Wiener Eishockey-Meisterschaft 1915/16

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Eishockey in Österreich bis 1938
Wiener Eishockey-Meisterschaft
1914/15   -   1915/16   -   1916/17
Spieltyp: Bandy
Austragungsort: Wien
Dauer: 25.12.1915 bis 11.02.1916
Veranstalter: Österreichischer Eishockeyverband, Wien
Teilnehmeranzahl: 4
Meister: Wiener Eislauf Verein
Vizemeister: Cottage Eislauf Verein, Wien
Hinweise:
  • Für das Eishockey nach 1938 siehe den betreffenden Artikel Eishockey in der Wikipedia.
Hinweis: Eventuell können aufgrund unterschiedlicher Quellen für die Zeit bis 1938 die in diesem Projekt hier meistens sehr detailliert recherchierten Angaben von den oft deutlich allgemeineren Angaben in der Wikipedia etwas abweichen.
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Die Wiener Eishockey-Meisterschaft 1915/16 war die 4. Meisterschaft des Österreichischen Eishockeyverbandes (OeEHV) im Bandyspiel.


Geschichte

  • Der Österreichische Eishockeyverband (OeEHV) war am am 13. Jänner 1912 worden. Der Verband konnte innerhalb weniger Jahre erreichen, dass neue Vereine gegründet wurden und so die Hauptstadt der K.u.K-Monarchie einen höheren Stellenwert im Eishockey bekam. Dieses Platz nahm seit mehr als 10 Jahren bisher Prag ein. Während im Rest von Österreich auf das Spiel mit der Scheibe umgestellt worden war, blieb man in Wien beim Bandyspiel.
  • Der Österreichische Eishockeyverband (OeEHV) benannte sich im Jänner 1915 in "Österreichischer Eisballverband" um, da man die Meinung vertrat, dass man sich auch im Sport der deutschen Sprache bedienen sollte. Erst nach dem 1. Weltkrieg entfiel diese Bezeichnung wieder. Trotz dieser Umbenennung wurde auch der alte Verbandsname weiter verwandt.

Wiener Eishockey-Meisterschaft 1915/16

  • Der "Österreichische Eisballverband", wie sich der Eishockeyverband jetzt nennt, schreibt eine Kriegsmeisterschaft im Eishockeyspiel für Wiener Mannschaften aus.


Teilnehmer

Verein Bemerkungen
Cottage Eislauf Verein (CEV)
Verein Kunsteisbahn am Sportplatz Engelmann (Kunsteisbahn oder VKE)
Währinger Bicycle Club (WBC)
Wiener Eislauf Verein (WEV)



Eishockeyspiele

Datum Spielort Vereine Art Ergebnis Zuschauer Bemerkungen
25. Dezember 1915 Wien, WEV-Platz WBC - WEV M 0:24(0-14,0-10) s.u.
01. Jänner 1916 Wien, Engelmann-Platz CEV - Verein Kunsteisbahn M 7:3(3-0,4-3) s.u.
06. Jänner 1916 Wien, WEV-Platz CEV - WEV M 0:9(0-3,0-6) s.u.
09. Jänner 1916 Wien, WEV-Platz Verein Kunsteisbahn - WEV M 0:13(0-7,0-6) s.u.
16. Jänner 1916 Wien, Engelmann-Platz WBC - Kunsteisbahn M 1:3(0-2,1-1) s.u.
11. Februar 1916 Wien, WEV-Platz CEV - WBC M 9:4(6-3,3-1 s.u.


Spiel 25. Dezember 1915 WEV - WBC M-Spiel

  • Schiedsrichter: Galler
  • Das Meisterschaftsspiel zwischen WEV und WBC endete 24:0(14-0,10-0). Trotz des Tauwetters war ein ausgezeichnetes Eis vorhanden. Heute war das erste Spiel der Kriegsmeisterschaft. Die Währinger mussten sich auf die Verteidigung des eigenen Tores beschränken, da die Stürmer des WEV in hervorragender Verfassung waren. Beim WBC fehlte die ersten 12. Minuten des Spieles Hans Mayringer. Die ersten Angriffe des WEV klappten nicht. Dann jedoch schossen sie sich ein. 14 Treffer wurden in der ersten Halbzeit erzielt, 10 Treffer in der zweiten Halbzeit. Die Torschützen waren Rauch (10), Tauber (9) und Dalberti (5). Die Angaben zu den Torschützen in den einzelnen Zeitungen sind unterschiedlich.


Spiel 01. Jänner 1916 CEV - Verein Kunsteisbahn M-Spiel

  • Schiedsrichter: Ing. Tronner
  • Das Meisterschaftsspiel zwischen CEV und Verein Kunsteisbahn endet 7:3(3-0,4-3). Der CEV verstärkte sich in dieser Saison durch die beiden Neuzugänge von Slovan, dem Tormann "Rudi" und dem Verteidiger Bratny. Der CEV war dem Verein Kunsteisbahn, in der nur noch die alten Spieler Wrede, Farniok und Hubert Weiß tätig sind, doch klar überlegen. Ihr Tormann Hoffstädter konnte mit seinem geschickten und mutigen Eingreifen eine höhere Niederlage verhindern. Gerade zum Schluss des Spieles wäre es möglich gewesen, die Differenz noch zu verkleinern. Aber die Stürmer waren zu unentschlossen und behinderten sich gegenseitig. Vom Beginn der ersten Spielhälfte an verlegte der CEV das Spielgeschehen in die Hälfte des Vereins Kunsteisbahn und ließen sich auch nicht mehr verdrängen. Dann holte sich Ulrich Lederer den Ball und schoss unhaltbar ins gegenerische Tor. Eine kurze Zeit später machte er auch einen Durchbruch und schoss das 2:0 ein. Waschnitius war es dann, der vor der Pause auf 3:0 erhöhte. Auch nach der Pause hatte der CEV seine Nase vorn. Ulrich Lederer und Waschnitius erhöhten auf 5:0. Die Kunteisbahner kamen jetzt etwas stärker ins Spiel und Hubert Weiß konnte einen schlecht abgewehrten Ball von "Rudi" im Nachschuss zum 5:1 einschießen. Aber schon war Ulrich Lederer wieder zur Stelle und erhöhte auf 6:1. Bratny verfehlte dann einen scharf von Wrede geschlagenen Ball und so konnte Pamperl einen zweiten Treffer für die Kunsteisbahn einschießen. Der Verein Kunsteisbahn drängte den CEV jetzt ganz in seine Hälfte zurück und erreichte mit Wrede auch sein drittes Tor. Man erhielt jetzt noch 6 Eckbälle zugesprochen, der Tormann konnte aber entweder den Ball abwehren oder er ging daneben. Dann war es wieder Ulrich Lederer, den einen groben Fehler eines Verteidigers ausnutzte und zum Endstand von 7:3 einschoss.



Spiel 06. Jänner 1916 WEV - CEV M-Spiel

  • Team WEV: Tor: Alexander Poppovich, Verteidigung: Alexander Lebzelter, Alfred Revy, Mittelfeld: Hans Mayringer, Sturm: Rudolf Rauch, Tauber, Baldeare,
  • Team CEV: Tor: Sunkovsky, Verteidigung: Vratny, Herzl, Mittelläufer: Waschnitius, Sturm: Ulrich Lederer, "Doktor", Odon,
  • Schiedsrichter: Trinks,
  • Das Meisterschaftsspiel zwischen WEV und CEV endete 9:0(3-0,6-0). Der CEV macht bei der Aufstellung seiner Mannschaft den großen Fehler, Ulrich Lederer nur als rechten Flügelstürmer einzusetzen, wo er seine Fähigkeiten nicht voll ausspielen konnte. Die beiden weiteren Stürmer erschienen im Spielverlauf untrainiert und kamen sie wirklich einmal zum Schuss, so ging der Ball daneben. Der WEV beginnt sofort überlegen, muss zu Beginn des Spieles aber erst einmal einige Angriffe des CEV abwehren. Zwei Ecken bleiben noch erfolgslos, als eine schöne Kombination Tauber-Dalbeares den ersten Treffer durch den Letztgenannten einschießen kann. Eine weitere Ecke wird verschossen. Dann kann Tauber den dritten Treffer setzen. Nach der Pause macht Dalbeares das 4:0. Ein Foul des WEV wird vom CEV verschossen. Jetzt wird der CEV voll eingekeilt. Rauch erzielt den fünften Treffer und eine Tauber macht nach einem Zuspiel von Dalbeares das 6:0. Der CEV kann durch Sunkovsky einen Tumult vor dem eigenen Tor klären. Dalbeare schießt jetzt zwei weitere Tore zum 8:0. Die beiden letzten Tore schießen Rauch und Mayringer.


Spiel 09. Jänner 1916 WEV - Verein Kunsteisbahn M-Spiel

  • Schiedsrichter: Trinks
  • Team WEV: Tor: Poppovich, Verteidigung: Alfred Revy, Alexander Lebzelter, Mittelläufer: Hans Mayringer, Sturm: Dalbeare, Rauch, Tauber,
  • Team Verein Kunsteisbahn: Tor: Hoffstätter, Verteidigung: Farniok, Weinwurm, Wrede, Hubert Weiß, Spevak, Schmeiser,
  • Das Meisterschaftsspiel zwischen WEV und Verein Kunsteisbahn endete 13:0(7-0,6-0). Trotzdem der WEV im Spiel überlegen war, war es spannend. Die Stürmerreihe des WEV um Rauch arbeitete sehr gut zusammen. Die Verteidiger des Vereins Kunsteisbahn leisteten erhebliche Gegenwehr. Tormann Hoffstätter machte, was ihm möglich war und Wrede unterstützte ihn nach besten Kräften. Sofort zu Beginn des Spieles setzten sich beide Tormänner voll ein und verhinderten so, dass eine Partei in Führung gehen konnte. Es dauerte eine ganze Weile, bis Rauch einen Vorstoß unternahm und dann den Ball an Tauber weitergab, der dann auch das erste Tor für den WEV erzielte und kurz danach sah man seinen zweiten Treffer ins Tor gehen. Dann fielen die Tor aber in schneller Reihenfolge. Rauch erzielte 3 und Hans Mayringer und Tauber je eines. Mit 7:0 ging es in die Pause. Trotzdem das Spiel nicht mehr zu gewinnen war, gaben die Spieler der Kunsteisbahn nicht auf. Der WEV schoss weiter seine Tore. Rauch machte 4, eines schoss Lebzelter. Nach dem letzten Tor waren es in dieser Spielzeit 6 Tore und das Match endete 13:0 für den WEV. Der WEV war ungeschlagen und ohne Gegentor Eishockeymeister von Wien in der Kriegsmeisterschaft 1915/16 geworden.


Spiel 16. Jänner 1916 Verein Kunsteisbahn - WBC M-Spiel

  • Schiedsrichter:
  • Das Meisterschaftsspiel zwischen Verein Kunsteisbahn und WBC endete 3:1(2-0,1-1). Die beiden Mittelsläufer waren die Stars des Spiels. Bei der Kunsteisbahn war dieses Wrede und beim WBC Stärker. Miller ließ zu Beginn des Spiels einen Ball des WBC durch, ohne auch überhaupt zu reagiern. Ein Durchbruch von Regy brachte der Kunsteisbahn dann das 2:0. Nach der Pause schaffte Sommer das Ehrentor für den WBC und Regy konnte vor dem Schlusspfiff auch das dritte Tor für die Kunsteisbahn einschießen.


Spiel 11. Februar 1916 CEV - WBC M-Spiel

  • Schiedsrichter: Hugo Galler,
  • Team CEV: Tor: "Rudi", Verteidigung: Vratny, Simotta, Mittelläufer: Waschnitius, Sturm: Herlz, Ulrich Lederer, Wildam,
  • Team WBC: Tor: Miller, Verteidigung: Tronner, Victor, Mittelläufer: von Stärker, Sturm: Bachura, Sommer, Beroun,
  • Das Meisterschaftsspiel zwischen CEV und WBC endete 9:4(6-3,3-1). Die Währinger begannen gut und konnten sogar die Führung übernehmen. Dann ließen sie jedoch nach. Es war das letzte Meisterschaftsspiel für diese Saison.



Ergebnistabelle

Platz Mannschaft Spiele gew. unent. verl. Tore Punkte [1]
1 Wiener Eislauf Verein (WEV) 3 3 0 0 46:0 6
2 Cottage Eislauf Verein (CEV) 3 2 0 1 16:16 4
3 Verein Kunsteisbahn (VKE) 3 1 0 2 6:21 2
4 Währinger Bicycle Club (WBC) 3 0 0 3 5:36 0



Tabelle der Meisterschaftsspiele

WEV CEV Kunsteisb. WBC Tore Punkte Platz
Wiener Eislauf Verein (WEV) xxxxx 9:0 13:0 24:0 46:0 6 1
Cottage Eislauf Verein (CEV) 0:9 xxxxx 7:3 9:4 16:16 4 2
Verein Kunsteisbahn (VKE) 0:13 3:7 xxxxx 3:1 6:21 2 3
Währinger Bicycle Club (WBC) 0:24 4:9 1:3 xxxxx 5:36 0 4


  • Der WEV gewinnt die 4. Meisterschaft und erhält den Titel: "Wiener Kriegsmeister-Mannschaft des Österreichischen Eisballverbandes pro 1916".

In der vierten Februarwoche übergibt der Präsident des OeEHV Ing. Fritz Reiner den Ehrenpreis des Verbandes, den er selbst gestiftet hat, sowie sieben eiserne Medaillen an die Mannschaft des Wiener Eislauf Vereins. Die Spieler des CEV erhalten Erinnerungsmedaillen.


Anmerkung des Verfassers: An verschiedenen Stellen der Eishockeyartikel wurde schon darauf hingewiesen, wie problematisch es teilweise ist, genaue Fakten über die Spiele wieder zu geben. Dieses kann an dieser Meisterschaft gut dargestellt werden. In die Tabellen wurden jeweils die Ergebnisse übernommen, die nach den Spielberichten am wahrscheinlichsten waren, z.B. durch Aufzeigen der gefallenen Tore und der Torschützen, um ein Beispiel aufzuzeigen. Hier einige der unterschiedlichen Veröffentlichungen zu den Ergebnissen:

  • Spiel 25. Dezember 1915 WEV - WBC 24:0(14-0,10-0)
Fremdenblatt 27.12.1915: 24:0(14-0,10-0),
Fremdenblatt 24.02.1916 wird das Spiel im Abschlussbericht mit 23:0 aufgeführt.
  • Spiel 06. Jänner 1916 WEV - CEV 0:9(0-3,0-6)
Fremdenblatt 7.1.16 WEV – CEV = 2:0 (Bericht heutiges Abendblatt
Fremdenblatt/Abendblatt 7.1.16 WEV – CEV = 10:0(3-0)
Neues Wiener Tagblatt 06.01.16 WEV - CEV = 9:0(3-0)
Prager Tagblatt 08.1.16 = 9:0
  • Spiel 11. Februar 1916 CEV - WBC 9:4(6-3,3-1.
Neues Wiener Tagblatt 12.2.16 CEV – WBC = 8:4(5-3)
Fremdenblatt 12.2.16 CEV – WBC = 9:4(6:3)


Ausschreibung

Die Kriegsmeisterschaft ist offen für die ersten Mannschaften jener Verbandsvereine des österreichischen Eisballverbandes, die in Wien ihren Sitz haben. Sofort nach dem Nennschluss findet die Auslosung der gemeldeten Mannschaften für sämtliche Spiele der Meisterschaft statt. Gleichzeitig werden die Plätze auf denen die Spiele auszutragen sind, festgesetzt und zwar in der Art, dass in erster Linie jener Platz zu wählen ist, auf den sich die beiden beteiligten Mannschaften freiwillig einigen. Ist eine solche Einigung nicht zu erzielen, so entscheidet das Los hinsichtlich der beiden vorgeschlagenen Plätze. Die ersten Spiele fangen am 25. Dezember 1915 statt. Die Schiedsrichter für sämtliche Meisterschaftsspiele werden von der Verbandsleitung des Österreichischen Eisballverbandes bestimmt und müssen von den spielenden Vereinen bedingungslos anerkannt werden. Die Wettspiele finden nach den vom Deutschen Eislaufverband herausgegebenen Spielregeln statt. Jeder Sieg in einem Meisterschaftsspiel zählt zwei Punkte, jeder unentschiedene Kampf einen Punkt. Sieger in der Meisterschaft ist jene Mannschaft, die in der Gesamtheit der Spiele die größte Punktsumme erzielt. In gleiche Weise wird der Rang der zweiten Mannschaft festgelegt. Tritt eine Mannschaft innerhalb von 20 Minuten nach angeordnetem Spielbeginn nicht an, so hat sie das Spiel verloren. Erzielen zwei oder mehrere Mannschaften die gleiche Punktsumme, so haben zur Bestimmung des endgültigen Ranges Entscheidungsspiele stattzufinden und zwar auf jenen Plätzen, hinsichtlich deren zwischen den beteiligten Verbänden eine freiwillig Einigung zustande kommt. Ist eine solche Einigung nicht zu erreichen, so bestimmt die Verbandsleitung den Spielplatz. Die siegreiche Mannschaft erwirbt den Titel "Wiener Kriegsmeister-Mannschaft des Österreichischen Eisballverbandes pro 1916" und gewinnt den vom Verbandspräsidenten Ing. Fritz Reiner gestifteten Ehrenpreis. Die siegreiche und die im Range an zweiter Stelle stehende Mannschaft erhalten je sieben eiserne Medaillen. Alle weiteren durch die vorstehenden Bestimmungen noch nicht geklärten Fragen werden endgültig und unanfechtbar durch Beschluss der Leitung des Österreichischen Eisballverbandes erledigt.


  • Der Nennschluss der 4. Meisterschaft war der 22. Dezember 1915. Es wurden 4 Mannschaften angemeldet (siehe Teilnehmer).


Einzelnachweise

  1. Allgemeine Sport-Zeitung vom 20. Februar 1916

Quellenangaben

  • Zeitschrift des österreichischen Eishockeyverbandes "Der Eishockeysport"
  • Allgemeine Sport-Zeitung
  • Prager Tagblatt