Leesdorfer Hofmühle (Baden)

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Leesdorfer Hofmühle, ehemals auch als Rollettmühle bezeichnet - um 1913

Die Leesdorfer Hofmühle, auch unter der Bezeichnung „Schlossmühle“, „Rollettmühle“ sowie „Fehringermühle“ bekannt, befindet sich in der Leesdorfer Hauptstraße Nr. 85 in Baden und ist heute nicht mehr in Betrieb. Ihre Gründung erfolgte vermutlich im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Mühle ihre ursprüngliche Funktion als Hammermühle zur Mahlmühle.

Chronik

Aus der Herrschaftsbeschreibung von Leesdorf geht hervor, dass sich im Jahre 1312 an diesem Ort eine Hammermühle befand die auch im Jahre 1496 noch als solche im Betrieb war. Bei ersten Wiener Türkenbelagerung 1529/32 wurde die "Hofmühle", wie so viele andere Gebäude in Baden, zerstört und blieb die nächsten 50 Jahre als Ruine stehen. Danach wurde die Mühle wieder erhoben und von zwei auf drei Mahlgänge erweitert. Bis zu ihrer Privatisierung anno 1752 wurde diese von Mühlpächtern betrieben.

Eine Beschreibung der Mühle aus dem Jahr 1610 besagt:

Schloßmüehl. Bey der vessten Lestorff hat es im aigen alda ain von guetem zeug und großn guetten stukhn wol erpawte hofmüehl, am Liechtensteg gnandt, die mit 3 gängen, ainem stampf und starkhem wasserflueß, inwendig mit 1 nothwendigen stuben, camer und khuechl, so alles gewelbt, unnd oben auf mit ainem schönen, gegossnen essterichn grossenpoden allß wol versehen, das man viel muth traidt darauf schüetten khan. Dise müehl verlässt ain innhaber Lestorff im järlichen bstandt per 50 fl pares geldt und dann das hofmaltter ohne mauth frey zu mahlen, das bringt wenigist aufs jahr 8 muth. Nun ist man von yedem mutt ainem müllner mauth zu geben schuldig 2 mezen, das thuet 16 mezen, den muth angeschlagen per 6 fl facit 3 fl 12 xr, unnd das per 40 fl brächts 128 fl. Wann nachmalß die 50 fl truckhen geldt 5 per cento geraith und der werth des müehlgepews inn acht genomen wirdt, so ist diselb mit aller irro zugehorung trewlichen werth 1350 fl.302

HKA, Nö. Herrschaftsakten L 31, fol. 27v/28r

Die gewölbten Räume überstanden 1683 die zweite Wiener Türkenbelagerung. Nachdem anno 1752 das Stift Melk, das die Herrschaftsrechte über die Mühle besaß, im Zuge der Wirtschaftsreformen Maria Theresia’s, von der Privatisierungswelle erfasst wurde, wurde die Mühle an die Müllerfamilie Mugitsch verkauft und durch drei Generationen hindurch von dieser betrieben. Um 1780 brannte die Mühle ab und das Stift Melk verkaufte die Brandstatt an den Badener Mühlenbesitzer der Rollettmühle, Lorenz II. Rollett , der die "Leesdorfer Hofmühle" wiederum aufbaute und mit einem vierten Mahlgang versah. Danach übernahm 1812 sein Sohn Josef Rollett die Mühle und als dieser nur ein paar Monate danach verstarb, kam die Mühle in den Besitz seiner Witwe Anna Rollett geb. Zeiner und die heiratete in zweiter ehe Johann Hupmann, der ab nun das Sagen auf der Mühle hatte. Nach Huppmann’s Tod ging die Mühle 1862 in den Besitz von Josef Stephan Rollett, dem Sohn des jung verstorbenen Josef Rollett und dieser verkaufte im selben Jahr die "Leesdorfer Hofmühle" an Adalbert Fehringer, der schon zu Huppmann’s Zeiten Mühlenverwalter war.

Fehringer erneuerte 1869 das Mühlengebäude und dem Wasser- und Brückenheiligen, dem Hl. Johannes von Nepomuk wurde auch im neuen Gebäude wieder ein Platz in einer Nische über dem Badener Mühlbach eingeräumt. Die angegebenen Initialen A.F. stehen für Adalbert Fehringer. Die ehemals angebrachten Initialen M.F. für Marie Fehringer sind wohl im Laufe der Zeit verloren gegangen. Durch die Neukonzipierung konnte die Mühle vollautomatisch betrieben werden und hatte eine Jahresleistung von 350 Tonnen Mahlgut. Im Jahr 1894 verpachtete die Familie Fehringer die Mühle an einen Pächter namens Alexander Roth, der in der Mühle einen Mehlverkauf einrichtete und eine Lohnmahlerei bis zur Einstellung im Jahre 1904 betrieb.

Nachnutzung

1916/17 eröffnete Johann Mayerl die „Badener Großwäscherei“ in der Mühlenanlage und errichtete ein neues Kesselhaus mit einem riesigen Schornstein. 1929 scheint in den Analen der Firma eine Mitzi Plocar als Geschäftspartnerin auf und 1933 war die Wäscherei an eine Familie Fischer verpachtet, danach an Rudolf Schmid & Sohn und anschließend 1953 Josef Plematl, der den Betrieb in „Chemische Trockenputzerei Rex“ benannte. Josef Plematl stockte den Haupttrakt 1958/60 um eine Etage auf. Im Jahr 1985 erwarb die Verpackungsfirma Petruzalek den Gebäudekomplex und brachte seine Alu-Abteilung darin unter. Seither sind die umfangreichen Räumlichkeiten an verschiedene Unternehmen vermietet.

Literatur

Weblinks

48.00789416.250744Koordinaten: 48° 0′ 28″ N, 16° 15′ 3″ O