Elisabeth Bundschuh

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Elisabeth Bundschuh (* 27. August 1899[1] in Riedlingsdorf; † Februar 1941 in Alkoven) ist eine von mindestens drei Personen aus ihrer Heimatgemeinde Riedlingsdorf,[2] welche dem nationalsozialistischen Euthanasie-Programm "Aktion T4" zum Opfer gefallen ist.[3]

Leben

Die Jahre in Riedlingsdorf

Elisabeth kam als sechstes von acht Kindern von Samuel Bundschuh (1864-1912[4]) und Maria Bundschuh geb. Schuh (* 1866) zur Welt. Sie hatte vier Brüder (Samuel 1888[1]-1912[4], Tobias 1891[1]-, Johann 1893[1]-1945, Michael 1896[1]-1971) und drei Schwestern (Maria 1895[1]-, Theresia 1903[1]- und Karoline 1904[1]-1905[4]). Die Taufe durch den evangelischen Pfarrer von Pinkafeld erfolgte am 28. August 1899.

1912 wurde für die Familie ein Schicksalsjahr, denn innerhalb von nur sechs Wochen verstarben der Vater und der älteste Bruder Samuel.[4] Elisabeth wurde im gleichen Jahr auf der Liste der Konfirmanden geführt.[5]

Im Übergabevertrag vom 24. März 1928, der die Übergabe von Grundstücksanteilen der Geschwister an den Bruder Tobias regelte, wurde sie als schwachsinnig bezeichnet. Ihre Interessen wurden bei dieser Übergabe durch ihre Mutter Maria vertreten. Diese verpflichtete sich dabei auch vertraglich, sich um ihre Tochter weiter zu kümmern. Dem Vertrag ist außerdem zu entnehmen, dass diese Pflicht auf den Bruder Tobias überzugehen hätte, wenn die Mutter dazu nicht mehr in der Lage sei.[6] Elisabeth lebte in weiterer Folge mit ihrer Mutter im Haushalt des Bruders.

Am 22. September 1938 wurde sie in der Nervenheilanstalt Feldhof in Graz aufgenommen. [3]

Ermordung in Schloss Hartheim

Schloss Hartheim (2005)

Am 7. Februar 1941 verließ ein Transport mit ihr und 75 weiteren Patienten und Patientinnen die Grazer Anstalt in Richtung Tötungsanstalt Hartheim.[3] Mit auf dem Transport war auch Rosa Plečko. Aus den Akten geht nicht genau hervor, ob der Transport direkt Hartheim als Ziel hatte oder die Patienten für mehrere Tage in der Zwischenanstalt Niedernhart in Linz aufgenommen wurden.[3]

In Hartheim angekommen durchliefen alle Personen zuerst ein kurzes Registrierungsprogramm, bevor sie unmittelbar danach unter dem Vorwand duschen zu gehen, in der Gaskammer mit Kohlenmonoxid ermordet wurden.[3]

Der Transportbus, der die Menschen nach Hartheim brachte, hielt üblicherweise in einem Schuppen, der an der Westseite des Schlosses errichtet worden war, um die Vorgänge im Schloss vor neugierigen Blicken zu schützen. Durch ein kleines Eingangstor betraten die Opfer einen mit Brettern abgegrenzten Bereich im Schlossinnenhof. Die erste Station der Registrierungprozedur war der Auskleideraum. Dort entkleideten sich die Menschen unter Anleitung des T4-Personals. Anschließend erfolgte im Untersuchungsraum eine Überprüfung der Personalien und eine Untersuchung auf Goldzähne durch einen T4-Arzt. Von ihm als interressant befundene Personen wurden im gleichen Raum noch fotographiert. Danach erfolgte in der angrenzenden Gaskammer der Tötungsvorgang. Die Leichen der Opfer wurden, manchmal auch nach Zwischenlagerung im Leichenraum, in weiterer Folge von den sogenannten "Brennern" im Krematorium verbrannt.[3]

Da das offizielle Sterbedatum üblicherweise nach dem Transport um zwei bis drei Wochen zurückdatiert wurde, um die gehäuften Sterbefälle zeitlich weiter zu streuen, dürfte Elisabeth Bundschuh, wenn sie direkt nach Hartheim gebracht worden war, am 7. oder 8. Februar 1941 ermordet worden sein.[3] Die Sterbematrikel der Evangelischen Kirchengemeinde Pinkafeld enthalten keinerlei Hinweis über ihren Tod.[7]

Gedenken

In Schloss Hartheim wird heute der 30.000 Opfer, und somit auch Elisabeth Bundschuhs, gedacht. Im ehemaligen Untersuchungsraum sind Glasplatten aufgestellt, in welche die Namen der Ermordeten eingeprägt sind. Die Festlegung der Reihenfolge der Namen überließ man bewusst einem Computerprogramm, um allfällige Interpretationen hinsichtlich Wertung oder Bedeutung einer Namensreihung von vornhinein auszuschließen.[8]

Ein Gedenken an Elisabeth Bundschuh und an die beiden anderen Riedlingsdorfer Euthansie-Opfer in Form einer Gedenktafel oder in Form von Stolpersteinen in ihrer Heimatgemeinde gibt es bis dato nicht, wobei gesagt werden muss, dass das Burgenland neben Tirol das einzige Bundesland Österreichs ist, in dem noch keine Stolpersteine verlegt worden sind, welche an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Taufmatrikel Band III 1864-1900 der Evangelischen Kirchengemeinde Pinkafeld
  2.  Herbert Brettl, Michael Hess: NS-Euthanasie im Burgenland. Eisenstadt 2015, ISBN 3854051794, S. 83.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 Mitteilung Dokumentationsstelle Hartheim des OÖLA vom 12. Jänner 2015
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Sterbematrikel Band V 1905-1933 der Evangelischen Kirchengemeinde Pinkafeld
  5. Konfirmandenverzeichnis Band I 1808-1944 der Evangelischen Kirchengemeinde Pinkafeld
  6. Abschrift Übergabs- und Übernahmsvertrag vom 24. März 1928, beglaubigt am 2. August 1950 vom Bezirksgericht Oberwart
  7. Sterbematrikel Band VI der Evangelischen Kirchengemeinde Pinkafeld
  8. Tötungsanstalt - Künstlerisches Konzept, Webseite www.schloss-hartheim.at, abgerufen am 28. November 2017