Klapperpost

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Ein Klapperpostbote nach Hieronymus Benedicti

Klapperpost (auch Klepperpost oder Kleine Post) war in Wien die Bezeichnung für ein in den Jahren 1772 bis 1785 privat geführtes Stadtpostunternehmen, welches für Wien und Umgebung die Postzustelldienste erbrachte. Auch in Prag und Graz gab es solche innerstädtische Zustelldienste.

Name

Die in Wien gebräuchliche Bezeichnung Klapperpost leitet sich von jener Klapper her, mit welcher der jeweilige Postbote sein Kommen ankündigte. Man nannte den Mann selbst die Klapperpost.[1] Die Klapper bestand aus einem Brett, an dessen oberem Ende ein Handgriff montiert war. Am Brett selbst war eine Metallplatte befestigt, in deren Mitte sich ein schwenkbares Gestänge befand. Das Klappern erzeugte der Postbote durch Drehbewegungen aus dem Handgelenk.

Geschichte

Eine kaiserliche Postanstalt, die den Fernverkehr von Postsendungen abwickelte, wurde in Wien zu Beginn des 16. Jahrhunderts unter Kaiser Maximilian I. gegründet. Hinsichtlich der Zustellung in die Vorstädte bestanden lange Zeit Schwierigkeiten, weil die Postwägen in diesen nicht anhielten. Für die Zustellung von Briefen mussten meist private Boten engagiert werden.

Bereits in Paris wurde 1760 eine Ortspost, die als Petite Poste bezeichnet wurde, von Piarron de Chamousset ins Leben gerufen, bevor im Juni 1771 der gebürtige Franzose Josef Haardy in Wien beim Hofpostamt einen Plan für die Einrichtung einer Kleinen Post für die Postverbindungen zwischen Stadt und Vorstädten vorlegte und am 8. Februar 1772 ein Privileg für 10 Jahre erhielt. Am 1. März 1772 nahm die Kleine Post ihren Betrieb auf – in Wien war sie alsbald unter der Bezeichnung Klapperpost bekannt.

Für die Innere Stadt waren vier Postboten zuständig, während acht Zusteller für die Vorstädte und weitere acht Zusteller für die Umgebung Wiens beauftragt waren. Ab 1773 waren die Boten einheitlich adjustiert: Sie trugen gelbe Jacken mit schwarzen Aufschlägen und graue Zwilchhosen. Später waren die Jacken grau. Um die Schulter trugen sie an einer gelben Kordel das sogenannte Rezeptakel, ein nummeriertes Behältnis in der Art einer Büchse, worin sich die Briefe befanden.

Den Kunden der Kleinen Post standen in Wien ganze oder halbe Briefbogen zur Verfügung, auf welchen Vordrucke die Vorauszahlung bescheinigten. Briefe wurden täglich bis zu sechs Mal angenommen und bestellt. Die Klapperpost schlug einen Stempel auf, der Tag und Stunde der Übergabe aufwies. Das Oberamt befand sich in der oberen Bäckerstraße Nr. 782 (heute Bäckerstraße 5) und hatte täglich zwischen 7 und 20 Uhr geöffnet.

Die Postboten erhielten kein eigentliches Gehalt, sondern lediglich die für das Einsammeln der Briefe festgesetzten Gebühren. Überdies lukrierten sie Trinkgelder für spezielle Dienstleistungen, die sie nebenbei erbrachten.

Weil die Kleine Post mit Verlust arbeitete, musste sie Hardy am 3. Juli 1773 seinem Teilhaber, dem Belgier Johann B. Schouten, überlassen. Schouten erweiterte das Angebot und den Radius der Zustellung. Im Jahr 1780 wurde die Klapperpost von einem Herrn Clowsky übernommen und verbessert. Ende 1785 ging die Kleine Post in Konkurs. Sie wurde nun mit der Hofpostverwaltung vereinigt und hieß fortan Kleine Stadtpost. Ab 1. April 1830 trat an deren Stelle die Wiener Stadtpost.

Bildliche Darstellungen

Das Erscheinungsbild von Postboten der Wiener Klapperpost ist in Kupferstichen aus der Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts (unter anderem von Sebastian Mansfeld und Hieronymus Benedicti) überliefert.

Das Motiv des Wiener Stechers Hieronymus Benedicti – ein kolorierter Kupferstich (um 1800), der sich im Original im Wien Museum Karlsplatz befindet – wurde zum Tag der Briefmarke am 12. Jänner 1941 unter der Bezeichnung Wiener Klapperpost vom deutschen Reichsbund der Philatelisten für eine Sonderkarte verwendet. Im Jahr 1972 brachte die Österreichische Post zum Tag der Briefmarke eine 5-Schilling-Sonderpostmarke mit einer historisierenden Abbildung der Wiener Klapperpost – die sich an den Kupferstich von Sebastian Mansfeld (um 1785 ) anlehnt – heraus.

Literatur

  • Franz Gräffer: Kleine Wiener Memoiren und Wiener Dosenstücke. In Auswahl herausgegeben, eingeleitet und mit Anmerkungen und alphabetischem Register versehen von Anton Schlossar unter Mitwirkung von Gustav Gugitz, 2. Bd., Georg Müller Verlag, München 1922, S. 33f.
  • Felix Czeike (Hrsg.): Klapperpost. In: Historisches Lexikon Wien. Band 4, Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00546-9, S. 581–582.
  • FG Tag der Briefmarke. In: Der Bote 3/2008, S. 17–20.
  • Eva Leberl: Aus Österreichs Postgeschichte. Ein Kaleidoskop. 500 Jahre europäische Postverbindungen; 1490–1990, Verlag der Generaldirektion für die Post- und Telegraphenverwaltung, Wien 1990.
  • Wenn der Postmann zweimal klappert, Artikel von Johann Werfring in der „Wiener Zeitung“ vom 28. Juni 2012, Beilage „ProgrammPunkte“, S. 7. Online

Einzelnachweise

  1. Franz Gräffer: Kleine Wiener Memoiren und Wiener Dosenstücke. In Auswahl herausgegeben, eingeleitet und mit Anmerkungen und alphabetischem Register versehen von Anton Schlossar unter Mitwirkung von Gustav Gugitz, 2. Bd., Georg Müller Verlag, München 1922, S. 33.

Weblinks

 Klapperpost – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons