Margarete von Babenberg

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Margarete von Babenberg, Porträt aus dem 16. Jahrhundert von Antoni Boys (* um 1530 / 1550; † nach 1593)

Margarete von Babenberg[A 1] (* im 13. Jahrhundert, um 1210; † 1266[A 2])[1], auch Herzogin Margarete von Österreich, war durch ihre beiden Ehen zunächst eine römische und danach eine böhmische Königin. Nach dem Tod von Herzog Friedrich (II.) von Österreich († 1246) , besser bekannt als "Herzog Friedrich der Streitbare", war sie eine entscheidende Schachfigur im Kampf um dessen Nachfolge als Herzog von Österreich und Steier. Margarete dürfte neben der Kaisertochter Agnes die bekannteste Babenbergerin sein.

Herkunft und Familie

Margarete war eine Angehörige jener Herrscherfamilie, die heute als die Babenberger bezeichnet wird. Sie war eine der beiden älteren Töchter von Herzog Leopold (VI.) von Österreich ("Leopold dem Glorreichen") aus dessen Ehe mit Theodora Angela von Byzanz. Sie war zweimal verheiratet,

∞ in 1. Ehe seit 1225 mit König Heinrich (VII.) († 1242), dem Sohn von Kaiser Friedrich II. "Stupor Mundi" († 1250) aus dessen erster Ehe mit Konstanze von Aragon († 1222), der Witwe des ungarischen Königs Emmerich
  • Sohn (Heinrich ?) (* zw. 1228 / 1235; † um 1248 / vor 1261)[2]
  • Sohn (Friedrich ?) (* zw. 1228 / 1235; † um 1248 / vor 1261)[2]
∞ in 2. Ehe seit 1252 mit dem "Böhmenkönig" Ottokar (II.) († 1478), einem Schwager ihrer Konkurrentin und Nichte Gertrud († 1286)

Leben

Margaretes erste Hochzeit mit dem etwa gleichaltrigen Heinrich, der zu diesem Zeitpunkt bereits "römischer" König war, fand am 29. November 1225 in Nürnberg statt.[3] Es war eine Doppelhochzeit, da sich ihr Bruder Heinrich am selben Tag mit Agnes von Thüringen verheiratete.[4] Die Hochzeit erfolgte zwar mit großer Prachtentfaltung, wurde aber von einem Unglücksfall überschattet. Bei einer Gerichtsverhandlung, auf welcher der Mord an Erzbischof Engelbert (I.) von Köln († 7. November 1225) geahndet wurde und die etwa zeitgleich stattfand, kamen es zu Auseinandersetzungen, die zum Einsturz einer Treppe führten, was den Tod von zahlreichen Menschen zur Folge hatte. Die Umstände, unter denen die für Margaretes Familie prestigeträchtige Eheschließung mit dem ältesten Sohn des Kaisers wirken bis heute zudem undurchsichtig. Sie lösten einen Konflikt ihres Vaters mit der böhmischen Königsfamilie los. Der Bräutigam hätte ursprüngliche die böhmische Königstochter Agnes heiraten sollen, welche am Hof von Margaretes Vater erzogen und auf diese Ehe vorbereitet worden war.[5]

Zwar wurde Margarete zwei Jahre nach der Hochzeit am 28. März 1227 in Aachen zur "römischen" Königin gekrönt, doch scheint die Ehe nicht besonders gut gewesen zu sein. Nach dem Tod von Margaretes Vater († 1230) kam es, angeblich, weil ein Teil ihrer Mitgift noch nicht ausgezahlt worden war, zum Konflikt zwischen ihrem Bruder, Herzog Friedrich (II.) "dem Streitbaren", und ihrem Ehemann, König Heinrich. Dieser versuchte daraufhin beim Papst die Auflösung seiner Ehe zu erreichen.[6] Nach den "Wormser Annalen" wollte Heinrich sich mit der Eheauflösung dagegen nur seinem Vater widersetzen, der ihm diese Ehe aufgezwungen hatte.[7] Nach einem gescheiterten Aufstand gegen diesen wurde er schließlich in Haft genommen und nach Italien deportiert, wo er einige Jahre später unter ungeklärten Umständen als Gefangener starb. Margarete, für die als Königin keine auffällige Aktivität belegt ist, dürfte nach der Unterwerfung ihres Ehemannes im Reich geblieben sein, während ihre Söhne ebenfalls nach Italien gebracht wurden, wo sie am Hof des Schwiegervaters im Königreich Sizilien aufwuchsen.[6] Margarete soll nach Heinrichs Tod bei den Dominikanerinnen in Trier gelebt haben.[8]

Nach dem Tod von Herzog Friedrich "dem Streitbaren" heiratete Margarete den um viele Jahre jüngeren Böhmenkönig Ottokar, der mit dieser Ehe seine Nachfolge in den Herzogtümern Österreich und Steier absicherte. Die Adeligen des Herzogtums Österreich hatten ihn zwar selbst die Herzogwürde angeboten, dies aber unter der Auflage, eine Babenbergerin zu heiratete. Die Ehe, die offensichtlich kinderlos blieb, wurde 1261 mit päpstlicher Zustimmung wieder aufgelöst, wobei König Ottokar weiterhin Herzog von Österreich und Steier blieb. Margarete, die wenige Jahre später starb, ließ sich daraufhin in Krumau am Kamp nieder.[6]

Orte mit Bezug zu Margarete im heutigen Österreich

Niederösterreich

Erinnerungsstätten im heutigen Niederösterreich

Königin Margarete im Babenberger-Stammbaum des Stiftes Klosterneuburg, Darstellung um 1490
  • Klosterneuburg: Margarete ist auf dem bekannten "Babenberger-Stammbaum" vom Ende des 15. Jahrhunderts, der im Museum des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg besichtigt werden kann, dargestellt.
  • Lilienfeld: Margarete wurde nach ihrem Tod auf ihren eigenen Wunsch hin in der Klosterkirche des von ihrem Vater gegründeten Zisterzienserstiftes Lilienfeld an seiner Seite beigesetzt.[9] Im Altarraum weist eine Inschrift auf ihr Grab hin, die auf Deutsch lautet: "Margareta, Königin der Römer, Ehefrau von König Ottokar II. von Böhmen, Tochter von Herzog Leopold, † 1266"

Margarete von Babenberg auf der Bühne

Literatur

  • Heinz Dopsch: Heinrich Raspe und die Reichsfürsten im Südosten. In: Matthias Werner (Hrsg.): Heinrich Raspe - Landgraf von Thüringen und römischer König (1227-1247). Fürsten, König und Reich in spätstaufischer Zeit (= Walter Ameling et al. (Hrsg.): Jenaer Beiträge zur Geschichte. Bd. 3). Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main / Berlin / Bern / Brüssel / New York / Oxfort / Wien,2003. ISBN 3-631-37684-7. S. 69-104, besonders S. 86
  • Karl Lechner: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976–1246. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 6. Auflage 1996. ISBN 3-205-98569-9
  • Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold. Die Babenbergerinnen und ihre Zeit. Amalthea Signum Verlag, Wien, 2013. ISBN 978-3-85002-822-6
  • Georg Scheibelreiter: Die Babenberger. Reichsfürsten und Landesherren. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 2010. ISBN 978-3-205-78573-6

Weblinks

 Margaret, Duchess of Austria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. vgl. Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold, 2013, S. 234 und S. 235
  2. 2,0 2,1 vgl. Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold, 2013, S. 41 und S. 235
  3. vgl. Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold, 2013, S. 87
  4. vgl. Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold, 2013, S. 87f.
  5. vgl. Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold, 2013, S. 234
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 vgl. Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold, 2013, S. 235
  7. vgl. Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold, 2013, S. 41
  8. 8,0 8,1 vgl. Herzogin Margarete, Königin von Böhmen, GedaechtnisDesLandes, abgerufen am 9. September 2020
  9. vgl. Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold, 2013, S. 234

Anmerkungen

  1. Im Artikel wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit eine einheitliche Bezeichnung für diese Dame ausgewählt, welche in der Literatur unter verschiedenen Namen zu finden ist. Zwar ist der "Familienname" Babenberger keineswegs für das Mittelalter belegt, doch ergibt sich ihre Aufnahme in die RegioWiki.AT über ihre Zugehörigkeit zu dieser Dynastie, weshalb eine Benennung nach dieser Familie Sinn macht.
  2. Auf den meisten Websites im Internet, so zum Bespiel auf Herzogin Margarete, Königin von Böhmen, GedaechtnisDesLandes, ist als Sterbedatum, der 28. Oktober 1266 angegeben. Eine Inschrift in der Klosterkirche von Stift Lilienfeld nennt nur die Jahreszahl 1266. Es scheint jedoch, dass dieses Sterbedatum nicht urkundlich belegt ist.
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