel mit Fleischbank als Nahversorger untergebracht. Später wurde an dieser Stelle ein Konsumgeschäft untergebracht.

Im Jahr 1900 wurden alle Häuser bereits an das öffentliche Abwassersystem angeschlossen. 1902 schloss allerdings Fränkel die Schuhfabrikation, die er nach Temešvar in Rumänien verlagerte. Viele Schuster wanderten daraufhin ab.

Nach dem Ersten Weltkrieg verhandelte die Stadt Mödling mit den Erben Fränkels, Eva Goldmann und Margarethe von Frey, über einen Kauf, der 1920 abgeschlossen werden konnte. Während das Fabriksareal die Stadtgemeinde selbst um eine Millionen Kronen erwarb, wurde die Siedlung an die Gemeinnützige Bau- und Wohnungsgenossenschaft Mödling um zwei Millionen Kronen verkauft.

Im Jahr 1921 wurde begonnen die Schusterhäusel umzubauen. Der Dachraum wurde von außen zugängig gemacht, sodass im ganzen Haus acht Kleinwohnungen statt der bisherigen vier zur Verfügung standen. Die Dachflächenfenster wurden erweitert. 1923 wurde im Auftrag der 1910 errichteten Tier-Impfstoff-Gewinnungsanstalt, dem Vorgänger des AGES-Institutes, eine Straßenbeleuchtung installiert.

Den einzelnen Wohnungen wurden etwa 50 Quadratmeter "Garten" zugeteilt, wo Schuppen oder Ställe für Kleintierhaltung angelegt werden konnten.

1932 wurde die Friedrichstraße auf Antrag der inzwischen umbenannten Bundesanstalt für Tierseuchenbekämpfung auf Robert-Koch-Straße nach dem Begründer der heutigen Bakteriologie Robert Koch, neu benannt.

Im Jahr 1934 wurde eine hölzerne Notkirche errichtet. Die Kirche, der Gottesmutter geweiht, war eine Filialkirche der Herz Jesu-Pfarre in Mödling, die von den Steyler Missionaren aus demMissionshaus St. Gabriel betreit wurden. Der Pfarrer der sich speziell um die Kolonie kümmerte, war von Beginn an Pater Alexander Kienast.

Im Jahr 1960 wurde anstelle der abgetragenen Häuser Hartigstraße 1 und 3 eine Grünanlage errichtet. 1974 wurden weitere Häuser in der oberen Kolonie abgerissen, an deren Stelle Einfamilienhäuser entstanden. Auch weitere Abrisse waren schon geplant. Im Februar 1977 wurde vom Verein zur Erhaltung der Kolonie eine Unterschriftenaktion gestartet, auf Grund der sie gesamte Siedlung im September 1978 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

In der Folge wurden zahlreiche Infrastruktureinrichtungen, wie Erdgas, Telefon, etc. erneuert und saniert. Auch die Straßen wurden durch gezielte Baumaßnahmen vom Durchzugsverkehr befreit. Im Wohnbereich selbst wurde durch Zusammenlegungen ein modernes Raumkonzept erreicht. Auch die Fenster wurden großteils saniert.

Literatur

  • Gerhard A.Stadler: Das industrielle Erbe Niederösterreichs: Geschichte-Technik-Architektur, 2006, Verlag Böhlau ISBN 3-20577460-4, S.480ff.
  • Christine Bienert: Alltag in der Mödlinger Arbeiterkolonie seit 1873, 2006, Dissertation der Universität Wien Online
  • Mödling - Geschichte, Häuser, Menschen, Stadtgemeinde Mödling, 2010, S.5 Online

Weblinks

 Kolonie Mödling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

48.0816116.30356Koordinaten: 48° 5′ N, 16° 18′ O