Karl Gehmacher

Aus Regiowiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kaisersteinbrucher Kirche heute, durch die Brandkatastrophe 1814 mussten die Türme erneuert werden, dies geschah 1825 in Karl Gehmachers Jahren als amtierender Richter
Anfang des 20. Jahrhunderts, Steinbrüche, große Schütthügel

Karl Gehmacher, (* 25. Februar 1766 in Kaisersteinbruch; † 19. Oktober 1844 ebendort) war ein österreichischer Steinmetzmeister, Hausbesitzer, Steinbruchpächter und Richter in Kaisersteinbruch.

Familie und Ausbildung

Karl wurde 1766 in eine Steinmetzfamilie geboren, der älteste Bruder Johann, einziger Sohn aus der ersten Ehe des Vaters. Nach dem Tod der Elisabeth, wurde die sehr junge Theresia ihrer aller Mutter, für die Brüder Malachias und Fabian entschieden der Steinbrucher Pfarrer und die Eltern eine Ausbildung zur Geistlichkeit. Bruder Michael und alle anderen lernten Steinmetz.

Tochter Theresia

Die ledige Magdalena Stockmayerin, Tochter des Steinmetzmeisters Joseph Stockmayer brachte am 19. November 1794 ein Töchterchen Theresia zur Welt. Vater des Kindes war Karl Gehmacher, ein Steinmetz. Er war ein Sohn des Johann Gehmacher, ein Steinmetzmeister der aus dem Fürsterzbistum Salzburg nach Wien und Kaisersteinbruch zugewandert war. Die Familie gab dem Kind den Namen der Großmutter Theresia und der Bruder Michael Gehmacher, derzeit Richter und Frau Christina waren die Taufpaten. Das Mädchen starb am 7. Mai 1802 mit 7 Jahren, 4 Monaten und 17 Tagen. So ist es im Totenbuch aufgeschrieben. Die Mutter Magdalena Stockmayerin ehelichte 1812 den Preßburger Tischler Johann Renhart.

Bruder Johann verließ den Steinbruch

Der Bruder Johann Gehmacher jun. verließ mit seiner Familie 1779/1780 den kaiserlichen Steinbruch. Als Wirt im herrschaftlichen Gasthof, damit auch Herbergsvater der ankommenden Wandergesellen war er eine zentrale Persönlichkeit. Er war, in heutiger Sprache bestens vernetzt, und dieser Schritt war für sein Leben von entscheidender Bedeutung.

Anmerkung: Nach ca. 250 Jahren Steinmetz-Geschichte wurden erstmals zwei Webermeister (!) Richter im Steinbruch, Textilkaufleute forderten in Königshof die Errichtung einer Indigo-Herstellung, die der Kaiser Leopold II. ablehnte. Er sah für den Kaiserstein keine große Zukunft. In Mauthausen hat er sie dann tatsächlich gefunden.

  • Der Vater starb 1782, die Mutter Theresia hatte sich nicht wieder verheiratet und starb am 25. Jänner 1820 mit 82 Jahren.

Heirat und Richteramt

Karl Gehmacher heiratete am 9. Feber 1820 Catharina Madlin, Tochter des Martin Madle, Steinmetzmeister und Frau Anna, aus Steinbruch. Beide waren nicht mehr ganz jung, er 54, sie 40 Jahre alt. Zeugen waren Georg Ziegler, herrschaftlicher Revierjäger und der Bruder Steinmetzmeister Michael Gehmacher.

Im Grundbuch von 1820 waren sie gemeinsam mit einem Haus, 3 Krautgarten, 2 Obstgarten und einem Garten genannt der „Waldgarten“ eingetragen.

Steinbruchpächter

Die Eltern erwarben 1761/1762 zwei Steinbrüche, einen von Maria Regina Sünnin, den anderen nach Ableben des Johann Baptist Regondi. 1766 kam Regondis gesamter Besitz, Steinbrüche und Häuser samt Gärten, in den Besitz des Ehepaares.

  • Grundbuch Eintragung: M. Haus, u. Haus samt Garten, zwei Krautgarten, einem Garten, genannt „Waldgarten“ alleine im Grundbuch, zuvor Theresia Gehmacherin (Mutter) alleine, durch Übergabe an den Karl Gehmacher gelangt.
Karl Gehmacher Steinbruch-Zins

Auswahl: für 1812 12 fl, den 30. Dezember 1815 20 fl, den 22. Dezember 1817 20 fl.

Im Grundbuch 1828 eingetragen mit einem Steinbruch (Waldbruch, Ödenkloster Bruch), in dem herrschaftlichen Wald[1] gelegen, durch Geschenk laut Urkunde vom 6. September 1828 an sie gekommen.

Freisprechbuch der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch

Freysprechbuch des Handwerks der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch 1791

In diesem Kaisersteinbrucher Freysprechbuch[2] wird dokumentiert, dass Sommerein, Mannersdorf, Hof und Au von 1649-1801 im Kaisersteinbrucher Handwerk der Steinmetzen und Maurer incorporiert waren, Maria Loretto verblieb (im Dokument bis 1824).

Das Handwerk wurde am 7. Juni 1801 de Herrschaft, dem Stift Heiligenkreuz, unterstellt

7. Juni 1801 noch einmal Kaisersteinbruch

Ist vor einem ehrsamen Handwerk der Steinmetzen und Maurer allhier Mathias Weinkopf zu einem Steinmetzgesellen freigesprochen worden, der hat 5 Lehrjahre bei Meister Karl Gehmacher, Steinmetzmeister allhier, völlig ausgelernt. Dessen Eltern Laurenz Weinkopf, Webergeselle hier (sel.) Eva noch am Leben, Hauptbürge Johann Hauglhammer, der Nebenbürge Ignaz Ziegler, beide Steinmetzgesellen allhier, erlegt seine Gebühr in die Lade mit 1 Gulden.

Nichts dauert ewig!

Das Kaisersteinbrucher Handwerk hat seit 1618 nach Wiener Neustadt gehört, wo alles dahin hat müssen verrechnet und die Prozessionen dort gehalten worden.

Wir haben aber die von Neustadt gehabte Viertellade zurückgegeben und haben von heute an unsere selbständige Handwerkslade unter unserer gnädigen Herrschaft Schutz Königshof heute zum erstenmale Handwerk gehalten.

7. Juni 1801 - Karl Gehmacher

Damit war aus Kaisersteinbruch der Heiligenkreuzer Steinbruch geworden. Karl Gehmacher war Lehrmeister für das Steinmetzhandwerk (Auswahl):

3. Juni 1804 Heiligenkreuzer Steinbruch

Hat Meister Karl Gehmacher, Steinmetzmeister allhier, seinen Jung namens Anton Cassar bei öffentlicher Lade deren Steinmetzen und Maurer allhier freigesprochen, dessen Eltern waren Paul Cassar, Steinmetzgeselle und Mitnachbar allhier, dessen Bürgen sind Mathias Tiefenbrunner, Maurermeister allhier und Jakob Hasenöhrl, Steinmetzgeselle allhier, hat 5 Lehrjahre richtig erstreckt, erlegt seine Gebühr in die Lade mit 1 Gulden.

20. Juni 1824 Steinbruch

Hat Karl Gehmacher, Steinmetzmeister allhier, einen Jung namens Joseph Madle nach richtig erstreckten fünf Lehrjahren vor offener Lade zum Steinmetz freigesprochen. Die Bürgen wurden ihrer Bürgschaft völlig entledigt, erlegt seine Gebühr in die Lade mit 5 fl 30x.

Steuerpflichtige 1822/23

Liste aller Steuerpflichtigen von Steinbruch, zugleich eine Häuserliste, in der Summe 46 Häuser.[3]

  • Karl Gehmacher, Richter und Steinmetzmeister 1 Haus Nr. 12, Inwohner, Bedienstete und 1 Kuh.

Richteramt in Kaisersteinbruch 1820–1830

Erster Richter im Steinbruch wurde Andre Ruffini. [4]

also haben Ihre Gnaden Andre Ruffini einer ganzen Gemeinde zu einem Richter ernennt und mit Reichung eines Gerichtsstabes in die Hand vorgestellt.

Andre Ruffini 1634–1648, Pietro Maino Maderno 1648–1652, Ambrosius Regondi ab 1652–1680, Ambrosius Ferrethi ab 1680–1696, Reichardt Fux ab 1696–1699, Giovanni Battista Passerini ab 1699–1708, Sebastian Regondi ab 1708–1711, Johann Paul Schilck ab 1711–1722, Elias Hügel ab 1722–1735, Joseph Winkler (1665–1748) ab 1735–1747, Johann Baptist Regondi ab 1747–1750, Elias Hügel ab 1750–1752, Johann Michael Strickner ab 1752–1766, Johann Gehmacher ab 1766–1777, Gregor Nagl 1778–1793, Michael Gehmacher 1793–1808, Petrus Mayer ab 1809–1819, Karl Gehmacher ab 1820, Joseph Winkler (1784–1853) ab 1830, Franz Pansipp ab 1844, Peregrin Teuschl 1852–1859, Franz Winkler ab 1860, Joseph Amelin ab 1873, Karl Teuschl ab 1891, Ferdinand Krukenfellner 1894-1895, Karl Wolf 1896, Ferdinand Krukenfellner ab 1904, Ferdinand Amelin ab 1913, Josef Wolf ab 1925 Bürgermeister.

Neubau der Kirchtürme 1825

Als Richter verfasste er 1825 wegen der Brandkatastrophe ein Bittgesuch an den Herrn Abt, die notwendigen Arbeiten bei der Kirche bestätigte Pfarr-Administrator P. Franciscus Prohaska[5]und der Verwalter zu Königshof, P. Balthasar Arnt.

Nachkommen

Die Söhne Karl und Eduard wurden 1821, 1823 geboren, die Taufpaten waren der herrschaftliche Jäger Georg Ziegler und Frau Elisabeth. Karl starb im Dezember 1827 mit 8 Jahren.

Eduard Gehmacher

Er lernte das Steinmetzhandwerk, wohl beim Vater Karl Gehmacher, aber dokumentiert ist es nicht und erlangte die Meisterwürde. Der Vater starb 1844, er selbst verheiratete sich am 28. Jänner 1845 mit Regina Zachin, Tochter des Caspar Zach, Inwohner in Kaisersteinbruch und Anna Maria, geb. Hofmann. Trauzeugen waren Georg Ziegler, der herrschaftliche Jäger und Joseph Winkler, Steinmetzmeister allhier.

Eduard Gehmacher starb am 4. April 1845 mit 23 Jahren an der Cholera, also knapp drei Monate nach der Hochzeit. Auch ihre gemeinsame Tochter Catharina im Juli selbigen Jahres. Einzig Michael Gehmacher#Michael Gehmacher jun. lebte noch, er starb zwei Jahre danach mit 62 Jahren. Die Kaisersteinbrucher Familie Gehmacher endete in der männlichen Linie. Eduards Witwe Regina Gehmacherin, geborene Zachin heiratete den Steinmetzmeister Peregrin Teuschl.

Tod

Am 12. August 1836 starb Frau Catharina mit 57 Jahren an der Cholera, ein chirurgischer Eingriff wurde versucht, 24 Stunden später gestorben. Meister Karl Gehmacher starb am 19. Oktober 1844 Karl mit 78 Jahren, das Begräbnis leitete Pfarrer Ludwig Schindler.

1895 Gedenkbuch der Gemeinde Kaisersteinbruch

Im Kapitel „Alte Schriften“ versuchte der hiesige Schulmeister Johann Wimmer den ehemaligen Richter Karl Gehmacher zu beschreiben: Karl Gehmacher galt einst als reicher Mann, und obgleich er verarmt starb, so hinterließ er doch einen nicht unbedeutenden Wert von Musikalien, Schriften und Büchern – das Alles aber von dummen Menschen missachtet und vernichtet wurde. Wahrscheinlich hätte man in seinen alten Schriften so manche Altertumsaufklärungen finden können – er war ja belesen und führte ein Tagebuch.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Waldbruch[1]
  2. Burgenländisches Landesarchiv, 1791 Freisprechbuch der Steinmetz und Maurer in Kaisersteinbruch A/VI-1l; Fasz. 1/2
  3. Archiv Mosonmagyaróvár
  4. Das ist eine vollständige Liste aller Kaisersteinbrucher Richter, natürlich immer nach derzeitigem Wissensstand. Dann folgen die Bürgermeister. Die Inschriften der entsprechenden Grabplatten der Meisterinnen und Meister liefern wertvolle Informationen darüber. Im Historischen Lexikon wurden sämtliche Schriften, vor allem aus dem Archiv von Stift Heiligenkreuz zusammengefasst, daraus ergab sich diese Aufstellung. Eine vorgegebenes Verzeichnis gab es nicht.
  5. Die Pfarrverweser in Steinbruch in Helmuth Furch, Vom Heiligenkreuzer Steinbruch zu Kaisersteinbruch, Kleine Chronik, 1981. S. 62 ff