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Rüdiger Ölhafen

Bruck an der Mur mit der Kirche St. Ruprecht - heute. Im 15. Jahrhundert war die Ruprechtskirche die einzige Pfarrkirche von Bruck. Sie war die wichtigste Pfarre von Rüdiger Ölhafen, der sich hier mit dem Chor ein bleibendes Denkmal gesetzt hat.

Rüdiger Ölhafen (* im 14. Jahrhundert; † im 15. Jahrhundert, nach 1422 und vor dem 14. Jänner 1424)[1] war Pfarrer von Sankt Lorenzen im Mürztal und später von Bruck an der Mur. Außerdem war er einer der wichtigsten Schreiber der herzoglichen Kanzlei der Herzöge von Österreich (Habsburger) an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Familie

Rüdiger Ölhafen stammte aus der Reichsstadt Zürich. Er oder sein Vater dürfte jener Rüdiger Ölhafen (urkundlich genannt um 1365) gewesen sein, der zu den sogenannten Sihlherren gehörte, Amtsträgern der Stadt Zürich, welche mit der Verwaltung des städtischen Waldes im Sihltal betreut waren.[2]

Rüdiger Ölhafen führte ein eigenes Wappen: ein schwarzer Krug (Hafen) auf einem goldenen Hintergrund.[3]

Leben

Rüdiger Ölhafen war Kleriker und ist erstmals im Zusammenhang mit der sogenannten "Bösen Fastnacht" (26. Februar 1376) genannt. Er gehörte zu jenen zahlreichen Gefolgsleuten von Herzog Leopold (III.) von Österreich ("Leopold dem Gerechten"), darunter auch Friedrich von Erdingen († 1396), die von der Bürgerschaft der Stadt Basel vorübergehend gefangen genommen wurden.[4] Eine weitere Nennung von ihm findet sich im ersten Supplikenrotulus im Jahr 1378, welchen Herzog Leopold bei Papst Clemens VII. in Avignon einreichen ließ. Zwischen 1378 und 1382 dürfte er der meistbeschäftigte Schreiber in der Kanzlei des Herzogs gewesen sein. Er war der Schreiber des Exemplars jener Königsurkunde, die nach der Verkündigung des Reichslandfriedens durch König Wenzel (in Nürnberg am 11. März 1383) für Herzog Leopold ausgestellt wurde.[2] 1384/85 war er auf der Feste Baden im Aargau vorübergehend als Urkundenmundator mit der Ordnung und Inventarisierung des Urkundenarchivs der Habsburger betreut.[5]

Als einziger unter den Notaren von Herzog Leopold (III.) wechselte er nach der Auflösung von dessen Kanzlei als Folge der Schlacht bei Sempach († 1386) in die Kanzlei von Herzog Albrecht (III.) von Österreich ("Albrecht mit dem Zopfe") über, wo er seit Jänner 1387 wieder als Schreiber nachgewiesen ist. Im Juli 1394 war er in der Stadt Wien an Verhandlungen beteiligt, welche die Räte des noch unmündigen Grafen Heinrich (IV.) von Görz mit dem Herzog in Hinblick auf das Ende von dessen Vormundschaftsregierung für ihren Grafen führten.[6]

Nach dem Tod von Herzog Albrecht (III.) arbeitete Rüdiger Ölhafen für die Kanzlei von Herzog Wilhelm von Österreich ("Wilhelm dem Freundlichen"). Obwohl er dort nur als Schreiber tituliert wurde, dürfte seine tatsächliche Stellung der eines Protonotars entsprochen haben.[6] Während seiner Tätigkeit für Herzog Wilhelm war Rüdiger Ölhafen für Petenten am Hof ein wichtiger Ansprechpartner, so zum Beispiel sehr häufig für die Wiener Universität, aber 1405 auch für Angelus Manse, den Abt von Stift Rein.[7] Um 1406 ergänzte er das große Lehensbuch von Herzog Albrecht (III.) (angelegt seit 1380 und bis 1394/95 mit Nachträgen weitergeführt) durch mehrere Einträge. Offensichtlich war eine Weiterführung dieses Verzeichnisses geplant, die aber nach dem Tod von Herzog Wilhelm nicht weiterverfolgt wurde.[8]

Nach dem Tod von Herzog Wilhelm übernahm Rüdiger Ölhafen vorübergehend die Leitung der Kanzlei von Herzog Ernst (I.) von Österreich ("Ernst dem Eisernen"), wurde jedoch nicht zu dessen Kanzler bestellt. Seit 1412 scheint er als dessen Rat auf und fungierte in dieser Funktion häufig als Schiedsrichter.[6] Als Rat des Herzogs soll er auch am Konzil von Konstanz teilgenommen haben.[9]

Sonstiges

Im Herbst 1389 immatrikulierte Rüdiger Ölhafen an der Wiener Universität. Ob er dort einen akademischen Grad erwarb, ist nicht bekannt.[6] Etwa zu dieser Zeit dürfte er in den Besitz der im Eisacktal gelegenen Pfarre von Villanders (heutiges Italien) gelangt sein, die damals dem Hochstift Trient gehörte. Er tauschte sie 1397 gegen die damals im Herzogtum Steier gelegene Pfarre St. Lorenzen im Mürztal. Um 1403 gehörten ihm auch eine Chorherrenstelle des Großmünsters in Zürich und eine Domherrenstelle des Hochstiftes Brixen. Als Konrad Hebenstreit Bischof von Gurk wurde, trat Rüdiger Ölhafen seine Nachfolge in der reichen Pfarre Bruck an der Mur an. Im März 1403 erhielt er die dafür notwendige päpstliche Bestätigung.[10]

Rüdiger Ölhafen dürfte außerdem, wie auch der Besitz der Chorherrenstelle des Großmünsters zeigt, seiner Heimatstadt Zürich lebenslang verbunden gewesen sein. Dort ist er in den städtischen Steuerbüchern für die Jahre 1408, 1412 und 1417 als Besitzer des Hauses "ze der Leitern" nachgewiesen.[2] Nach den Zürcher Steuerbüchern muss er vor 1426 gestorben sein. 1422 ist er letztmals urkundlich belegt, am 14. Jänner 1424 wird erstmals Hartung Molitoris als Pfarrer von Bruck an der Mur genannt.[11]

Erinnerungen an Rüdiger Ölhafen

 
Die drei Zürcher Stadtheiligen auf der Mauer des Südchors der Ruprechtkirche erinnern an die Herkunft von Pfarrer Rüdiger aus der Reichsstadt Zürich

Als Pfarrer von Bruck an der Mur ließ Rüdiger Ölhafen die Friedhofskirche St. Ruprecht, die damals die Pfarrkirche von Bruck war, aus- und umbauen, womit er sich ein bleibendes Denkmal setzte. Der Langchor dieser Kirche wurde auf seine Initiative hin geschaffen, ebenso die Fresken an der Westwand des Chors, welche eine beeindruckende Darstellung des Weltgerichtes bieten. Drei kopflose Figuren auf der Südwand stellen die drei Stadtheiligen von Zürich: St. Regula, St. Felix und St. Exuperantius da, ein Verweis auf den Herkunftsort von Rüdiger Ölhafen. Zudem hat sich dieser als Bauherr mit zwei repräsentativen Inschriften verewigen lassen. Auf dem Gewölbeschlussstein des Chors findet sich sein Wappen.[12]

Literatur

  • Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzöge (1365-1406) (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Erg.Bd. 41). R. Oldenbourg Verlag, Wien / München, 2002. ISBN 3-7029-0456-5

Einzelnachweise

  1. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge (1365 - 1406). Habilitationsschrift, Wien, 2001. Bd. 2, S. 358 und 363
  2. 2,0 2,1 2,2 vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge (1365 - 1406). Habilitationsschrift, Wien, 2001. Bd. 2, S. 358
  3. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge (1365 - 1406). Habilitationsschrift, Wien, 2001. Bd. 2, S. 360 und S. 362
  4. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge (1365 - 1406). Habilitationsschrift, Wien, 2001. Bd. 2, S.358, auch S. 334
  5. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge (1365 - 1406). Habilitationsschrift, Wien, 2001. Bd. 2, S. 359
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge (1365 - 1406). Habilitationsschrift, Wien, 2001. Bd. 2, S. 360
  7. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge (1365 - 1406). Habilitationsschrift, Wien, 2001. Bd. 2, S. 361
  8. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge (1365 - 1406). Habilitationsschrift, Wien, 2001. Bd. 2, S. 360f.
  9. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft, 2001, Bd. 2, S. 363
  10. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge (1365 - 1406). Habilitationsschrift, Wien, 2001. Bd. 2, S. 360 und S. 362
  11. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge (1365 - 1406). Habilitationsschrift, Wien, 2001. Bd. 2, S. 363, mit Fußnote 317
  12. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzoge (1365 - 1406). Habilitationsschrift, Wien, 2001. Bd. 2, S. 362