Grabhügel von Lebing

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Der Grabstein aus dem Römergrab von Lebing

Der Grabhügel von Lebing, auch das Lebinger Hügelgrab oder das Römergrab von Lebing, ist ein restaurierter Grabstein mit rekonstruiertem Grabhügel aus der Zeit um 200 nach Christus in Lebing bei Eichberg. Um den Grabstein stehen Glassäulen mit Replikaten der Grabbeigaben und einem Original. Die Anlage wird von einem Stahldach geschützt.[1][2]

Geschichte

Um 200 hnach Christus verstarb das wohlhabende junge Ehepaar Sextus Sacretius Priscus und Capitonia Iulia aus Flavia Solva, dem heutigen Wagna bei Leibnitz, im Alter von 26 und 20 Jahren. Die Eltern der jungen Frau ließen den Grabstein für ihre Tochter und ihren Schwiegersohn erstellen. Die Asche der beiden Verstorbenen wurde in einer feierlichen Zeremonie mit einigen Grabbeigaben beigesetzt. Über der Grabkammer wurde ein großer Erdhügel aufgeschüttet. Der Grabstein wurde vor dem Eingang aufgestellt und durch einen Gneisblock stabilisiert.[1]

Modell eines römischen Gutshofes in Hessen

Spätere Untersuchungen ergaben, dass der Marmor aus dem Bachergebirge (= Pohorje im heutigen Slowenien) stammte. Die Familie, die vermutlich in der näheren Umgebung der Grabstätte einen Gutshof besaß, gehörte zur sozialen Oberschicht des Stadtgebiets von Flavia Solva. Sie konnte sich somit den weiten Transport des Steinblockes und die Bildhauerarbeit leisten.

Grabstein

Der Grabstein besteht aus einem Portrait der beiden Verstorbenen sowie einer darunterliegenden Inschrift, die durch einen mit Blattranken verziertem Zierstreifen getrennt sind, sowie einer Stelenbekrönung.

Stelenbekrönung

In der Stelenbekrönung über dem Portrait sind zwei nach außen liegende Löwen, die einen Eberkopf in ihren Vorderpranken halten, sowie ein bärtiges Männergesicht zwischen den beiden, mit Tierohren und einem Kopfaufsatz in Zylinderform.[1]

Portrait

Das Portrait zeigt das Ehepaar Hand in Hand, was ihre Verbindung, die über den Tod hinaus geht, symbolisieren soll. In der anderen Hand hält Sextus Sacretius Priscus eine Schriftrolle.[1]

Inschrift

Die lateinische Inschrift ist zu einem großen Teil erhalten,

„D(is) M(anibus) P(ositum) S(exto) SACRETIO PRISCO Q(uirina) SOL(va) GENERO P(ientssimo) AN(norum) XXVI ET CAPIT(oniae) IVLI(a)E FIL(iae) P(ientissimae) AN(norum) XX IVSTINVS SIMILIS (scil. fillius) ET CAPITONIA INGENVINA CON(iuges) [...] [3]

was übersetzt heißt:

„Den Totengöttern geweiht. Für Sextus Sacretius Priscus aus dem Stimmbezirk Quirina, (Heimatgemeinde Flavia) Solva, dem liebevollsten Schwiegersohn, (der) im Alter von 26 Jahren (verstorben ist)sowie für (unsere) liebevollste Tochter Capitonia Julia (verstorben) mit 20 Jahren. Justunus Similis seine Gattin Capitonia Ingenuina [...] [3][1]

Grabbeigaben

Dem Ehepaar wurden einige Grabbeigaben mitgegeben. Sie sollten ihnen ein schönes Leben im Jenseits sichern. Darunter waren: eine Öllampe erstellt vom Töpfer Ursus, eine Dreifußschale mit Deckel, ein typisches Speise- und Kochgeschirr, ein Kochtopf mit Kammstrichverzierung, eine Glasflasche sowie einige Webstuhlgewichte. [1]

Fundgeschichte

Im Jahr 1981 legte der Grundbesitzer Vinzenz Hammerl, vulgo Holzer, während des Ackerns einen Teil des Grabsteins frei. Dieses Stück zeigte den unteren Teil des Portraits der beiden Verstorbenen sowie einen Teil der Inschrift.

Der nächste Fund, ein weiterer Teil des Portraits, der Kopf von Capitonia Iulia, welcher 2005 erneut beim Ackern freigelegt wurde, führte zu einer archäologischen Grabung durch das Bundesdenkmalamt im Jahr 2006. Dabei wurden weitere Teile des Grabsteines, wie der Kopf des Sextus Sacretius Priscus, freigelegt. Auch fand man den Grabhügel mit Grabkammer, sowie die Überreste der Grabbeigaben und des Leichenbrands.[1]

Überdachung

Gesamtansicht des Grabhügels von Lebing

Durch das Entgegenkommen des Grundeigentümers war es der Gemeine Eichberg möglich, den Grabhügel wieder errichten zu lassen. 2009 begann die Planung und Umsetzung der Überdachung des wiederaufgebauten Grabes mit einem Stahldach, für dessen Design der steirische Architekt Klaus Kada verantwortlich zeichnete. Diese künstlerische Konstruktion soll es unter anderem auch vor Wettereinflüssen schützen. Die Stahlkonstruktion wurde 2010 mit dem Österreichischen Bauherrenpreis ausgezeichnet.[4]

Eröffnung

Die feierliche Eröffnung der neugestalteten Anlage erfolgte am 11. Oktober 2009 unter Beisein von Bürgermeister Peter Uhl, Architekt Klaus Kada und Bernhard Herbert vom Bundesdenkmalamt. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Eichberger Brass Boys. Der ORF hielt die Veranstaltung mit einem Kamerateam fest.[4]

Ausstellung

Seit der Eröffnung im Jahr 2009 ist die Ausstellung rund um die Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Grabstein und einige Beigaben werden ausgestellt. Die Öllampe und die Webstuhlgewichte liegen als Original vor, Scherben der Dreifußschale und des Kochtopfes sowie Nachbildungen dieser und der Glasflasche werden ebenfalls ausgestellt. Zusätzlich kann eine akustische Installation von Saboor Ghadir Alizadeh auf Knopfdruck abgespielt werden. [4][3][1]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Alexandra Phum und Susanne Tiefengraber mit Beitrag von Silvia Renhart: Ein römerzeitlicher Grabhügel mit Grabstele in labing, Gemeinde Eichberg, Steiermark
  2. B. Herbert und Ingo Mirsch: Fundbericht GZ: 8.146/70/2005 Betreff: KG Lebing, Grst. Nr. 619/1 OG Eichberg
  3. 3,0 3,1 3,2 M.Hainzmann: Eine neugefundene Grabstele aus dem norisch-panonischen Grenzgebiet; in Lebendige Altertumswissenschaft(Festschrift Hermann Vetters),158ff
  4. 4,0 4,1 4,2 Gemeinde Eichberg: Einladung zur offiziellen Eröffnung der Grabstele in Lebing

Weblinks

 Grabhügel von Lebing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons


Htlpinkafeld.png Dieser Artikel wurde 2014/15 im Zuge des Schulprojektes der HTL Pinkafeld erstellt oder maßgeblich erweitert.

47.3974915.95506Koordinaten: 47° 23′ 51″ N, 15° 57′ 18″ O