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Klushund

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Der Klushund ist eine Sagengestalt, die in verschiedenen Gegenden in Vorarlberg nachts gesehen wurde. Es handelt sich dabei um den Typus des Wiedergängers bzw. des ruhelosen Toten, der aufgrund einer bösen Tat nach seinem Tod keine Ruhe findet.

Biographische Angaben zum Klushund in den Sagen

Der Mann, der nach seinem Tod als Klushund erscheint, war der Sage nach aus Lochau. Als Preis für ein goldenes Kegelspiel soll er die Stadt Bregenz während des Dreißigjährigen Krieges durch Verrat den Schweden bzw. dem schwedischen General Wrangel ausgeliefert haben. In den meisten Versionen wird er um seinen Lohn geprellt und verschwindet wenig später spurlos, worauf ein gespenstiger Geisterhund, der Klushund, in Erscheinung tritt.[1] In einer der Sagenversionen fehlt das Motiv des Klushundes, hier ist der Mann für seinen Verrat dazu verdammt, jede Nacht auf der Burgruine Hohenbregenz sein Kegelspiel ausgraben.[2]

Merkmale der Figur des Klushundes

In der wahrscheinlich verbreitesten Geschichte um den Klushund, die bei Leander Petzoldt abgedruckt ist, gibt ein Augenzeuge, der gerade dem Klushund begegnet ist, von diesem eine sehr anschauliche Beschreibung:

"... da tappt ein Hund zu mir her, hoch wie ein jähriges Kalb, mit schwarzen zottigen Haaren, ja und ich lüg sonst nicht, ein Paar Augen wie feurige Scheiben. .... Wie ich ihn stillstehen sehe und mit seinen Pfoten im Boden scharren und wie ich ihn höre wie ein Mensch so jämmerlich winseln, dass es einen grad erschreckt, so denke ich: Hoppla, der geistert!"[3]

Auch in anderen Beschreibungen, die allerdings weniger ausführlich sind, wird der Klushund als vierbeiniges, hunde- oder wolfsähnliches Tier von schwarzer Farbe und ungewöhnlicher Größe beschrieben. Das auffallendste Merkmal sind jedoch die tellergroßen, glühenden Augen. Charakteristisch für die Figur des Klushundes ist, dass sie nur nachts in Erscheinung tritt.

Die Begegnungen mit dem Klushund sind zwar unheimlich und wahrscheinlich nicht ungefährlich, allerdings enden sie meistens glimpflich[A 1]. Die Menschen, die ihm begegnen, können fast immer flüchten und kommen daher gewöhnlich mit dem Schrecken davon, so z. B. in der Sage, die Petzoldt überliefert:

"... wie ich im Schrecken da zu euerem Haus gekommen gesprungen komme, da sehe ich herrinnen noch ein Licht brennen und denke: Ich mache noch eine Sprung in den Hirschen[A 2], trink ein oder zwei Schnöppchen, den Schrecken ein bisschen wegzuspülen bin; gut ist das gewesen, er [A 3] ist mir schließlich nicht nachgekommen."[4][5]

In seiner Version entsteht der Eindruck, dass die Begegnungen zufällig erfolgen und der Klushund selbst aufgrund seiner Vergangenheit von sich aus Menschen meidet beziehungsweise sich zumindest nicht in die Nähe von Orten wagt, die als Symbol für die Gesellschaft gelten.

"Es ist wahr", sagte der Wirt ... Er [A 4] mag den Leuten nicht in die Nähe kommen ..."[3].[A 5]

Ein weiteres Merkmal der Figur des Klushundes ist, dass er für ewige Zeiten verdammt ist. Im Unterschied zu vergleichbaren Sagen findet sich in keiner einzigen Sage um seine Figur das Motiv, dass er unter gewissen Voraussetzungen erlöst werden kann.

Orte, die mit dem Klushund verknüpft sind

In den Sagen ist der Klushund gewöhnlich nachts auf einer Straße unterwegs. Die Sagen, in denen der Klushund einem Menschen begegnet, finden an den verschiedensten Orten im heutigen Vorarlberg statt: im Bregenzerwald, dort besonders im Kluser Wald (oder Klauser Wald) zwischen den Gemeinden Götzis und Klaus[6], aber auch in Orten wie zum Beispiel Rankweil, Satteins oder sogar im Gebiet zwischen Dornbirn und Hohenems. Die Hauptorte sind jedoch Lochau, wo der Mann, der zum Klushund wurde, gelebt haben soll, die Lochauer Klause (oder Bregenzer Klause), wo er den Schweden durch seinen Verrat zur Umgehung der Verteidigungsanlagen und zur Eroberung der Stadt Bregenz verholfen haben soll (und der er seinen Namen verdanken dürfte), und die Burgruine Hohenbregenz, wo ihm der Lohn für seinen Verrat übergeben wurde.

Historischer Hintergrund der Sagen um den Klushund

Die Stadt Lochau kam im Jahr 1523 unter die Herrschaft der Habsburger bzw. des Hauses Österreich, als der spätere Kaiser Ferdinand I. einen Teil der Grafschaft Bregenz durch Kauf erwarb.[A 6] Im Jänner des Jahres 1647, während des "Dreißigjährigen Krieges" (1618–1648), rückte eine schwedische Armee unter Führung des Generals Carl Gustav Wrangel vom Allgäu her nach Bregenz vor, das Teile der ansässigen Bevölkerung durch die Errichtung von Verteidigungsanlagen (Schanzen, Sperren und Gräben) an der Lochauer Klause (oder Bregenzer Klause) und am Hang des Pfänders verteidigten. Bei einem Angriff auf die Klause und die Stellungen am sogenannten Haggen (unterhalb der Spitze des Pfänders)[A 7] gelang es den schwedischen Truppen die Stellungen zu umgehen und den Verteidigern in den Rücken zu fallen, worauf deren Verteidigung zusammenbrach. Neben der Gefangennahme von vielen Soldaten und Offizieren wurden zahlreiche Orte im Bregenzerwald geplündert und verwüstet. Die Burg Hohenbregenz auf dem Gebhardsberg wurde kampflos übergeben und daraufhin gesprengt.[7][8]

Parallelen zu anderen Sagen

  • Neben dem heutigen Bundesland Vorarlberg waren von den Kriegshandlungen im "Dreißigjährige Krieg" auch die heutigen Bundesländer Oberösterreich und Niederösterreich besonders betroffen. In den vielen Orten in diesen Bundesländern haben sich Erinnerungen an die Kriegszüge des schwedischen Heeres erhalten.
  • Das Motiv mit der nächtlichen Ausgrabung des Kegelspiels auf der Burgruine Hohenbregenz[2] ähnelt der Bestrafung des Sisyphos in der griechischen Mythologie.
  • General Wrangel verspricht dem späteren Klushund in der Sage ein goldenes Kegelspiel. Sagen, in denen ein Kegelspiel jemandem zum Verhängnis wird, finden sich auch in Wien ("Der Kegler vom Stephansturm"[9]) und im Waldviertel (Teil von Niederösterreich), so zum Beispiel auf der Ruine Kollmitz bei Raabs an der Thaya ("Der Köhler und der Teufel"[10]).

Herkunft der Sagen

Viele Sagen aus Vorarlberg, darunter auch Sagen um den Klushund wurden von den Schwestern Anna und Hedwig Hensler überliefert. Der bekannte Vorarlberger Sagensammler Franz Josef Vonbun zeichnete im 19. Jahrhundert mehrere Sagen auf, die er wohl auch ein bearbeitet haben dürfte.[11]

Primärliteratur

  • Leander Petzoldt (Hrsg.): Der Verräter. In: ders.: Sagen aus Österreich. Wiesbaden: MarixVerlag 2007, ISBN 978-3-86539-118-6, S. 200-203. Bei der Sage, die beim "Hirschenwirt" in Rankweil spielt, handelt es sich allerdings eine literarisch bearbeitete Version, was besonders daran zu merken ist, dass die Darstellung des Klushundes beziehungsweise des Mannes, der jetzt als Klushund spukt, auch tragische Züge hat.

Texte online

Einzelnachweise

  1. Diese Zusammenfassung folgt im Wesentlichen der Version von Leander Petzoldt: Der Verräter, 2007, S. 200-203.
  2. 2,0 2,1 vgl. Der Lohn des Verräters von Bregenz, Gutenberg.Spiegel.AT, eingesehen am 1. Juli 2017
  3. 3,0 3,1 vgl. Leander Petzoldt: Der Verräter, 2007, S. 200f.
  4. vgl. Leander Petzoldt: Der Verräter, 2007, S. 200
  5. In einer weiteren Sage bekommt er sogar von einem Schreiner zu fressen, vgl. Klushund, Sagen.AT, eingesehen am 1. Juli 2017
  6. vgl. Rheintal_Unterland, Sagen.AT, eingesehen am 1. Juli 2017
  7. vgl. Claudia Reichl-Ham: Kriege im Alpenraum. Ein militärhistorischer Rückblick .In: Dieter Krüger - Felix Schneider (Hrsg.): Die Alpen im Kalten Krieg. Historischer Raum, Strategie und Sicherheitspolitik. (= Beiträge zur Militärgeschichte, Band 71). München: Oldenbourg Verlag 2012, ISBN 978-3486588170, S. 51ff.
  8. Feldkirch aktuell 1, 2000, S. 47 online, eingesehen am 1. Juli 2017
  9. vgl. Der Kegler vom Stephansturm Sagen.AT, eingesehen am 30. Juni 2017
  10. vgl. Sagen rund um Kollmitz, Verein zur Erhaltung der Ruine Kollmitz online, eingesehen am 30. Juni 2017
  11. vgl. Der Klushund, Sagen.AT, eingesehen am 30. Juni 2017

Anmerkungen

  1. Selbst eine Sage wie z. B. "Dem Klushund Küchle versprochen", vgl. Dem Klushund Küchle versprochen, Sagen.AT, eingesehen am 1. Juli 2017, wo die Begegnung mit dem Klushund in einigen Versionen ein tödliches Ende nimmt, hat humoristische Züge. Vorstellbar ist, dass die Sagen um den Klushund und den "Verräter von Bregenz" ursprünglich nicht zusammengehört haben.
  2. Gemeint ist das Gasthaus "Hirschenwirt".
  3. Gemeint ist der Klushund.
  4. Gemeint ist der Klushund.
  5. Bei dem "Hirschenwirt", der sich in der Stadt Rankweil befindet und somit Teil einer Gemeinde, also eine "seriöse" Lokalität, ist, handelt es sich um eine Stätte, wo Menschen zum geselligen Zusammensein zusammentreffen. Hier taucht noch ein weiterer Aspekt des Verrätermotivs auf. Der Mann, der seine Landsleute an den Feind verraten hat, muss für diese Tat nicht nur als Wiedergänger büssen, sondern er ist außerdem durch diese von der Gesellschaft für immer ausgeschlossen.
  6. Nach Erbteilungen innerhalb der Familie der Grafen von Montfort-Bregenz bestand die Grafschaft Bregenz im 15. Jahrhundert aus zwei Teilen. Den anderen Teil hatte Elisabeth von Montfort-Bregenz (auch Elisabeth von Hochberg oder Hachberg) bereits 1444 bzw. 1451 an die (Erz-)Herzöge Albrecht VI. ("Albrecht der Freigiebige" / "Albrecht der Verschwender'"') und Siegmund dem Münzreichen von Österreich verkauft.
  7. Dieser Ort erhielt später den Namen die "Schwedenschanz".
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