Heinrich IV. von Kuenring

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Heinrich (IV.) von Kuenring mit seiner Gemahlin Kunigunde, Zeichnung im "Liber Fundatorum Zwetlensis", besser bekannt als "Zwettler Bärenhaut", entstanden zwischen 1322 und 1332

Heinrich (IV.) von Kuenring (* im 13. Jahrhundert; † 12. Mai 1293)[1], auch Heinrich von Kuenring-Weitra oder Heinrich von Weitra, war ein Adliger des Herzogtums Österreich. Er gilt als Begründer der Linie "Kuenring-Weitra".

Herkunft und Familie

Heinrich (IV.) von Kuenring entstammte der Familie der Kuenringer, einer der bedeutendsten Ministerialenfamilien[A 1] des Herzogtums Österreich. Er war einer der Söhne des später als Raubritter berüchtigten Hadmar (III.) von Kuenring ("Hadmar dem Hund"). Er war der jüngere Bruder von Albero (V.) von Kuenring.[2].

Heinrich (IV.) von Kuenring war mit Kunegunde verheiratet, vermutlich eine Angehörige der Familie von Dobra[1]. Aus dieser Ehe hatte er mehrere Kinder:

  • Heinrich (VII.) von Kuenring († Juli 1281), genannt seit 1265 ∞ mit Elisabeth, einer (natürlichen) Tochter des "Böhmenkönigs" Ottokar[1]
  • Hadmar (VI.) von Kuenring, urkundlich genannt zwischen 1269 und 1271[1]
  • Albero (VII.) von Kuenring († 1342), genannt seit 1284[1] --> Linie "Kuenring-Weitra-Seefeld"
  • Adelheid (Alheidis) von Kuenring (13.Jh.)[1] ∞ Wulfing von Kaja (Kiau) († um / nach 1303)[3]
  • Maria von Kuenring (13.Jh.)
∞ in 1. Ehe mit Reimbert von Ebersdorf
∞ in 2. Ehe mit Eberhard von Wallsee(-Linz)[1]

Leben

Nach dem Tod ihrer Cousins, der Söhne von Heinrich (III.) von Kuenring, beerbten Heinrich (IV.) von Kuenring und sein Bruder Albero (V.) ihren Onkel und übernahmen die Führung innerhalb der Familie.[4] Heinrich, urkundlich erstmals 1240 genannt, erbte die Besitzungen im nördlichen Waldviertel, dessen Zentrum in Weitra lag.[5] Er war Marschall des Herzogtums Österreich.[6]

Nachdem der "Böhmenkönig" Ottokar die Herrschaft im Herzogtum Österreich übernommen hatte, gehörte er Heinrich (IV.) zu seinen Anhängern.[7] Nach dem Tod seines älteren Bruders übernahm er 1260 die Führung innerhalb der Familie.[8]

In den 1260er-Jahren führte Heinrich (IV.) von Kuenring eine Fehde mit Hugo (II) dem Tursen von Lichtenfels, die im Liber fundationum" (entstanden zu Beginn des 14. Jahrhunderts), besser bekannt als die "Bärenhaut", dem Stifterbuch des Stiftes Zwettl überliefert ist. Die Darstellung ist parteiisch und stellt Heinrich als den Angreifer da, dessen Taten nicht gerechtfertigt sind. In der Realität dürfte Hugo allerdings am Ausbruch der Fehde nicht gänzlich unschuldig gewesen sein und sein Vorgehen dürfte sich auch nicht auf defensive Taten beschränkt haben.[9] Diese Fehde war spätestens zu Ostern 1270 beendet, denn zu diesem Zeitpunkt sind Heinrich (IV.) von Kuenring und sein gleichnamiger Sohn als Gäste auf der Burg Lichtenfels belegt. In den Jahren danach deutet sich zeitweise eine Zusammenarbeit der Tursen mit den Kuenringern an.[10] In der Überlieferung wurde die Fehde später in die 1270er-Jahren verlegt und aus Hugo ein Anhänger von König Rudolf I..[7]

Heinrich (IV.) von Kuenring und seine Söhne unterstützten den "Böhmenkönig" auch noch, als sich dessen Konflikt mit König Rudolf I. allmählich zuspitzte, und seine Neffen längst auf die Seite von diesem gewechselt hatten.[7] 1277 suchte er König Rudolf in Wien auf. Ob er sich dort diesem unterwarf oder versuchte mit ihm zu einer Einigung zu gelangen, die gegen Ottokar gerichtet war, wie ein Brief von diesem andeutet, ist nicht geklärt. Noch vor der Schlacht auf dem Marchfeld (26. August 1278) wurde ihm vorgeworfen, mit einigen Bürgern der Stadt Wien gegen König Rudolf konspiriert zu haben. Er verlor seine Ämter und musste nach der Schlacht auf dem Marchfeld mit seinem gleichnamige Sohn ins Exil gehen. Er ließ sich in Troppau nieder. Für eine Rückkehr ins Herzogtum Österreich gibt es keine Belege.[8]

Heinrich (IV.) von Kuenring in Legende und Sage

Die Fehde, die Heinrich (IV.) von Kuenring, mit Hugo (II.) dem Tursen von Lichtenfels führte oder führen musste, fand Eingang in die Sage, wobei Heinrich die Rolle des Aggressors und Gewalttäters spielte. Siehe dazu: Hugo von Lichtenfels#Hugo von Lichtenfels in Legende und Sage

Es spricht einiges dafür, dass nicht nur die Auseinandersetzung von Heinrichs Vater Hadmar und seinem gleichnamigen Onkel mit Herzog Friedrich (II.) "dem Streitbaren", sondern auch Heinrichs Loyalität dem "Böhmenkönig" gegenüber, die seinen ältesten Sohn und ihn letztlich zur Emigration nötigte und der Familie außerdem Weitra und anderen im Waldviertel gelegenen Besitzungen kostete, für das Nachleben der Kuenringer als Raubritter und Bösewichte mitverantwortlich war.[10]

Literatur

  • Karl Brunner: Die Kuenringer. Adeliges Leben in Niederösterreich (= Wissenschaftliche Schriftenreihe Niederösterreich 53). Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten / Wien, 1980. ISBN 3-85326-539-X

Weblinks

 Heinrich IV. von Kuenring – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 vgl. Karl Brunner: Die Kuenringer, 1980, siehe Stammbaum
  2. vgl. Karl Brunner: Die Kuenringer, 1980, s. Stammtafel
  3. vgl. Anna Maria Sigmund: Die Tursen von Lichtenfels. Geschichte und Genealogie eines niederösterreichischen Ministerialengeschleches. (Ungedruckte) Dissertation, Wien, 1981. S. 82f.
  4. Karl Brunner: Die Kuenringer, 1980, S. 16
  5. vgl. Albero V. von Kuenring, GedächtnisDesLandes.AT, abgerufen am 3. Jänner 2021
  6. Karl Brunner: Die Kuenringer, 1980, S. 16f.
  7. 7,0 7,1 7,2 vgl. Ilse Schöndorfer: Steine und Sagen. Burgruinen in Niederösterreich. Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten / Wien, 1999. ISBN 3-85326-114-0 S. 72
  8. 8,0 8,1 Karl Brunner: Die Kuenringer, 1980, S. 17
  9. vgl. Anna Maria Sigmund: Die Tursen von Lichtenfels. Geschichte und Genealogie eines niederösterreichischen Ministerialengeschleches. (Ungedruckte) Dissertation, Wien, 1981. S. 87
  10. 10,0 10,1 vgl. Anna Maria Sigmund: Die Tursen von Lichtenfels. Geschichte und Genealogie eines niederösterreichischen Ministerialengeschleches. (Ungedruckte) Dissertation, Wien, 1981. S. 89

Anmerkungen

  1. Die Ministerialen, auch als "Dienstadel" bezeichnet, bildeten im Mittelalter innerhalb des "niederen" Adels eine eigene Gruppe. Ursprünglich "Unfreie", waren sie durch ein Dienst- oder Lehnsverhältnis in den "niederen" Adel aufgestiegen, im Unterschied zu den "edelfreien" oder "hochfreien" Adelsfamilien.
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