Absturz einer B-17 bei Langenwang am 26. Juli 1944

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Abzeichen der 301. Bomber-Gruppe
Ein B-17-Bomber der 301. Bomber-Gruppe
B-17-Bomber der 352. Squadron der 301. Bomber-Gruppe am 24. Juli 1944, also zwei Tage vor dem Großangriff auf Österreich, nach einem Angriff auf Turin.

Am 26. Juli 1944 stürzte um 11.05 Uhr im Gemeindegebiet von Langenwang ein amerikanischer Bomber vom Typ Boeing B-17 Fortress der 301. Bomber-Gruppe (419. Staffel) nach einem Luftkampf ab. Das Flugzeug hatte im Verband der 15. US-Luftflotte am Großangriff auf Ostösterreich teilgenommen und wurde dabei von Obergefreiten Heinz Westerdorf von der 5. Staffel des Jagdgeschwaders 300 abgeschossen. Wenig später wurde der deutsche Pilot selbst Opfer eines amerikanischen P-51-Begleitjägers und stürzte bei Langenwang tödlich ab.

Der amerikanische Bomber hatte noch alle Bomben an Bord. Vier Besatzungsmitglieder konnten sich mit dem Fallschirm retten, sechs Crewmitglieder starben bei diesem Absturz.

Schicksal der Besatzung der Maschine 42-102915

Crewmitglieder
Funktion Name Dienstgrad Verbleib
Pilot Martin Alonzo L. First Lieutenant POW (Prisoner of War)
Co-Pilot McDonald Harry J. First Lieutenant POW
Navigator Tenenbom Harold N. First Lieutenant POW
Bombenschütze Thorson Robert E. Second Lieutenant KIA (Killed in Action)
Bordingenieur Baril Joseph H. Sergeant POW
Funker Hollingsworth Oscar R. Technical Sergeant KIA
Bordschütze Fischer Charles H. Corporal KIA
Bordschütze Thortson Maurice C. Staff Sergeant KIA
Bordschütze Barnhart Jack G. Staff Sergeant KIA
Bordschütze Hutton Hiram S. Sergeant KIA

Ablauf des Abschusses

Berichte von amerikanischen Augenzeugen während des Krieges

Der Missing Aircrew Report (MACR) 7123[1], der üblicherweise innerhalb 48 Stunden nach Abschuss einer Maschine erstellt wurde, enthält einen Augenzeugenbericht über die Umstände des Absturzes:

  • Second Lieutenant Paul E. Gerhart, Bombenschütze von Flugzeug Nr. 186:

„Flugzeug Nummer 42-102915 flog in Position 2-1 in der linken niedrig fliegenden Staffel. Es wurde um 11.05 Uhr von mehreren feindlichen Jägern getroffen. Die Motoren Nummer 3 und 4 brannten beide, und etwa drei Fuß (1 Meter) des linken Flügels waren weggeschossen. Das Querruder war zu ungefähr dreiviertel weggeschossen und man konnte Flammen innerhalb der Nase sehen. Das Flugzeug löste sich aus der Formation und ging zu Boden und entfernte sich aus meinem Blickfeld. Ich sah keine Fallschirme aus dem Flugzeug herauskommen. Die genauen Koordinaten waren 47 Grad 50 Minuten Nord und 15 Grad 50 Minuten Ost. Es war 11.05 Uhr.“

  • Sergeant Sidney D. Weiss, Bombenschütze im Boden-Gefechtsstand von Flugzeug Nr. 185:

„Ich sah Flugzeug Nummer 42-102915 zuerst als Motor Nummer 4 zu brennen begann, nachdem das Flugzeug von feindlichen Jägern attackiert worden war. Kurze Zeit später fiel das Flugzeug aus der Formation und dann bemerkte ich, dass auch Motor 3 brannte. Das Flugzeug stieg in Richtung der Wolken. Ich sah den rechten Flügel abbrechen in dem Moment in dem es die Wolken erreichte. Ich glaube, ich sah fünf oder sechs Fallschirme aus dem Flugzeug kommen, bevor ich es aus den Augen verlor. Gute Überlebenschancen.“

Berichte von deutschen Quellen

Der MACR enthält eine Übersetzung deutscher Dokumente, welche die näheren Umstände des Absturzes beschreiben. So wird die Absturzzeit mit 11.07 Uhr angegeben. Das Flugzeug explodierte in der Luft und Teile stürzten 4 Kilometer nordöstlich von Langenwang in den Pretulgraben, allerdings waren Trümmer über 5 Kilometer verstreut. Vier tote Besatzungsmitglieder wurden laut diesem Dokument am 27. Juli 1944 auf dem Ortsfriedhof von Langenwang bestattet, wobei nur eines, Robert Thorson identifiziert werden konnte. Am 29. Juli 1944 wurde Jack Barnhart, der seinen Verletzungen erlegen war, auf dem Friedhof bestattet. Einer der Offiziere wurde verwundet in ein Spital eingeliefert. Über die Gefangennahme der Überlebenden gibt es ebenfalls Informationen:

  • Pilot Alonso Martin wurde um 14.00 Uhr in der Nähe des Aufschlagortes gefangen und in das Kriegsgefangenenlager Dulag Luft verlegt.
  • Harold Tenenbom wurde verwundet gefangen genommen.
  • Joseph Baril wurde gefangen und in das Kriegsgefangenenlager Stalag Luft IV verlegt.
  • Harry McDonald wurde nach der Gefangennahme in das Kriegsgefangenenlager Stalag Luft III verlegt.

Berichte von amerikanischen Augenzeugen nach dem Krieg

Der Missing Aircrew Report (MACR) 7123[1] enthält auch Aussagen der überlebenden Besatzungsmitglieder, welche diese nach dem Krieg geäußert haben:

  • über Robert Thorson: seine Kameraden vermuteten, dass er nach dem Navigator absprang aber sich sein Fallschirm nicht öffnete. Von einer Frau hörten sie, dass diese einen Mann ohne Fallschirm in der Luft gesehen hatte.
  • über Oscar Hollingsworth: dürfte mit der Maschine mehrfach verwundet abgestürzt sein

Übersicht über die Verluste der 301. Bomber-Gruppe

An diesem Tag wurden insgesamt elf B-17-Bomber der 301. Bomber-Gruppe abgeschossen. 66 Besatzungsmitglieder fanden dabei den Tod, 43 weitere gerieten in Gefangenschaft. Zu diesen Opfern könnten eventuell noch Tote und Verwundeten in den 15 verbleibenden Flugzeugen kommen, die den Angriff fortsetzten und zur Heimatbasis zurückkehrten.

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Daten zu diesen abgestürzten Maschinen und enthält Links zu den einzelnen Detailseiten:

Ereignis MACR - Uhrzeit Absturzstelle Typ/Seriennummer MACR Einheit KIA POW
19440726/B-17/42-31652 11.05 Uhr Stinatz B-17/42-31652
7136
[2]
301. Bomber-Gruppe/353. Squadron
3
6
19440726/B-17/Alland 11.18 Uhr Alland B-17/42-30385
7000
[3]
301. Bomber-Gruppe/353. Squadron
9
1
19440726/B-17/Alland 11.18 Uhr Alland B-17/42-102929
7143
[4]
301. Bomber-Gruppe/352. Squadron
8
2
19440726/B-17/42-102915 11.05 Uhr Langenwang B-17/42-102915
7123
[1]
301. Bomber-Gruppe/419. Squadron
6
4
19440726/B-17/44-6189 11.10 Uhr Reichenau an der Rax B-17/44-6189
7141
[5]
301. Bomber-Gruppe/32. Squadron
3
6
19440726/B-17/42-31625 11.05 Uhr Ratten B-17/42-31625
7135
[6]
301. Bomber-Gruppe/419. Squadron
6
4
19440726/B-17/St.Jakob 11.10 Uhr Sankt Jakob im Walde B-17/42-32107
7129
[7]
301. Bomber-Gruppe/419. Squadron
3
7
19440726/B-17/St.Jakob 11.10 Uhr Sankt Jakob im Walde B-17/42-3157
7138
[8]
301. Bomber-Gruppe/32. Squadron
5
5
19440726/B-17/42-31523 11.05 Uhr St. Kathrein am Hauenstein B-17/42-31523
7127
[9]
301. Bomber-Gruppe/419. Squadron
8
2
19440726/B-17/Strallegg 11.10 Uhr Strallegg B-17/42-102913
7124
[10]
301. Bomber-Gruppe/32. Squadron
7
3
19440726/B-17/Strallegg 11.05 Uhr Strallegg B-17/44-6168
7142
[11]
301. Bomber-Gruppe/352. Squadron
8
2
Summe:
66
43

Weblinks

siehe auch: Liste der abgeschossenen alliierten Flugzeuge im 2. Weltkrieg

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Scan von MACR 7123, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  2. Scan von MACR 7136, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  3. Scan von MACR 7000, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  4. Scan von MACR 7143, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  5. Scan von MACR 7141, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  6. Scan von MACR 7135, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  7. Scan von MACR 7129, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  8. Scan von MACR 7138, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 9. Dezember 2014
  9. Scan von MACR 7127, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  10. Scan von MACR 7124, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014
  11. Scan von MACR 7142, Webseite http://www.fold3.com/, abgerufen am 14. November 2014