Meinhard I.

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Graf Meinhard (I.) von Tirol, Wandbild im Spanischen Saal auf Schloss Ambras (16. Jahrhundert)

Graf Meinhard (III.) von Görz (* um 1193/94; † 1258, zwischen dem 12. Jänner und dem 18. Februar)[A 1], auch Graf Meinhard (I.) von Tirol, auch Meinhard der Ältere, war einer der Schwiegersöhne von Graf Albert (III.) von Tirol. Durch seine Ehe mit dessen älterer Tochter Adelheid begründete er die Grafenfamilie von Görz und Tirol, die im Spätmittelalter über Teile der heutigen Länder Österreich (Teile der Bundesländer Tirol und Kärnten), Italien und Slowenien herrschte.

Herkunft und Familie

Die Grafen von Görz

Die politischen und geschichtlichen Hintergründe der Grafen von Görz, wie die Familie von Meinhard I. gewöhnlich in der Forschungsliteratur genannt wird, ist bis heute nicht besonders gut erforscht. Ihre Ursprünge liegen im Dunkeln. Nach derzeitiger Forschungslage waren sie Verwandte der Aribonen[A 2] und Sieghardinger[A 3] und dürften außerdem in Beziehung zu den alten Lurngauer Grafen[A 4] gestanden haben. Eine direkte Abstammung von den Aribonen, die in älteren Forschungsarbeiten als Fakt galt, wird in der neueren Forschung angezweifelt. [1] Von den Aribonen dürften die späteren Grafen von Görz die Vogtei des Klosters Millstatt übernommen, von den Lurngauer Grafen die Vogtei über Aquileia als Lehen geerbt haben. Über diese Vogtei gelangten sie in den Besitz von Görz, nach dem sie benannt sind.[2]

Als erste gesicherte Mitglieder der Grafen von Görz, die ursprünglich nach dem Leitnamen der ersten belegten Familienmitglieder auch als "Meinhardinger" oder "Meinhardiner" bezeichnet wurden, gelten Pfalzgraf Engelbert (I.) von Baiern († im Dezember 1122 oder 1123)[A 5] und sein Bruder Graf Meinhard (I.) von Görz (um 1142)[A 6], beide vermutlich Söhne von Meginhard (III.), der als Graf im Lurngau genannt ist.Die Söhne von Graf Meinhard (I.) waren die Grafen Engelbert (II.) († um 1189) und Heinrich (I.) († um 1148) von Görz, welche die Stellung der Familie im Friaul, in Istrien und auf dem Karst wesentlich ausbauten.[3]

Meinharts Familienverhältnisse

Graf Meinhard (III.) von Görz war der Enkel des Grafen Meinhard (I.) von Görz. Er war der Sohn des Grafen Engelbert (III.) von Görz († um 1220) aus dessen Ehe mit Mathilde († um / nach 1193/1206), einer Tochter des Markgrafen Berthold (III.) von Istrien († 1188). Sein gleichnamiger Onkel, Meinhard (II.) von Görz, († um 1232) war zwischen 1206 und 1211 mit Adelheid, Tochter des Grafen Heinrich (I.) von Tirol und Schwester des Grafen Albert (III.) von Tirol verheiratet.[4]

Graf Meinhard (III.) von Görz hatte aus seiner Ehe mit Gräfin Adelheid von Tirol, der Tochter von Graf Albert (III.), mindestens 3 Kinder:

- Graf Meinhard von Ortenburg
- Graf Otto von Ortenburg
- Graf Albrecht von Ortenburg
- Gräfin Euphemia von Ortenburg ∞ seit 1281 mit Graf Hugo (II.) von Werdenberg-Heiligenberg[6]

Herrschaften

Graf Meinhard herrschte

Zeitweise fungierte er außerdem als Vogt des Patriarchats Aquileia und der Hochstifte Trient und Brixen-Bozen. Am 29. September 1237 belehnte er seinen Schwiegervater mit allen Lehen, welche er vom Patriarchat von Aquileia und von Herzog Bernhard von Kärnten erhalten hatte. Nicht klar ist, ob Meinhard diese Besitzungen seinem Schwiegervater übertrug, um sich für den bevorstehenden Italienfeldzug mit Kaiser Friedrich II. abzusichern oder ob dies als Gegenleitung für die Ehe mit Alberts Tochter Adelheid tun musste.[8]

Nachdem Tod seines Schwiegervaters wurde er am 28. Juli 1254 zusammen mit seiner Ehefrau Adelheid und seinen Söhnen vom Bischof von Trient mit allem, was dieser vom Hochstift Trient zu Lehen gehabt hatte, belehnt, wofür er diesem einen Eid zu leisten hatte, ihn, wie bereits sein Schwiegervater zu schützen.[9] Eine weitere Belehnung mit den Lehen und der Vogtei über die Kirche und das Hochstift Trient, in der ebenfalls seine Ehefrau und seine Söhne ausdrücklich einbezogen sind, erfolgte am 2. Mai 1256, diesmal unter dem feierlichen Protest mehrerer Chorherren, die sich gegen die Beleihungsbedingungen richtete. Bischof Egno, der auch diese Belehnung durchführte, widerrief diese im Jahr 1258 nach Meinhards Tod mit der Behauptung, dass er sie nur unter Zwang vollzogen habe[10]. Nach dem Urkundentext ist sehr deutlich zu erkennen, dass Graf Meinhard hier nur als Sachverwalter für seine Ehefrau und seine Söhne agierte.[11]

Leben - Ergänzung

  • Nachdem Herzog Friedrich (II.) "der Streitbare" am 15. Juni 1246 in der Schlacht an der Leitha gefallen war, hinterließ er keine Nachkommen. Da es keine männlichen Verwandten gab und der Herzog über seine Nachfolge auch keine Bestimmungen getroffen hatte, ernannte Kaiser Friedrich II. Ende des Jahres 1246 den Grafen Otto von Eberstein zu seinem Reichsverweser für das Herzogtum Österreich, während er Meinhard als seinem Reichsverweser für das Herzogtum Steier einsetzte.[12]
  • Nach dem Tod seines Schwiegervaters, des Grafen Albert (III.) von Tirol († 1253) schloss Meinhard gemeinsam mit seiner Ehefrau Adelheid am 10. November 1254 mit seinem Schwager Gebhard von Hirschberg und dessen Ehefrau Elisabeth einen, in dem das Erbe seines Schwiegervaters geteilt wurde.[13] In diesem Vertrag wird erstmals die Grafschaft Tirol als "Dominium (quondam) Comitis Tyrolis" genannt.[14]

Orte mit Bezug zu Graf Meinhard (III./I.) in der heutigen Republik Österreich

Kärnten

Osttirol

  • Lienz: Unter dem Grafen Meinhard dürften die ersten Münzen in Lienz (seit ca. 1195) geprägt worden sein.[15] 1243 soll er dem dortigen Dominikanerinnenkloster für den Bau seines Klosters ein Grundstück bei der Pfarrbrücke geschenkt haben.[16] Gesichert ist, dass er dieses Kloster mit mehreren Schenkungen bedachte. Bei der Schenkung vom 28. Februar 1256 bezeichnet sich Graf Meinhard erstmals selbst als Graf von Görz und Tirol.[11]

Steiermark

Ende des Jahres 1221 gehörte Meinhard gemeinsam mit seinem gleichnamigen Onkel zu den Zeugen der Bestätigung der Privilegien des Stiftes St. Paul in Leibnitz durch Herzog Leopold "den Glorreichen". Anfang des Jahres 1222 sind sie ebenfalls für diese Bestätigung in Graz als Zeugen belegt. Im April 1224 stellten beide Grafen zusammen in Graz eine Urkunde aus.[4]

Tirol

  • Stams: Meinhard dürfte nach seinem Tod in der Familiengrabstätte der Grafen von Tirol bei Schloss Tirol beigesetzt worden sein. Nach der Weihe der Kirche und des Klosters wurde er nach Stift Stams überführt und in der dort neu angelegten Grablege beigesetzt.[17]

Literatur

  • Wilhelm Baum: Die Grafen von Görz in der europäischen Politik des Mittelalters. Kitab, Klagenfurt, 2000. ISBN 978-3902005045[A 8]
  • Michael Kobler: Rechtsgeschichtliche Bemerkungen zur Meraner Teilungsurkunde von 1254 November 10. In: Louis Carlen - Fritz Steinegger: Festschrift Nikolaus Grass zum 60. Geburtstag dargebracht von Fachgenossen, Freunden und Schülern (= Abendländische und deutsche Rechtsgeschichte. Geschichte und Recht der Kirche. Geschichte und Recht Österreichs. Bd. 1). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck / München, 1974. ISBN 3-7030-0010-4. S. 493-497

Weblinks

 Meinhard I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. vgl. Christina Antenhofer: Briefe zwischen Süd und Nord. Die Hochzeit und Ehe von Paula de Gonzaga und Leonhard von Görz im Spiegel der fürstlichen Kommunikation (1473-1500) (= Schlern-Schriften 336). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck, 2007. ISBN 978-3-7030-0433-9. S. 33f.
  2. vgl. Christina Antenhofer: Briefe zwischen Süd und Nord. Die Hochzeit und Ehe von Paula de Gonzaga und Leonhard von Görz im Spiegel der fürstlichen Kommunikation (1473-1500) (= Schlern-Schriften 336). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck, 2007. ISBN 978-3-7030-0433-9. S. 34f.
  3. vgl. Christina Antenhofer: Briefe zwischen Süd und Nord. Die Hochzeit und Ehe von Paula de Gonzaga und Leonhard von Görz im Spiegel der fürstlichen Kommunikation (1473-1500) (= Schlern-Schriften 336). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck, 2007. ISBN 978-3-7030-0433-9. S. 35f.
  4. 4,0 4,1 4,2 vgl. Wilhelm Baum: Die Grafen von Görz, 2000, S. 35
  5. vgl. Karlmann Tangl: Die Grafen von Ortenburg in Kärnten. Zweite Abtheilung von 1256 bis 1343. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichts-Quellen 36, 1866, S. 50
  6. vgl. Hermann Wießner: Die Kärntner Geschichtsquellen 1269-1286 (= Monumenta historica ducatus Carinthiae. Geschichtliche Denkmäler des Herzogthumes Kärnten. Teilband 5). Klagenfurt, 1956, S. 117ff.
  7. vgl. Wilhelm Baum: Die Grafen von Görz, 2000, S. 35 und S. 37
  8. vgl. Philipp Jedelhauser: Die Rolle der Töchter Adelheid und Elisabeth von Graf Albert III. von Tirol bei der territorialen Zusammenführung des Landes. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 30, April / September 2020, Heft 6-7, S. 284f.
  9. vgl. Philipp Jedelhauser: Die Rolle der Töchter Adelheid und Elisabeth von Graf Albert III. von Tirol bei der territorialen Zusammenführung des Landes. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 30, April / September 2020, Heft 6-7, S. 288
  10. vgl. Philipp Jedelhauser: Die Rolle der Töchter Adelheid und Elisabeth von Graf Albert III. von Tirol bei der territorialen Zusammenführung des Landes. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 30, April / September 2020, Heft 6-7, S. 293
  11. 11,0 11,1 vgl. Philipp Jedelhauser: Die Rolle der Töchter Adelheid und Elisabeth von Graf Albert III. von Tirol bei der territorialen Zusammenführung des Landes. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 30, April / September 2020, Heft 6-7, S. 291
  12. vgl. Walter Kleindel: Österreich Chronik. Daten zur Geschichte und Kultur. Ueberreuter, Wien / Heidelberg, 1978, S. 57
  13. vgl. Michael Kobler: Rechtsgeschichtliche Bemerkungen zur Meraner Teilungsurkunde, 1974, S. 493
  14. vgl. Philipp Jedelhauser: Die Rolle der Töchter Adelheid und Elisabeth von Graf Albert III. von Tirol bei der territorialen Zusammenführung des Landes. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 30, April / September 2020, Heft 6-7, S. 289
  15. vgl. Wilhelm Baum: Die Grafen von Görz, 2000, S. 39
  16. vgl. Wilhelm Baum: Die Grafen von Görz, 2000, S. 44
  17. vgl. Lydia Reichegger: Königin Elisabeth (1262/3 - 1313). (Ungedruckte) Dissertation, Universität Wien, 2006, S. 10

Anmerkungen

  1. Zum ungefähren Sterbedatum vgl. Philipp Jedelhauser: Die Rolle der Töchter Adelheid und Elisabeth von Graf Albert III. von Tirol bei der territorialen Zusammenführung des Landes. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 30, April / September 2020, Heft 6-7, S. 291
  2. Als Aribonen wird in der Forschungsliteratur eine "edelfreie" Familie bezeichnet, die zwischen 850 und 1100 im Stammesherzogtum Baiern in wichtigen Ämtern belegt ist.
  3. Die Sieghardinger gelten als eine der wichtigsten Familien des Adels des Stammesherzogtum Baiern. Urkundlich belegt sind sie etwa von der Mitte des 9. bis zu Beginn des 13. Jahrhunderts.
  4. Der Lurngau, manchmal auch als Grafschaft Lurn bezeichnet, war im 10. Jahrhundert ein Herrschaftsgebiet, welches in etwa das heutige Oberkärnten und Osttirol umfasste. Interessant ist, dass sich unter den Grafen von Lurn Mitglieder der Grafen von Grögling-Hirschberg finden. Aus dieser Familie stammte Gebhard von Hirschberg, der andere Schwiegersohn des Grafen Albert von Tirol.
  5. Engelbert (I.) war Pfalzgraf in Bayern, Vogt von Millstatt und im Besitz der Moosburg.
  6. Meinhard (I.) ist der erste der Familie, der auch als Graf von Görz erstmals urkundlich genannt wird. Er war Vogt von Aquileia.
  7. Nach Philipp Jedelhauser war Adelheid, deren Geburtsjahr sich nicht genau datieren lässt, jünger als ihre beiden Brüder. Vgl. Philipp Jedelhauser: Die Rolle der Töchter Adelheid und Elisabeth von Graf Albert III. von Tirol bei der territorialen Zusammenführung des Landes. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 30, April / September 2020, Heft 6-7, S. 285
  8. Bisher die einzige deutschsprachige wissenschaftliche Monographie zu den Grafen von Görz, quellenfundiert, aber in Bezug auf Sachlichkeit und Objektivität sind leider Abstriche zu machen.
VorgängerAmtNachfolger
Graf Albert (III.) von TirolHerrscher über die Grafschaft Tirol
Blason Comtes de Tyrol.svg
ca. 1253-1258
gemeinsam mit Graf Gebhard von Hirschberg
Graf Meinhard (II.) von Tirol
zunächst gemeinsam mit Graf Albert (I.) von Görz
VorgängerAmtNachfolger
Graf Engelbert (III.) von GörzHerrscher über Teile des späteren Osttirols
ca. 1220–1258
Graf Meinhard (II.) von Tirol
zunächst gemeinsam mit Graf Albert (I.) von Görz
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