Gnadenbild Maria Pötsch

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Original des Gnadenbildes

Das Gnadenbild Maria Pötsch ist ein viel verehrtes Gnadenbild in der Wiener Stephanskirche, das sich ursprünglich in Ungarn befand und 1697 – nachdem es geweint haben soll – nach Wien gebracht wurde.

Geschichte des Gnadenbildes

Das Gnadenbild in der Größe von 70 mal 50 Zentimeter wurde mit Temperafarbe auf Holz gemalt und stellt Maria mit Christus als Kind, das die rechte Hand zum Segen erhoben hat und in der anderen eine Blume hält, auf der Linken dar. Es ist eine Ikone vom Typus Hodegetria. Das Wort Hodegetria leitet sich von einem griechischen Terminus für Führer her, der blinde Pilger zu einem Gnadenbild, das der Legende nach vom Evangelisten Lukas gemalt wurde, brachte. 1453 ging die ursprüngliche Ikone bei der Eroberung von Byzanz verloren. Das Bild Maria Pötsch besteht aus zwei Eichentafeln, die mit einem Keil zusammengehalten werden und trägt eine ungelenke Inschrift in cyrillischer Schrift, die wie folgt lautet: „Ich habe dieses heilige Bild aufgestellt zur Verzeihung meiner Schulden". Dieses Gemälde stammte ursprünglich aus der griechisch-katholischen Holzkirche Pócs bei Zabolcz (Diözese Eger) und war wenig beachtet. Die Wende kam, als am 4. November 1696 der Bauer Michael Cöry das Bild bei der Sonntagsmesse weinen zu sehen glaubte, und viele Zeugen, die auch in vielen Schriften zu diesem Bild zitiert werden, haben dieses „Wunder", das bis zum 18. Dezember 1696 anhielt, bezeugt. Die Kopie des Bildes in Maria Pócs hat angeblich im August 1715 wieder Tränen vergossen und auch das Originalbild in St. Stephan hat im Dezember 1905 wieder 19 Tage geweint, wofür es angeblich 75 Zeugen gab.

Aus Eger holte Kaiser Leopold I. (1640-1705), beraten vom Kapuzinerprediger Marco d´Aviano (1631-1699) und auf Drängen seiner frommen Frau [[w:Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg|Eleonore Magdalena (1655-1720) das Bild nach Wien. Es kam begleitet von Georg Emmerich Graf Csáky de Keresztszegh, Domherr von Eger / Erlau († 1741) 1697 in die Stadt, wo es zuerst in der Favorita untergebracht war. Am 7. Juli 1697 wurde es dann in der Hofkirche St. Augustin der öffentlichen Verehrung übergeben, und in den folgenden Monaten in allen Kirchen Wiens gezeigt. 33 große Prozessionen, 103 Hochämter und 126 Predigten begleiteten die Darstellung bis zum 1. Dezember 1697, an diesem Tag wurde sie endgültig in St. Stephan aufgestellt. An jenen Feierlichkeiten wirkte auch Prediger Abraham a Sancta Clara (1644-1709) mit, der dem Gemälde auch den Sieg des Prinzen Eugen von Savoyen (1663-1736) bei Zenta zuschrieb.

Verschiedene andere „Wunder" des Bildes wurden berichtet, so die Tatsache, dass die Tränen nicht froren oder ein Protestant, der sie berührte, bekehrt wurde, auch die Feuerabwehr Wiens und die Bekämpfung von Viehseuchen schrieb man dem Kunstwerk zu. Es empfing sehr viele kostbare Votivgaben, nicht zuletzt eine diamantene „Rosa Mystica" von Kaiserin Eleonore Magdalena. 1903 wurden diese Schmuckstücke jedoch gestohlen.

Vollkommener Ablass

Papst Clemens XIV. (* 31. Oktober 1705 in Santarcangelo di Romagna bei Rimini (Kirchenstaat); † 22. September 1774 in Rom) erteilte dem Gemälde einen vollkommenen Ablass für alle, die am zweiten Sonntag im August an der Prozession teilnehmen, „oder wann sie davon sollen billiger Massen verhindert seyn, nach empfangenen heiligen Sacramenten gemeldete Domkirche selben Tag besuchen, und alldorten für Ausreittung der Ketzereyen, Aufnahme der katholischen Kirche, und Vereinigung der christlichen Fürsten und Potentaten nach Belieben etwas bethen" (Bittgang einer Hochlöblichen Burgerlichen Bruderschaft).

Maria Pötsch im Zweiten Weltkrieg

In den 1870er Jahren malte der Nazarener Maler Leopold Kuppelwieser (* 17. Oktober 1796 in Markt Piesting; † 17. November 1862 in Wien) eine Kopie des Bildes, die es den Gläubigen erlaubte, näher an die Darstellung heranzukommen als am Hochaltar. Im April 1945 wurde der Stephansdom in Brand geschossen, doch das Originalbild war in Sicherheit, wurde also nicht beim Brand des Hochaltars zerstört, auch die Kopie des Maria Pötsch Bildes blieb unversehrt und wurde 1946 in die Kirche am Hof übertragen, wo der Kultgegenstand mit den Votivgaben und dem 40 Kilogramm schweren Silberrahmen kurz darauf im Oktober 1946 gestohlen wurde.

1948, als man das Langhaus des Stephansdomes wieder eröffnete, wurde das Originalbild im alten Silberrahmen von 1697 unter einem Baldachin in der letzten rechten Seitenkapelle hinten aufgestellt und wird dort bis heute verehrt.

Quellen

  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Bd. 1, Wien 1955, S. 38–47.
  • Rudolf Bachleitner: Das Bild der ungarischen Madonna im Stephansdom zu Wien. In: Wiener Geschichtsblätter 16 (1961), S. 353–357.
  • Franz Loidl: Maria-Pötsch. Eine Richtigstellung und Ergänzung. In: eiträge zur Wiener Diözesangeschichte 18 (1977), S. 44.
  • Thomas Hochradner und Géza Michael Vörösmarty: Zur Musikpflege am Altar Maria Pocs (Maria Pötsch) in St.Stephan in Wien. In: Studia Musicologica Academiae Scientiarium Hungaricae 41 (2000), S. 133–175.
  • Bittgang einer Hochlöblichen Burgerlichen Bruderschaft Unter dem Titul: Mariae-Verkündigung nach der hohen Erzdomkirche St. Stephan, zu der wunderthätigen Bildniß Maria von Pötsch um Abwendung der drey Hauptstrafen, aus der kaiserl. Profeßhauskirche der Gesellschaft Jesu am Hof, Wien o.J.
  • Gebeth und Gesang am Tage der Erinnerung der von dem Gnadenbilde Maria Pötsch vor hundert Jahren vergossenen Thränen nebst einer Beschreibung von dem Ursprunge dieses Gnadenbildes, Wien 1796.
  • Funftzig-Jähriges Jubel-Fest Des Wunderthätigen Gnaden-Bilds Mariae von Pötsch, Welches In der Hohen Metropolitan-Kirchen bey St. Stephan Von denen Wienerisch-Marianischen Verehrern durch 8 Täge mit abgelegten 15. Sinn- und Lehr-reichen Trost-Predigten, Samt Hoch-Aemtern und Litaneyen Vom 1sten bis 9ten Julii 1747 In ungemeiner Volks-Menge auf das feyerlichste gehalten wurde; Si In nachstehenden Predigten/ Ursprung/ und Beschluß mit Herumtragung dieser Marianischen Bildnuß gehaltenen Processionen klärlich zu ersehen, Wien 1747.
  • Abgetrocknete Thränen. Das ist: Von der Wunderthätigen Zäher-trieffenden Bildnus der Gnaden-reichen Gottes-Gebährerin/ so zu Pötsch in Ober-Hungarn Anno 1696 den 4. Monats-Tag Novembris an beeden Augen zu weinen angefangen/ und folglich (die Aussetzungen beygerechnet) bis 8. December geweinet. Lob- Preiß- Danck- und Lehr-Discursen durch fünf und dreyssig/ Mit anmuthigen Concepten, geist- und weltlichen Historien bereicherten Symbolen: So dann auch verschiedenen Predigten/ So in dem uralten Passauerischen Gottes-Haus in Wien Unser Lieben Frauen Stiegen/ Vor hochgedachten Gnaden-Bild/ und darvor gehaltenen Solennitäten dem häuffigsten andächtigen Volck vorgetragen worden. Zusammen gezogen Durch Hochwürdig und Hochgelehrte Subjecta Passauerischern Dioeces, Nürnberg und Frankfurt 1698.
  • Achttägige Verehrung des gnadenreichen Bildniß der weinenden Mutter Gottes zu Pötsch, welche vor 75 Jahren in die hiesige hohe Dom- und Metropolitiankirche zu St. Stephan feyerlich übersetzet worden, nebst einer kurzen Beschreibung von dem Ursprung dieses Gnadenbildes, Wien 1772.
  • Beschreibung des wunderthätigen Gnadenbildes Maria Pötsch welches in der Domkirche bei St. Stephan in Wien seit dem Jahre 1697 öffentlich am Hochaltars ausgestellt ist ..., Wien 1839.
  • Migazzi, Christoph Anton von: Gründlicher Bericht über die Jahre 1696 geflossenen Thränen des Bildes der ... Maria von Pötsch, das seit 697 bey St. Stephan in Wien verehrt wird ..., Wien 1796.

Weblinks

 Gnadenbild Maria Pötsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons