Kriegsende in Riedlingsdorf 1945

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Das Kriegsende in Riedlingsdorf im Jahre 1945 war eine Zeitspanne, welche am 6. April mit dem Einmarsch der Roten Armee begann und mit deren Abzug bis zum 12. Mai endete.

Vorgeschichte

Am 6. März 1945 begann am Nordostende des Plattensees die Operation „Frühlingserwachen“. Sie stellte die letzte große Offensive der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg dar. Den Hauptschlag führte dabei die 6. Panzerarmee, die nach der missglückten Ardennenoffensive nur notdürftig aufgefrischt worden war. Hinter dem Rücken der nach Südosten vorstoßenden Panzerdivisionen der Waffen-SS versammelte in weiterer Folge die Rote Armee zahlreiche Infanterie- und Panzerverbände, um selbst offensiv zu werden. Ziel dieses „Wiener Operation“ genannten Vorhabens war die ehemalige österreichische Hauptstadt Wien.[1]

Den sowjetischen Truppen gelang es nach tagelangen Kämpfen, die Front zwischen der 6. Panzerarmee und der 6. Armee aufzuspalten und ein riesiges Loch in die deutschen Verteidigungsstellung zu reißen. Die bei der Operation „Frühlingserwachen“ eingesetzten Divisionen konnten sich nur knapp der Einkesselung entziehen und zogen sich zum Teil fluchtartig in Richtung Nordwesten nach Wien zurück. Der Rückzug der 6. Armee zielte auf das Gebiet des Südburgenlandes. Entlang der ehemaligen Grenze des Burgenlandes zu Ungarn war eine Verteidigungsstellung entstanden, die von der nationalsozialistischen Propaganda als Südostwall bezeichnet worden war. Da aber die entstandene Lücke zwischen den beiden sich zurückziehenden deutschen Armeen nie richtig geschlossen werden konnte und auch der militärische Wert der errichteten Verteidigungsstellung sehr fragwürdig war, konnte diese von den schnellen Verbänden der 3. Ukrainischen Front (4. und 9. Gardearmee sowie die 6. Gardepanzerarmee) problemlos durchstoßen werden.[1]Das Loch in der deutschen Front reichte vom Südende des Neusiedler Sees bis nach Rechnitz, einer Ortschaft in der Nordostecke des Bezirks Oberwart. So war es nicht weiter verwunderlich, dass der erste sowjetische Soldat am 29. März um die Mittagszeit bei Klostermarienberg (Bezirk Oberpullendorf) österreichischen Boden betrat. Er dürfte zum IX. Garde-Mechanisierten Korps der 6. Gardepanzerarmee gehört haben, welche die Speerspitze der 3. Ukrainischen Front beim Angriff auf Wien darstellte.[2]

Der Bezirk Oberwart lag am südlichen Ende dieses Einbruchraumes und wurde von der sowjetischen Hauptstreitmacht nur im Nordosten gestreift. Die für die Eroberung des Verwaltungsbezirkes vorgesehene 26. Armee folgte den Gardearmeen nach links rückwärts gestaffelt und erreichte mit ihrer Masse deutsches Staatsgebiet erst am 4. April.

Dieser großen Lage werden nun die Tagebuchaufzeichnungen eines Kaufmannes aus Riedlingsdorf gegenübergestellt, der während des Krieges in einer Zollgrenzschutzeinheit seinen Dienst versehen hatte, die am Eisenberg stationiert war.[3]

26. März: vormittags in Pinkafeld bei Strobl und Arzt gewesen, nachmittags in Garten Dünger geführt, Ribisel gedüngt, Wetter heiter, Fluchtgefahr vor den Russen.“

27. März: Krankenstand, in Oberwart bei Stabsarzt Dr. Katiungt (?) gewesen, nachmittags für Evakuierung eingepackt, im Geschäft gewesen, Wetter trüb, Ehefrau mit Befund nach Burg zur Einheit geschickt.“

28. März: Krankenstand, vormittags im Zemingbach (Anmerkung: Ortsried von Riedlingsdorf) Stroh und Bäume ... nachmittags geschlafen, heiter.“

29. März: Krankenstand, vormittags Hintdraußen (Ortsried von Riedlingsdorf) Acker gerichtet, nachmittags im Geschäft gewesen, veränderlich.“

30. März: um 10.00 Uhr von jüngeren Kuh Kalb bekommen, nachmittags häusliche Arbeiten, veränderlich, Krankenstand.“

31. März: Krankenstand, ganzen Tag im Geschäft gewesen, veränderlich.“

1. April: Ostersonntag, Krankenstand, 2.15 Uhr Fluchtgefahr vor den Russen, ganzen Tag zu Hause gewesen, heiter.“

2. April: Ostermontag, vormittags Hasenstall gereinigt, 11.00 Uhr Einberufung nach Großpetersdorf, um 17.00 Uhr nach Großpetersdorf gefahren, 20.00 bis 20.30 Uhr im Bezirkskommando gewesen, 20.30 Uhr bis 00.30 Uhr nach Hause gegangen, heiter.“

3. April: Bis 12.00 Uhr geschlafen, nachmittags im Geschäft gewesen, heiter, um 14.00 Uhr Panzeralarm.“

4. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, Kämpfe in Dürnbach-Schachendorf, heiter, Traiskirchen, Wöllersdorf gefallen.“

Einmarsch in Riedlingsdorf am 5./6. April

Nachdem bereits in den Tagen zuvor kleinere Einheiten der heranrückenden 26. Armee in lokale Kämpfe eingegriffen hatten, war deren Aufmarsch vor der Staatsgrenze am 4. April vollzogen. Am nächsten Tag um 8 Uhr traten Schützendivisionen der 26. Armee zum Großangriff auf den Bezirk Oberwart an. Das XXX. Schützenkorps griff die durch die vorangegangene Kämpfe schon sehr geschwächten deutschen Alarmverbände, die sich im Raum Schachendorf aufhielten, an und erzielte gegen Mittag einen operativen Durchbruch. Noch am gleichen Tag fielen Großpetersdorf und der Bezirksvorort Oberwart. Im Süden und Osten von Riedlingsdorf waren in den letzten Wochen Verteidigungsanlagen wie ein Panzergraben und MG-Stellungen vorbereitet worden. Für die Besetzung dieser Anlagen fehlten jedoch die Soldaten, sodass es dort zu keinen Kämpfen kam und der Ortschaft größere Zerstörungen erspart blieben.[4][5] So erreichte das XXX.Schützenkorps Riedlingsdorf und das nördlich gelegene Pinkafeld in den Abendstunden des 5. Aprils kampflos.

Hier wieder die Tagebuchaufzeichnungen des Riedlingsdorfer Kaufmanns:[3]

5. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, 18.00 Uhr Kämpfe in Unterschützen, heiter, Bundschuh Hans Hausnummer 31 von Russen erstochen.“

6. April: um 2.30 Uhr russische Soldaten angekommen, ab 9.00 Uhr Plünderung von Geschäft und Wohnung, bei Nachbarn gewesen, heiter, Riedlingsdorf gefallen.“

Der einzige Tote beim Einmarsch der Roten Armee war Johann Bundschuh, ein direkter Nachbar des Tagebuchschreibers. Johann Bundschuh war in der Nacht der Ankunft der Roten Armee in Riedlingsdorf als Volkssturmmann zur Bewachung des Bahnhof Altpinkafeld im Norden von Riedlingsdorf eingeteilt. Obwohl er laut Aussagen einiger Zeitzeugen offensichtlich betrunken und deswegen von den Russen schlafend im Bahnwärterhaus angetroffen wurde, ermordeten ihn 'russische Flintenweiber' (Zitat der Zeitzeugen) mit etwa 70 Bajonettstichen. Sein Verhängnis war es, dass er mit einem Gewehr bewaffnet von den Soldaten der Roten Armee angetroffen wurde. Seinem Bruder wurde unter Morddrohungen am nächsten Tag befohlen, den Leichnam vom Bahnwärterhäuschen mit einem Leiterwagen abzuholen und ihn am Friedhof in Riedlingsdorf zu begraben.[5]

Die Bevölkerung musste nun in den nächsten Tagen und Wochen die Folgen des Einmarsches wie Plünderungen oder Vergewaltigungen erdulden.

Fronthinterland bis Kriegsende

Eingangstor des sowjetischen Soldatenfriedhofes Oberwart auf dem auch die in Riedlingsdorf verwundeten Soldaten der Roten Armee ihre letzte Ruhestätte fanden.
Grabsteingruppe im Friedhof Oberwart. Mehr als 800 Sowjetsoldaten, die in den Kämpfen im Bezirk Oberwart bzw. in der Oststeiermark fielen, ruhen auf diesem Friedhof.

Die Einheiten der Roten Armee drangen über Pinkafeld hinaus in die Oststeiermark vor, um die an der Lafnitz verteidigende 6. Armee zu überflügeln. Bis zum 13. April erreichten die vordersten sowjetischen Einheiten Ortschaften wie Fischbach, Ratten oder Miesenbach tief im steirischen Hinterland. Diese für die 6. Armee sehr gefährliche Situation führte dazu, dass ab 14. April deutsche Einheiten, die entweder aus ruhigen Frontabschnitten herausgezogen oder vom Balkan antransportiert worden waren, mit konzentrischen Gegenangriffen die weit vorgeprellten Divisionen der Roten Armee attackierten. Die Angriffe waren zum Teil erfolgreich und drängten die sowjetischen Einheiten wieder bis zur Lafnitz zurück. Der deutsche Gegenstoß führte natürlich auch in Riedlingsdorf, das in dieser Zeit schon Fronthinterland war, zu großer Nervosität unter den Besatzern. Die Folge war, dass Teile der Ortsbevölkerung Verteidigungsstellungen in der Ortschaft anlegen mussten. Auch wurden immer wieder Verwundete von der steirischen Front in die Ortschaft gebracht, die dort in einem Lazarett betreut wurden. Diejenigen, die im Lazarett verstarben, wurden beim Kriegerdenkmal begraben und nach dem Krieg wieder exhumiert und auf den sowjetischen Soldatenfriedhof nach Oberwart umgebettet.[6]

Die Dorfbevölkerung, vor allem die Kinder, arrangierte sich im Laufe der Zeit mit den Besatzern. Die Männer wurden für verschiedene Arbeiten herangezogen, so mussten einige Pferde und Rinder nach Ungarn treiben. Die Frauen lebten natürlich ständig in Angst vergewaltigt zu werden, dies war umso wahrscheinlicher, je mehr Alkohol im Spiel war. Die Kinder hingegen lernten die andere Seite der russischen Seele kennen. Sie wurden von den Soldaten oft wie eigene Kinder behandelt und besonders für die älteren Buben waren diese letzten Kriegswochen ein einziges Abenteuer.

Auch in den Aufzeichnungen des Tagebuchschreibers schlugen sich die oben beschriebenen Aussagen nieder:[3]

7. April: vormittags zu Hause gewesen, nachmittags bei Nachbarn gewesen, 22.00 Uhr mit A. vier russische Reiter zu M. begleitet, heiter.“

8. April: um 4.00 Uhr mit A. einen russischen Reiter nach Loipersdorf geführt, ganzen Tag zu Hause gewesen, heiter.“

9. April: vormittags zu Hause gewesen, 14.00 Uhr wegen Zollgrenzschutzuniform von russischen Soldaten verhaftet, 14.00 bis 15.00 Uhr im Keller der Nachbarn gewesen, 15.00 bis 16.00 Uhr bei Z. im Keller gewesen, 16.30 bis 24.00 Uhr bei P. eingesperrt gewesen, heiter.“

10. April: um 9.00 Uhr von Haft freigegangen, nachmittags am Panzergraben bei Straße gearbeitet, heiter.“

11. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, 16.00 bis 19.00 bei Schranzenwirt (Anmerkung: in diesem Gasthaus war ein russisches Lazarett untergebracht) tote Russen sezieren geholfen, heiter.“

12. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, abends mit Russen per Auto in Mönichkirchen gewesen, heiter.“

13. April: vormittags zu Hause gewesen, nachmittags im Garten Sauerampfer sammeln gewesen, heiter.“

14. April: vormittags zu Hause, nachmittags bei Nachbarn russisches Geschütz (?) gestrichen, heiter.“

15. April: keine Notizen.“

16. April: keine Notizen.“

17. April: keine Notizen.“

18. April: vormittags bei H. zwei Russen angezogen und bei Kriegerdenkmal begraben, heiter.“

19. April: vormittags bei Hofwiesen und Zeming (beides Ortsriede von Riedlingsdorf) Schützenlöcher zugemacht, nachmittags in Dorfstatt-Tulpfert-Hasensprung-Heidenau (ebenfalls Ortsriede) Wiesen geräumt, im Garten Laufgraben zugemacht, heiter.“

20. April: von Riedlingsdorf nach Dürnbach Pferde getrieben, in Dürnbach in einem Garten übernachtet, heiter.“

21. April: von Dürnbach über Steinamanger nach Ocsad(?) Pferde getrieben, in Ocsad übernachtet, heiter.“

22. April: von Ocsad-?-?-Steinamanger-?-?-?-Schachendorf nach Dürnbach gegangen, in Dürnbach bei Marlovits übernachtet, heiter.“

23. April: von Dürnbach nach Hause gegangen, heiter, Wind.“

24. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, heiter.“

25. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, heiter.“

26. April: ganzen Tag in Bahnholz bei Loipersdorf Weg gemacht, heiter.“

27. April: vormittags nach St.Martin gegangen, nachmittags in St. Martin Flugzeugbunker gebaut, bei Polster übernachtet, heiter, Wind.“

28. April: in St.Martin Flugzeugbunker gebaut, bei Polster übernachtet, heiter.“

29. April: in St.Martin Flugzeugbunker gebaut, heiter.“

30. April: in St.Martin Flugzeugbunker gebaut, abends nach Hause gegangen, veränderlich.“

1. Mai: ganzen Tag zu Hause, Regen.“

2. Mai: ganzen Tag auf Straße bei Panzergraben gearbeitet, veränderlich.“

3. Mai: Krank, ganzen Tag im Bett gewesen, heiter.“

4. Mai: ganzen Tag in Leidenbühl Schützengräben gemacht, heiter.“

5. Mai: ganzen Tag in Leidenbühl (Ortsried) Schützengräben gemacht, abends nach Lafnitz gegangen, ganze Nacht geschanzt, heiter.“

6. Mai: morgens von Lafnitz nach Hause gegangen, nachmittags geschlafen, heiter.“

7. Mai: morgens nach Grafenschachen gegangen, vormittags in Grafenschachen geschanzt, nachmittag Ruhepause, abends in Lafnitz geschanzt, heiter.“

8. Mai: vormittags von Lafnitz nach Hause gegangen, nachmittags geschlafen, heiter.“

9. Mai: Kriegsende, ganzen Tag zu Hause gewesen, heiter.“

10. Mai: ganzen Tag bei Haltestelle beim Brückenbau gearbeitet.“

11. Mai: ganzen Tag bei Haltestelle beim Brückenbau gearbeitet, heiter, Russen zum Großteil abgezogen, heiter, warm.“

Am 12. Mai war ein Großteil der sowjetischen Kampftruppen abgezogen. Zurück blieben kleinere Besatzungseinheiten, welche im Laufe der Zeit immer mehr ausgedünnt wurden. So war man im Vergleich zu den steirischen Ortschaften, die bei den Kämpfen großteils zerstört wurden, mit einem blauen Auge davongekommen.

Deutsche Gefallene

EIngangsbereich des Friedhofes von Mattersburg auf den alle Gefallenen des Burgenlandes umgebettet wurden.
Blick auf das Hochkreuz.

Auf dem Gemeindegebiet kamen einige Soldaten der Deutschen Wehrmacht ums Leben. Ein offizieller Brief des Österreichischen Schwarzen Kreuzes gibt nicht ausreichend Auskunft über diese Problematik:

„Im Jahre 1946 wurden 13 Gefallene aus Feldgräbern des Gemeindebereichs exhumiert und auf dem Ortsfriedhof überführt. Da zwei Tote in einem Sarg gelegt waren und jeglicher Nachlass den Besatzungsbehörden abgeliefert werden musste, war eine Identifizierung erfolglos. Lediglich ein Toter konnte identifiziert werden: Obergefreiter Josef Albert SCHWICKART, geboren 16. Mai 1909 in Merscheid, gefallen am 1. April 1945 in Schachendorf, Endgrablage Mattersburg Block 4, Reihe 11, Grab 821. Aufgrund der Aussagen verschiedener Einwohner soll es sich bei den 13 Gefallenen, um einen Stoßtrupp der Waffen-SS gehandelt haben, die von den Russen aufgerieben wurden.“

Die Anzahl der Soldaten, die auf Riedlingsdorfer Gemeindegebiet ums Leben kam, ist umstritten, zumal der offizielle Gemeindebericht nur 12 Tote erwähnt. Eigenartig ist auch, dass der einzige namentlich bekannte gefallene Soldat nicht in Riedlingsdorf sondern bei den Grenzkämpfen in Schachendorf ums Leben kam. Dazu passt eine Aussage eines damals 12-jährigen Riedlingsdorfer Zeitzeugen, der sich noch an einen Lastwagen mit Gefallenen erinnern konnte, der einige Tage vor dem Einmarsch der Roten Armee in Riedlingsdorf angekommen und entladen worden war.[5]

Ein anderer Zeitzeuge konnte sich an ein Grab im Norden der Ortschaft erinnern, das seine Mutter eine Zeit lang gepflegt hatte und in dem drei gefallene Soldaten lagen, die beim Versuch sowjetische Munitions- oder Bezinbestände im Bereich des Bahnhofes Altpinkafeld zu sprengen ertappt und erschossen worden waren.[5]

Ein weiterer Zeitzeuge konnte sich an eine besonders grausame Episode erinnern. Er gab an beobachtet zu haben, wie eine sowjetische Kommissarin drei gefangengenommene Soldaten mit dem Bajonett erstach. Unter den Gefangenen befand sich auch ein Soldat der Waffen-SS, der von ihr grausam verstümmelt wurde. Bei diesen drei Soldaten handelte es sich vermutlich um den im Bericht des ÖSK erwähnten Stoßtrupp. Die Version, dass die Gefangenen von einer Kommissarin getötet wurden, konnte ein anderer Riedlingsdorfer, in dessen Haus die örtliche Kommandantur untergebracht war und wo dieser Fall von den Sowjetsoldaten besprochen wurde, bestätigen. Laut seinen Erinnerungen zeigten sich die sowjetischen Soldaten empört über das Verhalten der Kommissarin.[5]

Unter den Toten gab es auch sogenannte Rückkämpfer, welche bei den Grenzkämpfen versprengt wurden und die dann versuchten die deutschen Linien zu erreichen. Zumindest zwei der Riedlingsdorfer Toten waren derartige Rückkämpfer.

Wie der ÖSK-Bericht richtigerweise erwähnt, mussten Erkennungsmarken und Soldbücher der Toten an die Rote Armee abgegeben werden, sodass eine nachträgliche Identifizierung unmöglich gemacht wurde.

Offizieller Gemeindebericht

Auf dem Kriegerdenkmal in Riedlingsdorf, das im Laufe seines Bestehens mehrmals den Standort wechselte, befinden sich auch die Namen, der in den letzten Kriegswochen ums Leben gekommenen Personen.

Im offiziellen Gemeindebericht wurden die letzten Kriegswochen folgendermaßen für die Nachwelt beschrieben:

„Die Tage Großdeutschlands waren im Jahre 1945 gezählt. Der Feind kam näher und näher. Wer hätte damals gedacht, daß auch unser Gebiet Kriegsschauplatz sein würde. Wie in allen Landesteilen eifrigst geschanzt wurde, so sollte auch vor unserer Gemeinde ein Graben gezogen werden. Zwischen Riedlingsdorf und Oberwart grub man einen zirka 3 Meter tiefen und 5 Meter breiten Graben (Panzergraben). Dazu wurden Männer und Frauen aus Riedlingsdorf, Pinkafeld, Wiesfleck, Hochart, Buchschachen und Loipersdorf, sogar auch Wiener, herangezogen. Der Panzergraben verlief 100 Meter unterhalb der Ortschaft von der Bahnstrecke bis zur Pinka. Längs der Ortschaft verlief ein Laufgraben mit Maschinengewehrstellungen.“

„Vom Volkssturm waren 9 Mann in Rechnitz eingesetzt. Von diesen blieb ein Mann (Hajek Franz) in Rechnitz. Die übrigen 30 Volkssturmmänner kamen nicht in den Einsatz. Nur in den letzten Tagen wollte man sie irgendwo in der Steiermark zum Einsatz bringen. Der Befehl wurde verweigert, weshalb jeder fünfte oder zehnte Mann hätte erschossen werden sollen. Glücklicherweise kam es nicht zur Verwirklichung.“

„Die Front kam in den ersten Apriltagen immer näher. Flüchtlinge aus Ungarn schleppten sich durch den Ort. Diesen Trauerzug von heimatlosen Menschen möchten wir nicht nochmals mitansehen. Anfang April 1945 zogen auch schon Bewohner der Landesgrenze durch unseren Ort. Nach diesen sahen wir auch schon Panzerwägen heranrollen. Aber wie klopfte unser Herz als einige hinter dem Panzergraben Aufstellung nahmen. Wir dachten schon 'vorbei mit Riedlingsdorf'. Am nächsten Tag waren die Panzerwägen verschwunden. Trotz Panzergraben und Stellungsbau wurde bei uns kein Schuß abgegeben. So blieb unsere Gemeinde von der Verwüstung verschont. Ein Teil der Ortsbevölkerung flüchtete nach Buchschachen oder Wiesfleck. Sie dachten dort in Sicherheit zu sein, kamen aber gerade in Buchschachen in ein Wespennest. Die Kampftruppen der Russen kamen und zogen weiter. Auf Widerstand stießen sie in Buchschachen, in Neustift an der Lafnitz, weshalb die Russen das Graben einer Stellung in Riedlingsdorf anordneten. Auch diese Stellung wurde nicht benützt.“

„Während der Besetzung geriet ein Objekt (Hausnummer 225) in Brand. Ursache unbekannt. Schaden ca. 8.000 Schilling. Wie es sonst bei einer Besetzung zugeht, weiß doch ein jeder. Mädchen und Frauen wurden geschändet oder mußten bei den Fenstern hinausspringen. Vom Orte wurden alle brauchbaren Pferde (zirka 20), 30 bis 40 Rinder, mehrere Schweine und Hühner und viele andere Gegenstände beschlagnahmt. So kam die Gemeinde auch um ihre 4 Stiere (Wert zirka 40.000 Schilling). Einige Männer wurden nach Ungarn verschleppt und kamen erst nach Wochen zurück. Andere Männer mußten Pferde nach Ungarn treiben.“

„An Menschenleben war zu beklagen Bundschuh Johann Nr. 31. Er wurde von den Russen mit einem Gewehr angetroffen und deshalb erstochen. Raas Rosina flüchtete sich mit anderen Bewohnern nach Buchschachen und kam dort in den Kampfhandlungen um ihr Leben. Außerhalb des Dorfes lagen im Gemeindegebiet zerstreut 12 Soldaten. Sie haben nun im Ortsfriedhof ein Gemeinschaftsgrab als Ruhestätte. Zur Besatzungszeit mußte sich die Ortsbevölkerung mit der kriegsüblichen Behandlung abfinden. Belegt waren alle Häuser und Schulen. In den Schulen fehlten alle früheren Amtsschriften und Lehrmittel. Zum Wegräumen verschiedener Verunreinigungen, Planierungsarbeiten des Lauf- und Panzergrabens wurden meist die gewesenen Mitglieder der NSDAP herangezogen.“

„Wir können nur Gott danken, daß bei der Besetzung kein Schuß fiel und somit unser Ort vor größeren Schäden verschont blieb. Nach Einstellung der Kampfhandlungen verließen die Russen wieder Riedlingsdorf und mit der ruhigen Aufbauarbeit konnte begonnen werden.“

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Manfried Rauchensteiner: Der Krieg in Österreich 1945, Österr. Bundesverlag, Wien 1984, ISBN 3-215-01672-9.
  2. Hugo Portisch, 'Österreich II', Band 1
  3. 3,0 3,1 3,2 Tagebuch Johann Kaipel Riedlingsdorf
  4. Riedlingsdorf 1331–1991, Festschrift zum 660-Jahr-Jubiläum, herausgegeben von der Gemeinde Riedlingsdorf 1991
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 Einmarsch der Roten Armee in Riedlingsdorf 1945, Webseite abgerufen am 2. Oktober 2014
  6. in der Oststeiermark, Webseite abgerufen am 2. Oktober 2014