Leopoldine von Procházka

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Leopoldine „Harriet“ von Procházka, geb. Ott (* zwischen 1818 und 1821 möglicherweise in Brünn; † 31. Dezember 1889 in Wien) war eine Schriftstellerin.

Leben

Procházka war die Tochter von Theresia Pauline Ott († 1867 in Wiesbaden). Ihr Vater war wahrscheinlich Leopold Gresch – ob beide verheiratet waren, ist zweifelhaft.[1][2] Ihr Bruder war der spätere österreichische Offizier Emil (1823–1864).[2]

Ab etwa 1826 lebte ihre Mutter mit dem britischen Aristokraten Henry Villiers-Stuart, 1. Baron Stuart de Decies zusammen; ob die beiden verheiratet waren, ist ebenfalls zweifelhaft, bei Prozessen in den 1870ern konnte die Gültigkeit der Ehe jedenfalls nicht bewiesen werden.[2] 1827 kam der Halbbruder und spätere Politiker und Ägyptologe Henry Windsor Villiers Stuart (1827–1895) zur Welt. Ab 1828 soll Procházka in England gelebt haben[1], in manchen Quellen ist auch von einer Adoption durch Villiers-Stuart die Rede.[3]

Sie heiratete wahrscheinlich 1842 in Prag den späteren Feldmarschallleutnant Ottokar Joseph Freiherr von Procházka (1811–1885)[1]. Die gemeinsame Tochter war Pauline Prochazka[4] (1842–1930), eine in Irland tätige Aquarellkünstlerin.

Für ihr Werk „Revelations of Hungary“ soll ihr 1851 als erster Frau Österreichs die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft von Franz Joseph I. zugesandt worden sein.[3] Von 1885 bis zu ihrem Tod war sie ordentliches Mitglied im Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen Wien.[3]

Procházka starb am 31. Dezember 1889 Mitternacht an einem Lungenemphysem in Meidling (Bischoffgasse 3) und wurde am Hietzinger Friedhof begraben.[5]

Werke

  • The Abduction: or, Marvels of Mesmerism. William Shoberl, London 1850.
  • Revelations of Hungary; or, Leaves from the diary of an Austrian officer who served during the late campaign in that country. William Shoberl, London 1851. (Volltext bei archive.org)
Dieses Werk übersetzte Procházka aus Tagebuchnotizen ihres Gatten. Es sollte (nach dem Vorwort) die öffentliche Meinung in England zugunsten Österreichs beeinflussen.
  • Das Mädchen von Hainburg. Historischer Original-Volksroman aus der Zeit der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken. 1882.
Die Weiterverbreitung dieses Werk wurde wegen des „Verbrechens der Beleidigung eines Mitgliedes des kaiserlichen Hauses“ verboten.[6]
  • Schuld und Sühne. Roman.
In Fortsetzung erschienen in 178 Teilen im Bregenzer Tagblatt zwischen 28. Mai 1889[7] und 5. März 1890[8].
  • Die Rache der Zigeunerin. Roman.
In Fortsetzung erschienen in 259 Teilen Bregenzer Tagblatt zwischen 16. März 1890[9] und 8. Februar 1891[10]

Literatur

  • Marianne Baumgartner: Der Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien (1885–1938). Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2015, S. 374f.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 M. Y. Bach: Die Frau des Lords. In: Prager Tagblatt, 29. März 1931, S. 4 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/ptb
  2. 2,0 2,1 2,2 Public Record Office of Northern Ireland: Introduction Villiers-Stuart Papers. 2007.
  3. 3,0 3,1 3,2 Marianne Baumgartner: Der Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien (1885–1938). Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2015, S. 374f.
  4. Pauline Prochazka (engl. Wikipedia)
  5. Sterbebuch Maria Hietzing, tom. VI, fol. 141 (Faksimile).
  6. Kundmachungen. In: Amtsblatt zur Wiener Zeitung, 11. August 1882, S. 15 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  7. Leopoldine Baronin Prochazka: Schuld und Sühne. In: Bregenzer Tagblatt, 28. Mai 1889, S. 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/btb
  8. Leopoldine Baronin Prochazka: Schuld und Sühne. In: Bregenzer Tagblatt, 5. März 1890, S. 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/btb
  9. Leopoldine Baronin Prochazka: Die Rache der Zigeunerin. In: Bregenzer Tagblatt, 16. März 1890, S. 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/btb
  10. Leopoldine Baronin Prochazka: Die Rache der Zigeunerin. In: Bregenzer Tagblatt, 8. Februar 1890, S. 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/btb