Eberhard III. von Wallsee

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Das Linzer Landhaus mit der Minoritenkirche heute. Das frühere Franziskanerkloster, das unter Kaiser Joseph II. aufgelassen wurde, war eine jener religiösen Einrichtungen, die von Eberhard (III.) von Wallsee gefördert wurden. Dass er oder sein gleichnamiger Vater allerdings die Minoritenkirche erbauen ließ, wie in der älteren Literatur behauptet, ist inzwischen widerlegt.

Eberhard (III.[A 1]) von Wallsee oder Walsee (* im 13. Jahrhundert, um 1290; † 21. April 1371) war ein einflussreicher Adeliger im heutigen Bundesland Oberösterreich, wo er viele Jahre als "Landrichter" beziehungsweise "Hauptmann ob der Enns"[A 2] tätig war. Er war für die Landesfürsten des Herzogtums Österreich eine wichtige Stütze bei ihren Auseinandersetzungen mit der Grafenfamilie der Schaunberger und gilt als Gründer des Zisterzienserstiftes Schlierbach. Er ließ die Burg Oberwallsee (heute Teil der Gemeinde Feldkirchen an der Donau) erbauen.

Herkunft und Familie

Eberhard (III.) von Wallsee zu Linz stammte aus der Familie der Wallseer, einer ursprünglich in der Reichslandschaft Schwaben beheimateten Ministerialenfamilie[A 3], die sich Anfang des 14. Jahrhunderts dauerhaft in den Herzogtümern Österreich und Steier niedergelassen hatte, wo sie zu den bedeutendsten Familien des Landadels zählte. Sein Vater Eberhard (II.) von Wallsee[A 4] († 1325) war Landrichter "ob der Enns" und hatte den Familienzweig der Wallseer zu Linz begründet. Seine Mutter Maria von Kuenring (Linie Kuenring-Weitra-Seefeld) war eine Enkelin des legendenumwobenen Hadmar (III.) von Kuenring, ihre Familie, die Kuenringer, galt im 12. und 13. Jahrhundert als die bedeutendenste Ministerialenfamilie des Herzogtums Österreich.[1] Durch die Ehen seiner Schwestern mit Mitgliedern aus den Familien der Kapeller, Ebreichsdorfer (Ebersdorfer) und Volkenstorfer war Eberhard mit weiteren wichtigen Adelsfamilien des Herzogtums Österreich verwandt.

Eberhard (III.) von Wallsee war dreimal verheiratet,

∞ in 1. Ehe (Eheschließung um 1304) mit Elsbet (Elisabeth) von Gutrat († um 1314)[2]
∞ in 2. Ehe (Eheschließung spätestens 1421) mit Anna von Losenstein († um 1355)[2]
  • Eberhard (V.) von Wallsee zu Linz († um 1351)[A 5] ∞ Anna von Neuhaus († um 1350)
  • Heinrich von Wallsee zu Linz († 1352)
  • Agnes von Wallsee zu Linz († 1355) ∞ mit Graf Johann von Pernstein
∞ in 3. Ehe (Eheschließung um 1360) mit Floringa von Pettau († vor 1378)[3]
  • Georg von Wallsee zu Linz († um 1400) ∞ mit Gräfin Margret von Curbaw († 1395)
  • Tochter († vor 1378) ∞ mit Heinrich (III.) von Liechtenstein-Nikolsburg
  • Katharina von Wallsee zu Linz († 1399) ∞ mit Alber (IV.) von Puchheim

Leben

Anfang der 1360er-Jahre ließ Eberhard (III.) die Burg Ober-Wallsee erbauen.

Politisches Wirken

1322 folgte Eberhard (III.) seinem Vater als Landrichter beziehungsweise Hauptmann "ob der Enns" nach. Dieses Amt übte er mit Unterbrechungen bis zu seinem Tod aus. 1361-1363 wurde er vorübergehend von Jans von Traun abgelöst. Nach seinem Tod wurde Graf Ulrich von Schaunberg "Hauptmann ob der Enns".[4] Im Juni 1327 zählte er zu jenen Adeligen, welche während der Auseinandersetzungen der Habsburger mit dem böhmischen König und dem ungarischen König die damalige Grenze zwischen dem böhmischen Königreich und dem Herzogtum Österreich verteidigten. Als 1328 mit dem ungarischen König in Bruck an der Leitha ein Friedensvertrag geschlossen wurde (Vertrag vom 21. September 1328) wird er in diesem ausdrücklich genannt.[5] Im Frühjahr 1336 wurde Eberhard (III.) auf der Feste Guntersdorf (heute Teil der Gemeinde Hollabrunn) während eines weiteren Feldzuges des böhmischen Königs nördlich der Donau belagert und geriet gemeinsam mit anderen Adeligen bei der Eroberung der Feste in dessen Gefangenschaft, aus der er bereits im Herbst wieder freigekommen sein muss, da er als Bürge für Geldverpflichtungen in jenem Vertrag genannt wird, den die Herzöge von Österreich und der böhmische König am 11. Oktober 1336 in Enns schlossen.[6] Eberhard (III.) gehörte auch zu jenen Adeligen, die 1355 den Schwur auf die "Albertinische Hausordnung" leisteten. Unter (Erz-)Herzog Rudolf (IV.) von Österreich ("Rudolf dem Stifter") nahm er als "Hauptmann ob der Enns" zusammen mit weiteren Familienmitgliedern, am "Tag von Weitra" (16. Juni 1361).[7] Im Februar 1364 begleitete er den Herzog nach Brünn, wo dieser von Karl IV. mit der Grafschaft Tirol belehnt wurde. Unter Rudolfs Nachfolgern, den Herzögen Albrecht (III.) "mit dem Zopfe" und Leopold (III.) "dem Gerechten" war er gemeinsam mit weiteren Adeligen 1365 und 1367 mit der Durchführung von Schiedsprüchen in Angelegenheiten der Hochstifte Bamberg und w:Hochstift Passau betraut.[8] Anfang der 1360er-Jahre begann er außerdem mit dem Bau der Burg Ober-Wallsee.[9]

Besitzmehrungen und Konflikte

Nach dem Tod seines Vaters erbte Eberhard (III.) ungeschmälert dessen Besitzungen. Die Ansprüche seiner Schwester Kunigunde, die zu dieser Zeit bereits mit Jans von Kapellen verheiratet war, löste er finanziell ab.[10] Die Ehen für seine Schwestern Margret und Dorothea stiftete er selbst.[2] Eberhard (III.) gehörte zu jenen Familienmitgliedern, die im Februar 1331 die gesamten schwäbischen Besitzungen der Familie an die Herzöge von Österreich (Habsburger) verkauften beziehungsweise gegen Besitzungen in den Herzogtümern Österreich und Steier tauschten. Aus den durch diesen Tausch erworbenen landesfürstlichen Pfandschaften erhielt Eberhard (III.), gemeinsam mit seinen Cousins Reinprecht (I.) und Friedrich (II.) von Wallsee zu Enns die Herrschaften Falkenstein (Teil der Gemeinde Hofkirchen im Mühlkreis), Waxenberg (Teil der Gemeinde Oberneukirchen) und Ottensheim (Teil der Gemeinde Ottensheim). 1333 kaufte Eberhard (III.) von der Familie Prueschenk, Lehensleute der Grafenfamilie von Schaunberg, das "freie Eigen" Freudenstein (heute Teil der Gemeinde Feldkirchen an der Donau).[11] Eberhard (III.) hatte auch Lehen der Hochstifte Bamberg, Regensburg, Passau und Freising.[12] Später erwarb er außerdem Besitz im Trattnachtal. Eberhards Besitzmehrungen verhinderten, dass es der im heutigen Oberösterreich ansässigen Grafenfamilie von Schaunberg gelang, ihre Reichsfreiheit gegenüber den Habsburgern zu behaupten und zwischen dem gräflichen Hauptbesitz und ihren Besitzungen im Attergau ein geschlossenes eigenes Territorium aufzubauen.[13] Zu jenen landesfürstlichen Pfandschaften, die bereits sein Vater und dessen Brüder besessen hatten, zählte das im heutigen Deutschland gelegene Neuburg am Inn, das zu seiner Zeit ein wichtiges Bollwerk gegen die Herzöge von Bayern (Wittelsbacher) war. Als Herzog Albrecht (II.) "der Lahme" 1363 diese Pfandschaft rücklöste, wurden ihm dafür die Herrschaft Seisenburg (heute Teil der Gemeinde Pettenbach und die Vogtei zu Wels verpfändet.[14] 1359 löste Herzog Rudolf (IV.) "der Stifter" die Herrschaft Falkenstein, die zu dieser Zeit einen wichtigen Stützpunkt an der oberen Donau und zudem den äußersten Vorposten der Herzöge von Österreich (Habsburger) an der oberen Donau gegen die Herzöge von Bayern (Wittelsbacher), das Hochstift Passau und die Grafenfamilie der Schaunberger bildete. Wenige Jahre später war sie aber wieder an Eberhard (III.) verpfändet, dem sie 1369 verloren ging, als sie während des Krieges um die Grafschaft Tirol von einem Leutwin Usel erobert wurde, der sie dem Grafen von Hals verpfändete. Von diesem ließen sie die Herzöge von Österreich (Habsburger) durch einen Stubenberger rücklösen, sodass sie vorübergehend in den Besitz von dieser Familie kam.[15]

Eberhard (III.) war 1335 in die Fehde seiner Verwandten Reinprecht (I.) und Friedrich (II.) von Wallsee zu Enns mit Jans von Kapellen (dem Älteren), dem Ehemann seiner Schwester Kunigunde, verwickelt, die erst 1341 durch einen Schiedsspruch von Herzog Albrecht (II.) von Österreich ("Albrecht dem Lahmen") beigelegt wurde.[11] 1345 führte seine Familie eine Fehde mit der böhmischen Adelsfamilie von Rosenberg, die 1346 durch Markgraf Karl I. von Mähren, dem späteren Kaiser Karl IV., auf Wunsch des Herzogs beigelegt wurde.[16] Als "Hauptmann ob der Enns" wurde Eberhard (III.), neben anderen Familienmitgliedern, außerdem in eine weitere Fehde zwischen Adeligen des Herzogtums Österreich und des böhmischen Königreiche verwickelt, die alle durch verschiedene Ehen miteinander verwandt waren. Diese Fehde entwickelte sich um 1351/52 zu einem auf weitere Länder übergreifenden Konflikt, der erst am 2. Mai 1352 durch einen Schiedsspruch des späteren Kaisers Karl teilweise beendet wurde. Eine endgültige Aussöhnung gelang aber erst im August desselben Jahres.[17] Nach der "Mattseer Chronik" soll Eberhard (III.) 1353 außerdem einen Einfall in Gebiet des Erzstiftes Salzburg um Straßwalchen und Neumarkt unternommen haben.[18] 1368 war er an den Kämpfen der Herzöge Albrecht (III.) und Leopold (III.) mit der Republik Venedig um die Stadt Triest beteiligt. Dabei dürfte er die ersten Kontakte zwischen seiner Familie und der Familie der Tybeiner geknüpft haben, wovon später der Familienzweig der Wallseer zu Enns profitieren sollte.[8]

Klostergründungen und kirchliche Förderung

Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Anna von Losenstein stiftete Eberhard (III.) zwei Zisterzienserklöster.

  • 1336 stiftete er zusammen mit Anna in der Herrschaft Säusenstein (heute Teil der Gemeinde Ybbs an der Donau), die durch seine erste Ehe in seinen Besitz gekommen war, ein Zisterzienserstift[A 6] (Gründungsurkunde vom 19. August 1336), wo das Stifterehepaar später auch beigesetzt wurde. Die Zisterzienser kamen aus dem Kloster von Wilhering.[19]
  • Um 1355 gelangte Eberhard außerdem in den Besitz der Burg Schlierbach (heute Teil der Gemeinde Schlierbach), die er 1355 zum Standort eines von ihm und Anna gestifteten Zisterzienserinnenklosters[A 7] machte. Die Zisterzienserinnen wurden aus dem schwäbischen Kloster Baindt geholt, wo einst eine Schwester seines gleichnamigen Großvaters Nonne gewesen war. Als mögliche Ursache für diese Stiftung gilt der Tod der beiden bereits erwachsenen Söhne von Eberhard und Anna, durch welchen auch der Weiterbestand von Eberhards Familienzweig gefährdet schien.[20]

Eberhard (III.) förderte außerdem das Franziskanerkloster (gegründet um 1236, aufgelassen unter Kaiser Joseph II.) in Linz.[21]

Literatur

  • Max Doblinger: Die Herren von Walsee. Ein Beitrag zur österreichischen Adelsgeschichte (= Archiv für österreichische Geschichte. Band 95). Holzhausen, Wien, 1906
  • Karel Hruza: Die Herren von Wallsee. Geschichte eines schwäbisch-österreichischen Adelsgeschlechts (1171–1331) (= Forschungen zur Geschichte Oberösterreichs. Bd. 18). OÖLA, Linz, 1995. ISBN 3-900-31360-1. Siehe Register

Einzelnachweise

  1. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, siehe Stammtafeln
  2. 2,0 2,1 2,2 vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 55
  3. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 56
  4. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 48, S. 56 und S. 57
  5. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 40
  6. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 41
  7. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 47
  8. 8,0 8,1 vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 49
  9. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 107
  10. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 50
  11. 11,0 11,1 vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 43
  12. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 51
  13. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 42f.
  14. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 48 und S. 51
  15. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 49f. und S. 53
  16. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 43f.
  17. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 44f.
  18. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 46f.
  19. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 41 und S. 42
  20. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 45f.
  21. vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 41, mit Fußnote

Anmerkungen

  1. Die Nummerierung orientiert sich an der Zählung der "österreichischen" Wallseer. Unter Einbezug der "schwäbischen" Geschichte der Wallseer wird er in der Sekundärliteratur meistens als Eberhard V. gezählt.
  2. Der Landrichter ob der Enns gilt als einer der Vorläufer der späteren Landeshauptleute der Bundesländer Oberösterreich und Niederösterreich. Unter Eberhard finden sich für diese Amt unterschiedliche Bezeichungen: zunächst "Landrichter ob Enns", seit ca. 1330 "Pfleger ob der Enns", "Landvogt" und "Hauptmann zu Linz". 1337 setzte sich die Bezeichnung "Hauptmann ob der Enns" durch. Für Verwirrungen sorgt seit damals aber, dass der "Hauptmann ob der Enns" bald seine eigenen Landrichter beschäftigen durfe. Vgl. Max Doblinger: Die Herren von Walsee, 1906, S. 42, Fußnote 2
  3. Die Ministerialen, auch als "Dienstadel" bezeichnet, bildeten im Mittelalter innerhalb des "niederen" Adels eine eigene Gruppe. Ursprünglich "Unfreie", waren sie durch ein Dienst- oder Lehnsverhältnis in den "niederen" Adel aufgestiegen, im Unterschied zu den "edelfreien" oder "hochfreien" Adelsfamilien.
  4. Die Nummerierung orientiert sich in diesem Artikel wie auch bei seinem gleichnamigen an der Zählung der "österreichischen" Wallseer. Unter Einbezug der "schwäbischen" Geschichte der Wallseer wird er in der Sekundärliteratur oft auch als Eberhard III. gezählt.
  5. Die Nummerierung orientiert in diesen Artikel an den "österreichischen" Wallseern. Unter Einbezug der "schwäbischen" Geschichte der Wallseer wird dieser Eberhard in der Sekundärliteratur auch als Eberhard VII. gezählt.
  6. Das Zisterzienserstift Säusenstein ist nicht erhalten, es wurde unter Kaiser Joseph II. aufgelöst.
  7. Das Zisterzienserinnenkloster löste sich während der Reformation auf und wurde um 1620 zu einem Zisterzienserstift, das zu den bedeutendsten Klöstern im heutigen Oberösterreich zählt und bis heute erfolgreich besteht.
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