Hanenberger Schlössle

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Der Ansitz im Januar 2018

Der Hanenberger Schlössle (auch: Ansitz Hanenberg, Hahnenberg oder Oberweiler bzw. Oberweiller) ist ein kleines Schlösschen in der Parzelle Schlößle in der Gemeinde Weiler in Vorarlberg und wurde von der Feldkircher Patrizierfamilie Imgraben 1600 erbaut.[1][2] Bis heute befindet sich im Ansitz Hanenberg eine private Wohnstätte.

Lage

Der Hanenberg liegt in etwa in der Mitte des Gemeindegebiets von Weiler und am östlichen Rand des Dorfes Weiler. Der Hanenberg ist an der nördlichen Seite von einem schmalen Waldgürtel und vom Ratzbach begrenzt, der hier unter dem Ansitz den Malonsbach aufnimmt. Südlichwest und westlich befinden sich Wiesen, südöstlich und östlich eine Wald/Wiesen-Mischkultur.

Name

Der Name Hanenberg wird von einem Walther Han (auch: Hahn), abgeleitet, welcher 1425 ein Erblehen in Weiler an dieser Stelle, den Hof zu Weiler, gegen eine Zins von drei Scheffel Weizen und Kernen, neun Hühner, 50 Eier und drei Schilling dem Klarissenkloster Valduna bei Rankweil verlieh (Unterlehen).

Walther Han gehörte zu einem Feldkircher Patriziergeschlecht. Vermutlich war sein gleichnamiger Vater, Walther Hahn, der Stadtammann von Feldkirch. Auch der oben genannte Walther Han war 1438, 1443 und 1449 Stadtammann von Feldkirch. Sein Siegel zeigt einen Hahn, der auf einem Fisch steht und auf den Fisch einhackt.

Ein Vorfahr von ihm soll Konrad Hahn gewesen sein, der 1293 erwähnt wird. Josef Hahn, unter Umständen ein direkter Vorfahre oder naher Verwandter, ist am 17. Juni 1405 bei der Schlacht am Stoss gefallen.[3]

Geschichte

Konrad Gallus Han (um 1293) hat den Hof zu Weiler von den Habsburgern für Verdienste seiner Vorfahren als Lehen erhalten. Das Lehen ging in weiterer Folge der Familie Hahn verloren oder diese gab es weiter.

Das Gebäude wurde 1600 von der Hyronimus (auch: Hieronymo) Imgraben (auch im Graben, außm Graben bzw. am Graben genannt), Bürger in Feldkirch, errichtet. Bereits 1616 ist als Eigentümer ein Mitglied der Familie von Greiffenberg genannt.[1]

1623 klagte ein Junker Wolfgang Peter von Greiffenberg auf Hahnenberg gegen ein Mitglied der Familie Han wegen des Lehenszins des Kloster Valduna. Das Patriziergeschlecht Imgraben (im Graben, außm Graben bzw. am Graben) dürfte wenig später ausgestorben sein. Am 15. Mai 1626 wird vom Kloster Valduna der Hochacker am Hahnenberg an den Junker Wolfgang Peter von Greiffenberg als Erblehen verliehen.[4]

1685 wird als Eigenümer der Landrichter des Landgerichts Rankweil, Anton (Antonius) Vespasianus Zoller († 19. September 1692), angeführt[2], der sich in weiterer Folge, als er 1666 in den Adelstand erhoben wurde, von Oberweiler nennt. Zoller erreicht, dass das Alleineigentum am Ansitz und den Gütern auf ihn überging. Anton Vespasianus Zoller folgte sein Sohn Anton Sebastian Zoller († 1692) nach, dann der Enkel David. Im 18. Jahrhundert ist die Feldkircher Familie von Schultheiß durch Erbgang im Eigentum des Ansitz Hahnenberg. Am 8. Jänner 1765 verkauft die letzte aus dem Geschlecht der von Schultheiß den Ansitz Hanenberg um 4000 Gulden an das Kloster Viktorsberg.[5] In weiterer Folge wurde der Ansitz und die dazugehörigen Liegenschaften vom Kloster an Bauern verpachtet.[6] Nachdem das Kloster am 22. Jänner 1785 aufgelöst wurde, wurde der Ansitz Hanenberg von der österreichischen Regierung unter Joseph II. versteigert und vom Arzt Franz Xaver Klessin (auch: Clessin) aus Feldkirch erworben, der es wiederum oder weiter verpachtete.[7] 1830 wird als Eigentümer ein Georg Durner aus Batschuns genannt, bald darauf ein Karl Halbeisen aus Ebnit. [8] 1842 wurde der Ansitz von Halbeisen an den Dornbirner Josef Anton Wohlgenannt verkauft und 1844 oder 1845 an Johann Michael Seyfried, Lehrer in Weiler.[9]

Am 22. Februar 1850 wurde der Ansitz durch ein Feuer zerstört, nur einzelne Mauerreste blieben erhalten. Zu dieser Zeit waren im Ansitz Soldaten einquartiert. Der Grundbesitz wurde von Josef Österle († 1871) aus Langen bei Bregenz um 1859 erworben und das heute sichtbare Haus erbaut, welches zuerst als Gasthaus geführt wird. Über seine Erben wurde der Ansitz am 14. Juli 1873 an Maria Margareta von Syrgenstein (auch Sürgenstein)-Altenberg († 4. April 1888 in Simmerberg) verkauft. Deren Gatte, Freiherr Ludwig von Syrgenstein, der letzte aus dieser Linie, lebte dann auf dem Ansitz Hanenberg und verstarb hier 1892. Die Tochter, Berta Sinz († 10. Oktober 1891), übernahm durch Einantwortung vom 23. April 1889 das Eigentum am Ansitz, wodurch es aufgrund der Ehe mit dem Kaufmann August Gisinger (auch: Gissinger) auf die gemeinsamen Kinder (Berta, Klara, Raimund und Theodor) überging.[10]

Der Fabrikant Heinz Hämmerle (1940-2020) (F. M. Hämmerle) erbt den Ansitz 1962. 1988, nach dessen Tod, wird dessen Gattin Edith Hämmerle (geb. Wendler) Alleineigentümerin. 2014 erbte Elisabeth Keiper‐Knorr von ihrer Mutter Edith Hämmerle den Hanenberg.

Gebäude

Das Gebäude ist massiv errichtet. Es ist in etwa von Nord nach Süd ausgerichtet und rund 16 Meter lang. Die maximale Breite beträgt rund 14 Meter. Das Haus hat eine rechteckigen Grundform und ist mit einem Walmdach mit Gaupe und einem halb im Mauerwerk eingelassenen Turm versehen.

Das Haus steht am oberen Punkt der Erhebung und ist viergeschossig (Erdgeschossboden auf etwa 536 m ü. A.). Das Haus ist rund 14 Meter hoch.

Literatur

  • Georg Keckeis: Röthis und Viktorsberg, Bregenz 1908.

Weblinks

 Hanenberger Schlössle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Johann Georg Schleh: Emser Chronik, Hohenems 1616, S. 50.
  2. 2,0 2,1 Johann Georg Prugger: Feldkircher Chronik, Feldkirch 1685, S. 123.
  3. Georg Keckeis: Röthis und Viktorsberg, Bregenz 1908, S. 155 f.
  4. Georg Keckeis: Röthis und Viktorsberg, Bregenz 1908, S. 156.
  5. Georg Keckeis: Röthis und Viktorsberg, Bregenz 1908, S. 157.
  6. Georg Keckeis: Röthis und Viktorsberg, Bregenz 1908, S. 158.
  7. Dieser war auch im Besitz des Röthner Schlösschen.
  8. Georg Keckeis: Röthis und Viktorsberg, Bregenz 1908, S. 159.
  9. Georg Keckeis: Röthis und Viktorsberg, Bregenz 1908, S. 159 f.
  10. Georg Keckeis: Röthis und Viktorsberg, Bregenz 1908, S. 160.

47.3037699.657725Koordinaten: 47° 18′ 14″ N, 9° 39′ 28″ O