Georg von Tschernembl

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Georg von Tschernembl (* im 15. Jahrhundert; † um 1480) war Landeshauptmann des Herzogtums Steier[A 1].

Herkunft und Familie

Georg von Tschernembl entstammte einer Ritterfamilie des Herzogtums Krain, die sich nach der in der "Gottschee" gelegenen Stadt Tschernembl im heutigen Slowenien benannte.[1] Er war mehrmals verheiratet und hatte Nachkommen. Seine Tochter Helena heiratete Hanns (V.) von Stubenberg.

Kaspar von Tschernembl

Georg von Tschernembl war der Bruder von Kaspar von Tschernembl († um 1480). Dieser wurde 1452 von Kaiser Friedrich III. in Rom zum Ritter geschlagen und war in den 1450er-Jahren landesfürstlicher "Pfleger" von Landstraß (bei Laibach) und danach von Flödnig (heute: Smlednik, Gerichtssprengel Krainburg, Slowenien), das er später im Tausch für Goldenstein an Rudolf von Khevenhüller abtrat. 1461 kaufte er Tschernembl, damals ein Markt. Etwa um diese Zeit wurde er kaiserlicher Truchsess. Bis ca. 1463 war er Hauptmann der Stadt [[w:Triest|Triest], die er gegen mit Unterstützung seines Bruders Georg gegen die Republik Venedig für den Kaiser verteidigte.[2]

Kaspar von Tschernembl war der Vater von Hans (III.) von Tschernembl, dem Burggrafen zu Klingenfels, der 1486 im Gefolge des späteren Kaisers Maximilian I. an dessen Krönung zum römisch-deutschen König in Aachen teilnahm, auf der er zum Ritter geschlagen wurde.[2]

Leben

Georg von Tschernembl gehörte gemeinsam mit seinem Bruder Kaspar zu den wichtigsten Trägern der von Kaiser Friedrichs Verwaltung und Politik im südlichen Herzogtum Krain. Georg begleitete diesen als einer seiner Räte 1442 zu seiner Krönungsreise ins Reich, wo er in Köln als Teilnehmer eines Turniers belegt ist. 1443 wurde er Kämmerer und war später auch Kreditgeber. Gemeinsam mit seinem Bruder hielt er sich oft am Hof in Wiener Neustadt auf, wo beide auch als Hausbesitzer nachgewiesen sind.[1] 1444 wurde er Viztum des Herzogtums Krain, um 1450 dessen Landeshauptmann. Nach dem Tod des Reichsgrafen Ulrich von Cilli (1456) war er Beisitzer des kaiserlichen Kammergerichtes, das eine rechtlich Entscheidung über die Erbschaft der Grafen von Cilli fällte. Nach dem Tod von König Ladislaus Postumus († 1457) gehörte er 1458 er zu jener Ratsgesandtschaft, welche in der Stadt Wien die Übernahme der Herrschaft über das Herzogtum Österreich (ob der Enns)[A 2] für den Kaiser vorbereitete.[3]

Gemeinsam mit seinem Bruder Kaspar war er 1462 Anführer einer Gruppe Adliger aus dem Herzogtum Krain, die Kaiser Friedrich III. bei der Belagerung in der Wiener Burg zu Hilfe kam. Der Kaiser verlieh den Brüdern dafür das Amt eines Erbschenken des Herzogtums Krain, und für ihre Verdienste um die Verteidigung der Stadt Triest gegen die Republik Venedig erhob er sie außerdem zu "erbländischen" Freiherren. Georg, der seinem Bruder Kaspar als kaiserlicher Truchsess und Hauptmann von Triest nachgefolgt war, wurde dort zu Beginn der 1470er-Jahre von Niklas Rauber abgelöst. Danach war er Hauptmann von Adelsberg und am Karst und zuletzt Landeshauptmann des Herzogtums Steier.[1] Gegen einen hohen Kredit wurde ihm 1463 Stattenberg verpfändet.[3]

Literatur

  • Paul-Joachim Heinig: Kaiser Friedrich III. (1440–1493) in seiner Zeit. Studien zum 500. Todestag am 19. August 1493/1993 (= Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Bd. 12). Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien, 1993, ISBN 3-412-03793-1, Bd. 1 (Rezension)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 vgl. Paul-Joachim Heinig: Kaiser Friedrich III. (1440–1493) in seiner Zeit, 1993, Bd. 1, S. 233
  2. 2,0 2,1 vgl. Paul-Joachim Heinig: Kaiser Friedrich III. (1440–1493) in seiner Zeit, 1993, Bd. 1, S. 233, Fußnote
  3. 3,0 3,1 vgl. Paul-Joachim Heinig: Kaiser Friedrich III. (1440–1493) in seiner Zeit, 1993, Bd. 1, S. 234

Anmerkungen

  1. Das Herzogtum Steier(mark) umfasste damals Teile der heutigen Bundesländer Steiermark und Niederösterreich und des heutigen Staates Slowenien.
  2. Das Herzogtum Österreich umfasste damals das heutige Bundesland Wien und Teile der heutigen Bundesländer Niederösterreich und Oberösterreich. 1417 kam die Stadt Steyr mit der gleichnamigen Herrschaft endgültig dazu. Im 15. Jahrhundert spaltete sich das Herzogtum Österreich in zwei Teilherzogtümer auf: Österreich ob der Enns (heute im Wesentlichen: Oberösterreich) und Österreich unter der Enns (heute im Wesentlichen: Niederösterreich)
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