Heinrich von Kärnten

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Herzog Heinrich von Kärnten, Graf von Tirol, mit seinem jüngeren Bruder Ludwig, Teil des Spanischen Saales auf Schloss Ambras (16. Jahrhundert). Auf dem Wandbild ist Heinrich als (böhmischer) König dargestellt.

Graf Heinrich von Görz-Tirol (* um 1265/1280; † 1335), besser bekannt als Herzog Heinrich (VI.) von Kärnten, Graf von Tirol, Herr der Mark Krain [A 1], auch König Heinrich von Böhmen oder Jindřich Korutanský[A 2], ist vor allem als Graf von Tirol und als Vater der legendären Tiroler Landesfürstin Margarete Maultasch bekannt.

Herkunft und Familie

Graf Heinrich von Görz-Tirol entstammte dem "Meinhardinischen Familienzweig (Meinhardiner)" der Grafen von Görz-Tirol. Er war einer der jüngeren Söhne von Herzog Meinhard von Kärnten, Graf von Tirol, Herr der Krain, aus dessen Ehe mit der römisch-deutschen Königin Elisabeth.

Graf Heinrich von Görz-Tirol war dreimal verheiratet,

∞ in 1. Ehe mit Königin Anna von Böhmen,
  • Graf Leopold von Görz-Tirol[A 3]
∞ in 2. Ehe mit Herzogin Adelheid von Braunschweig
∞ in 3. Ehe mit Gräfin Beatrix von Savoyen

Herrschaften

Nach dem Tod seines Vaters trat Graf Heinrich von Görz-Tirol gemeinsam mit seinen Brüdern Ludwig und Otto dessen Nachfolge an. Nach dem Tod des böhmischen Königs Wenzel (III.) erhob er, gestützt auf seine Ehe mit dessen Schwester Anna, Anspruch auf die böhmische Krone. Diesen Anspruch konnte er nach einem ersten gescheiterten Versuch durchsetzen, 1307-1310 war er Herrscher des böhmischen Königsreiches Böhmen mit dessen Nebenländern, darunter der Markgrafschaft Mähren. Außerdem führte er den Titel eines polnischen Königs. 1310 wurde seine Herrschaft offiziell beendet, als der römisch-deutsche König Heinrich VII. in Absprache mit den Landständen seinen eigenen Sohn Johann, der mit Elisabeth, einer weiteren Schwester von König Wenzel (III.) verheiratet wurde, mit dem böhmischen Königreich belehnte. Heinrich, der seine Absetzung zunächst nicht anerkannte, musste sich aus Böhmen letztlich zurückziehen. Den Titel des böhmischen Königs führte er weiterhin in seiner Titulatur, Seit 1310 herrschte er nach dem Tod seines Bruders Otto als "Alleinherrscher" über das Herzogtum[A 4] Kärnten[A 5], die Grafschaft Tirol[A 6] und die Mark Krain.

Leben

Heinrich, der sich nach seinem Scheitern als böhmischer König die meiste Zeit seines Lebens in der Grafschaft Tirol aufgehalten hat, übertrifft dort mit seinen zahlreichen Schenkungen, die er Kirchen und Klöstern machte, bei Weitem die meisten Angehörigen seiner Familie. Eine strategisch-weltliche Planung, wie zum Beispiel die Stiftungen seiner Schwägerin Euphemia von Schlesien zeigen, lässt sich bei ihm nicht feststellen, es scheint, dass es ihm dabei in erster Linie ausschließlich um die Jenseitsvorsorge für sich und seine Verwandten gegangen ist. Mit seinen Stiftungen und Schenkungen förderte er außer dem Zisterzienserkloster in Stams zum Beispiel das Spital der Stadt Innsbruck, das Kloster Georgenberg-Fiecht oder die Prämonstratenser in Wilten sowie die Dominikaner in Friesach..[1]

Vor dem Hauptaltar in der Stiftskirche in Stams erinnert die Grabplatte an Heinrich.

Orte mit Bezug zu Heinrich in der heutigen Republik Österreich

Tirol

  • Stams: Graf Heinrich von Görz-Tirol wurde in der Stiftskirche des seinen Eltern gegründeten Zisterzienserkloster in Stams beigesetzt, wo eine Grabplatte vor dem Hochaltar an ihn erinnert.

Darstellung in Literatur und Belletristik

Graf Heinrich von Görz-Tirol ist gewöhnlich in jenen Romanen, wo es um das gesamte Leben von Margarete Maultasch geht, eine Nebenfigur.

Literatur

Lexika-Artikel

Einzelnachweise

  1. vgl. Julia Hörmann-Thurn und Taxis: Mächtige Fürstinnen - fromme Stifterinnen? Das Stiftungsverhalten der Tiroler Landesfürstinnen(13. und 14. Jahrhundert)- Weibliche Präsenz Habsburgs im Südwesten des Reiches. In: Claudia Zey (Hrsg.): Mächtige Frauen? Königinnen und Fürstinnen im Europäischen Mittelalter (11.-14. Jahrhundert) (= Vorträge und Forschungen. Hrsg. vom Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Bd. 81). Jan Thorbecke Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern, 2015. ISBN 978-3-7995-6881-4, S. 400f.

Anmerkungen

  1. In der Titulatur wird Heinrich als Herr der Mark Krain bezeichnet. In der einschlägigen Sekundärliteratur wird zwar oft davon ausgegangen, dass er Krain ein Herzogtum war, doch ist die Mark Krain erst unter [[Rudolf IV. (Österreich)|Herzog Rudolf (IV.) von Österreich ("Rudolf dem Stiftet") als Herzogtum belegt.
  2. Heinrich war König von Böhmen, Herzog von Kärnten und Graf von Tirol, zudem führte er noch eine ganze Reihe weiterer Titel. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird er in diesem Artikel mit Blick auf seine Familienzugehörigkeit als Graf Heinrich von Görz-Tirol bezeichnet.
  3. In der ohnehin eher spärlichen Literatur zu Heinrich und seine Ehefrau wird meistens von einer kinderlosen Ehe ausgegangen. Auf einem der Wandgemälde der Tiroler Landesfürsten im Spanischen Saal von Schloss Ambras ist jedoch ein junger Mann mit Namen Leopold dargestellt, der als Sohn von Heinrich und Anna identifiziert wurde, der offensichtlich bereits als Kind verstorben sein dürfte.
  4. als Herzog von Kärnten: Heinrich VI.
  5. Das Gebiet des Herzogtums Kärnten umfasste damals im Wesentlichen die meisten Teile des heutigen Bundeslandes Kärnten. Einige Teile standen zu dieser Zeit noch unter der Herrschaft des Erzstiftes Salzburg. Die Herrschaft über das Herzogtum Kärnten wurde im 14. Jahrhundert außerdem durch die Besitzungen und Lehen weiterer Herrschaftsinhaber beeinträchtigt, darunter neben dem Erzstift Salzburg mehrere Hochstifte wie zum Beispiel Gurk oder Bamberg oder die Grafen von Görz und die Grafen von Ortenburg.
  6. Das Gebiet der Grafschaft Tirol umfasste zu seiner Zeit neben dem heutigen Bundesland Tirol (ausgenommen den Städten Rattenberg, Kitzbühel und Kufstein sowie Osttirol) auch Südtirol. Die Herrschaft über die Grafschaft Tirol wurde im 14. Jahrhundert außerdem durch Besitzungen und Lehen weiterer Herrschaftsinhaber beeinträchtigt, darunter neben dem Erzstift Salzburg, zum Beispiel die Hochstifte Brixen, Trient und Chur. Allerdings war es Heinrichs Meinhard gelungen, sich gegen diese erfolgreich zu behaupten.
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