Gutolf von Heiligenkreuz

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Gutolf von Heiligenkreuz (* im 13. Jahrhundert; † im 13. Jahrhundert, um / nach 1293), auch Gutolfus de Sancta Cruce, wirkte als Geschichtsschreiber im Zisterzienserstift Heiligenkreuz.

Herkunft und Familie

Über die Herkunft und die Familienverhältnisse von Gutolf ist nichts bekannt.

Leben

Gutolf ist zwischen 1260 und 1290 als Zisterziensermönch des gleichnamigen Stiftes in Heiligenkreuz belegt.[1] Er war Beichtvater der Zisterzienserinnen des Nikolaiklosters "vor dem Stubentor" in der Nähe der Stadt Wien (heute:3. Wiener Gemeindebezirk, deren geistliche Betreuung dem Stift Heiligenkreuz unterlag.[2] Nach 1285 war er Abt des Klosters Marienberg (damals im ungarischen Königreich), einem Tochterkloster von Stift Heiligenkreuz. Nach seiner Resignation (1289) ist er 1292 im Zisterzienserkloster Velehrad, damals Markgrafschaft Mähren, urkundlich belegte, dürfte aber später wieder nach Heiligenkreuz zurückgekehrt sein.[3]

Gutolf unterhielt enge Beziehungen zu Einwik († um 1313), dem späteren Propst des Stiftes St. Florian.[4]

Schriftsteller und Geschichtsschreiber

Gutolf wird heute zu den gelehrten lateinischen Autoren des 13. Jahrhunderts gezählt[1], was verrät, dass er für seine Zeit sehr gebildet gewesen sein muss. Er verfasste einem Traktat über das Kirchenrecht und eine lateinische Grammatik ("Summa grammatica") für geistliche Frauen sowie zwei Werke zur Geschichte seiner Zeit, welche heute als bedeutende Geschichtsquellen zur Herrschaft des böhmischen Königs Ottokar[A 1] über das Herzogtum Österreich[A 2] gelten. In ihnen wird die Niederlage von König Ottokar und dessen Tod tief betrauert.[1] Allerdings vermeidet Gutolf eine zu eindeutige Parteinahme, vielleicht ein Indiz dafür, dass die politischen Verhältnisse im Herzogtum damals noch nicht eindeutig entschieden waren.[5]. Allerdings erzählt Gutolf nicht nur "große Geschichte", sondern gibt auch einen detailreichen Blick in die zeitgenössische "Mikropolitik".[6]

Eine Versbearbeitung der Vita der Heiligen Agnes ("Dyalogus Agnetis") dürfte verloren gegangen sein. Von einer deutschsprachigen theologischen Schrift hat sich nur ein lateinischer Auszug unter dem Titel "Consilium amoris erhalten.[3]

Gutolfs breites Oeuvre als Schriftsteller richtete sich vorwiegend an die Mönche des Stiftes Heiligenkreuz und die Nonnen des Nikolaiklosters. Auffällig ist der durchgehend-didaktische Charakter seiner Werke und die Überlappung der verschiedenen Textarten. Sie enthalten vielfältige Bezüge zu seiner Umwelt und geben Hinweise auf das soziale Miteinander seines Umfeldes.[5]

Gutolf in Sage und Legende

Nach einer Episode der "Vita venerabilis Wilbirgis" von Einwik, soll Gutolf, den Einwik ansonsten als hoch angesehenen Mönch und Freund darstellt, auch mit der Seligen Wilbirgis befreundet gewesen sein. Allerdings soll er versucht haben, sie zum Verlassen ihrer Klausur zu bewegen, um mit ihm in die Welt zu gehen. Als sie ablehnte, soll er sie deshalb verleumdet haben. Angeblich war es dieser Vorfall, der zur Folge hatte, dass Einwik als Abt des Klosters Marienburg resignieren musste und angeblich erst nach jahrelangen Herumirren in der Fremde wieder nach Heiligenkreuz zurückkehren durfte.[4]

Werke

  • Translatio sanctae Delicianae (In dieser schildert Gutolf die Überführung der Reliquien der Heiligen Deliciana im Auftrag von Paltram vor dem Freithof von Prag nach Wien, wo sie dem Nikolaikloster "in der Singerstraße" übergeben wurden. In einer kurzen Beschreibung der Stadt Wien kommt so etwas wie ein "Lokalpatriotismus" zum Ausdruck (Lob der landschaftlichen Schönheit, der Donau und des Weins).[1]
  • Historia annorum 1264-1279 (Sie gilt heute als wichtiges Zeugnis der Klosterannalistik, zu der auch die "Continuatio Vindobonensis" und die "Continuatio Praedicatorum" gezählt werden.[1])

Beide Werke wurden von Wilhelm Wattenbach ediert.[1]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Gutolf von Heiligenkreuz. In: Historisches Lexikon Wien. Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 647.
  2. vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Nikolaikloster. In: Historisches Lexikon Wien. Band 4, Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00546-9, S. 411. digital
  3. 3,0 3,1 Gutolfus de Sancta Cruce, Geschichtsquellen.DE, abgerufen am 17. November 2018
  4. 4,0 4,1 vgl. Christina Lutter: Geteilte Räume und gemeinsame Zugehörigkeiten, 2016, S. 203
  5. 5,0 5,1 vgl. Christina Lutter: Geteilte Räume und gemeinsame Zugehörigkeiten, 2016, S. 204
  6. vgl. Christina Lutter: Geteilte Räume und gemeinsame Zugehörigkeiten, 2016, S. 204f.

Anmerkungen

  1. Für König Přemysl Otakar II. (Przemysl Ottokar II., Ottokar II. Przemysl) finden sich in der Sekundärliteratur verschiedene Namensbezeichnungen. In Österreich war und ist er als Ottokar II. bekannt. Da es in diesem Artikel um die Geschichte jener Gebiete geht, die heute zur Republik beziehungsweise zum "EU-Land" Österreich gehören, wird hier durchgehend die Bezeichnung Ottokar verwendet.
  2. Das Herzogtum Österreich umfasste damals das heutige Bundesland Wien und Teile der heutigen Bundesländer Niederösterreich und Oberösterreich. Erst 1417 kam die Stadt Steyr mit der gleichnamigen Herrschaft, die zuvor meistens zum Herzogtum Steier gehört hatte, endgültig dazu. Im 15. Jahrhundert spaltete sich das Herzogtum Österreich in zwei Teilherzogtümer auf: Österreich ob der Enns (heute im Wesentlichen: Oberösterreich) und Österreich unter der Enns (heute im Wesentlichen: Niederösterreich)