Hermann Dörn

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Hermann Dörn (* 20. Dezember 1897; † 7. März 1981 in Bludenz), mehr bekannt unter dem Namen Schliser Männle, war ein sehr bekannter Wunderheiler aus Vorarlberg. Er lebte in Schlins, Hauptstraße 25.

Name

Der Übername von Hermann Dörn als Männle bezog sich auf seine Körpergröße (1,74 Meter). Schlis auf seinen Wohnort Schlins.

Leben

Hermann Dörn war das zweitälteste von sechs Kindern des Schuhmachermeisters Heinrich Dörn und von Maria Dörn. Er wuchs bei seinen Großeltern in Gisingen auf und besuchte dort die Volksschule. Mit 15 Jahren (1912) kam er zurück in das Elternhaus nach Schlins. 1915 wurde er mit 18 Jahren im Zuge der Kriegshandlungen des Ersten Weltkriegs eingezogen. Aufgrund einer Rippenfellentzündung wurde er nach Götzis in die Rüti überstellt und erlebte dort den Rest der Krieges.

Er erlernte das Handwerk eines Küfers nach dem Vorbild seines Großvaters. Danach war er drei Jahre auf der Walz. Nach seiner Rückkehr nach Schlins heiratete er 1925 Albertina Bickel und begann bei der Brauerei Frastanz als Küfer zu arbeiten (bis 1945). Die Ehe blieb kinderlos.

1939 musste er zur deutschen Wehrmacht einrücken, kam zu den Gebirgsjägern, war beim nationalsozialistischen Überfall auf Polen eingesetzt und wurde nach dem Frankreichfeldzug (er war als Koch tätig) aber aufgrund seines Alters entlassen.[1][2]

Dörn machte sich nach 1945 als Küfer selbständig.

Politische Tätigkeit

Hermann Dörn wurde am 1. Jänner 1940 in die NSDAP mit der Nr. 7895710 aufgenommen.[3] Während des Zweiten Weltkriegs rückte Hermann Dörn 1942 anstelle des Posthalters Anton Amann in den Gemeinderat in Schlins nach.[4]

Tätigkeit als Wunderheiler

Gasthaus Hirschen in Schlins in den 1950er Jahren

Hermann Dörn wurde im Laufe seines Lebens einem immer größeren Personenkreis bekannt. Er soll nach seinen Angaben seine Wunderkräfte vom Selba-Wible erhalten haben. Er richtete seine Heilkräfte vor allem auch nach dem Einfluss des Mondes aus, wenn dieser unter sich geht, seien die Heilkräfte am größten. Wobei seine Kräfte nach seiner Erfahrung jeweils am ersten Tag des untergehenden Mondes am stärksten waren und dann kontinuierlich abnahmen.

Seine Tätigkeit wurde im Laufe der Jahre immer mehr in Anspruch genommen, so dass er Anfang der 1950er-Jahre Behandlungen nicht mehr Zuhause vornehmen konnte, sondern zu seinem Bruder in das Gasthaus Hirschen in Schlins ausweichen musste. Auch hier wurden der Andrang immer größer, so dass er bereits an fünf Tagen Behandlungen durchführte und Nummernkarten ausgegeben werden mussten. Es waren im "Normalfall" 200 bis 250 Personen pro Tag anwesend (390 an einem "Spitzentag"), die seine Hilfe in Anspruch nahmen. Die Hilfesuchenden kamen aus Vorarlberg und dem angrenzenden Ländern und es wurden mit der Zeit auch organisierte Gruppenreisen zu ihm unternommen.[1][5]

Im Laufe der Zeit wurden von Hermann Dörn wegen der anhaltenden Nachfrage auch Behandlungen in Bregenz (Gasthaus Heidelberger Fass oder Brigantia), in Schaan im Gasthaus Rössle und in Buchs und in Übersaxen vorgenommen.[5]

Die Gabe

Hermann Dörn selbst führte seine Kraft auf Gott zurück (Gottesgabe), wobei er selbst nicht als "Frömmler" galt oder religiöser Fanatiker. Über die Kraft selbst schwieg er sich aus. Patienten, die zu ihm kamen, wurden mit Gebeten beauftragt, wobei diese jedoch nicht mit der Heilung selbst in Zusammenhang standen, da er auch Fernheilungen durchgeführt haben soll, von denen die Betroffenen (Kranken) gar nichts wussten. Die Betonung des Gebetes führte auch während der Nationalsozialistischen Diktatur zu Problemen mit der Obrigkeit.

Ähnlich wie das Selba-Wieble hat er Gebete auf einen Zettel individuell aufgeschrieben und den Hilfesuchenden mitgegeben. Später wurden diese auch gedruckt.

Die Heilungsversuche vollzogen sich dadurch, dass Hermann Dörn von hinten am Körper der Person von oben nach unten entlangstrich und dabei im Stillen etwas gesprochen habe (Besprechungsformel, die er vom Selba-Wieble übernommen hat). Danach schüttelte er seine Hände aus, um die von den Kranken weggenommenen Übel „wegzuwerfen“. Betroffene berichteten, dass plötzlich eine eigenartige Wärme und dann eine allgemeine Erleichterung zu spüren gewesen sei. Je nach Stärke des Übels musste die Behandlung auch mehrfach ausgeführt werden. Hermann Dörn selbst meinte zu seinen Gaben, dass er nicht Wunder wirken könne, aber Leiden leichter und erträglicher machen könne. Haupthilfe leistete er beim Blutstillen, dem Wegnehmen von Zahnschmerzen, bei Ekzemen, rheumatischen Beschwerden, Warzen, bei Fieber und Nervenleiden.

Dadurch, dass er niemals gegen die medizinische Wissenschaft (Schulmedizin) vorgab zu handeln, sondern im Gegenteil seine Tätigkeit als Ergänzung dazu sah, hatte er Zeit seines Wirkens keine Probleme mit den niedergelassenen Ärzten bzw. der Ärztekammer in Vorarlberg.

Hermann Dörn hat für seine Tätigkeit niemals Geld oder Vorteile angenommen und war auch sehr verärgert, wenn einfach Geldgeschenke zurückgelassen wurden, da er selbst sagte, dass er seine Fähigkeiten gar nicht ausüben könnte, wenn er Geld dafür nehmen würde.[6]

Nachfolge

Grundsätzlich wollte Hermann Dörn seine Gaben "mit ins Grab nehmen", damit niemand damit Mißbrauch betreiben könne und auch nicht das durchmachen müsse, was er erleben musste.[7] Dennoch hat Hermann Dörn selbst nach seiner Mitteilung an zwei Personen versucht einen Teil seiner Gaben weiterzugeben. Einer Person in Bregenz und einer in Dornbirn. Die Person in Dornbirn hat nach seiner Ansicht die in sie gestellten Erwartungen nicht erfüllt, die Person in Bregenz wusste nichts damit anzufangen.[8]

Publizität

Hermann Dörn wehrte sich entscheiden gegen jede Form der Publizität durch Medien. Auch ließ er sich nicht gerne für solche Zwecke fotografieren.

Vereine

Hermann Dörn war in mehreren Vereinen und bei der Freiwilligen Feuerwehr in Schlins aktiv. Er war auch Jäger und Jagdpächter bei der Portlaalpe und begeisterter Fischer.

Dörn starb nach plötzlich am 6. März auftretendem Leiden am 7. März 1981 um 18:30 Uhr an einem Herzinfarkt im Landeskrankenhaus Bludenz.[9]

Literatur

  • Siegfried Müller: Drei "Wunderheiler" aus dem Vorarlberger Oberland : Pfarrer Johann Joseph Gassner, Dr. Johann Josef Schoder, Hermann Dörn, herausgegeben von der Rheticus-Gesellschaft, Feldkirch 1986.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Werner Bundschuh: Schlins 1850 – 1950, Vorarlberger Autoren Gesellschaft, S. 261, Fn 552.
  2. Siegfried Müller: Drei "Wunderheiler" aus dem Vorarlberger Oberland : Pfarrer Johann Joseph Gassner, Dr. Johann Josef Schoder, Hermann Dörn, S. 119 f.
  3. BDC, 30. Dezember 1993, Zl. 93110898.
  4. Werner Bundschuh: Schlins 1850 – 1950, Vorarlberger Autoren Gesellschaft, S. 154 und S. 261 Fn 551.
  5. 5,0 5,1 Siegfried Müller: Drei "Wunderheiler" aus dem Vorarlberger Oberland : Pfarrer Johann Joseph Gassner, Dr. Johann Josef Schoder, Hermann Dörn, S. 121 ff.
  6. Siegfried Müller: Drei "Wunderheiler" aus dem Vorarlberger Oberland : Pfarrer Johann Joseph Gassner, Dr. Johann Josef Schoder, Hermann Dörn, S. 123 ff.
  7. Siegfried Müller: Drei "Wunderheiler" aus dem Vorarlberger Oberland : Pfarrer Johann Joseph Gassner, Dr. Johann Josef Schoder, Hermann Dörn, S. 133.
  8. Siegfried Müller: Drei "Wunderheiler" aus dem Vorarlberger Oberland : Pfarrer Johann Joseph Gassner, Dr. Johann Josef Schoder, Hermann Dörn, S. 123 ff.
  9. Siegfried Müller: Drei "Wunderheiler" aus dem Vorarlberger Oberland : Pfarrer Johann Joseph Gassner, Dr. Johann Josef Schoder, Hermann Dörn, S. 122.