Otto der Fröhliche

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Reitersiegel von Herzog Otto dem Fröhlichen

Herzog Otto von Österreich (* 23. Juli 1301[1], vermutlich in Wien; † 16. Februar 1339[2][3], auf einer Reise von Graz nach Wien[4]), auch Herzog Otto von Kärnten[5], später auch als Otto der Fröhliche oder Otto der Kühne bezeichnet, herrschte zusammen mit seinem Bruder Herzog Albrecht II. seit ca. 1330 über die Herzogtümer Österreich, Steier und Kärnten sowie über Gebiete, die heute zu den Staaten Schweiz, Deutschland, Frankreich und Slowenien gehören. Herzog Otto gehört heute zu den unbekanntesten Habsburgern, blieb aber zumindest in Österreich beziehungsweise Wien durch seine Rolle in den Sagen um den Pfaffen vom Kahlenberg und im Schwankbuch um Neidhart Fuchs, der dort sein "lustiger Rat" ist, in Erinnerung.

Herkunft und Familie

Otto der Fröhliche auf der Glasscheibe des "Habsburgerfensters", das sich früher im Stephansdom in Wien befand

Herzog Otto von Österreich war ein Enkel von König Rudolf I. und einer der vielen Söhne von König Albrecht I. aus dessen Ehe mit Gräfin Elisabeth von Görz und Tirol.[6] Zu seinen Geschwistern gehören außer Herzog Albrecht II. die ungarische Königin Agnes, der böhmische König Rudolf I. ("Rudolf Kaše"), der deutsch-römische König bzw. Gegenkönig Friedrich (III.) ("Friedrich der Schöne") sowie Herzog Leopold I. von Österreich ("Leopold der Glorwürdige").

Herzog Otto war zweimal verheiratet,

∞ in 1. Ehe seit 1325 mit Elisabeth von Niederbayern[7],
∞ in 2. Ehe (Eheschließung nach der Chronik von Johann von Winterthur am 29. Februar 1335[8]) mit Anna von Böhmen, einer Schwester des späteren Kaisers Karls IV..

Politisches Wirken: Überblick

Es wird für möglich gehalten, dass Otto, wie auch sein Bruder Albrecht, ursprünglich für eine geistliche Laufbahn vorgesehen war. Jedenfalls erhielt er, soweit es sich beurteilen lässt, wie dieser eine sorgfältige Ausbildung.[6] Um 1326, vermutlich als Folge des Todes von seinem älteren Bruder Leopold[A 1], begann Otto von Österreich seine Teilhabe an der Herrschaft einzufordern und forderte sogar eine Herrschaftsteilung.[9]. Um seine Forderungen durchzusetzen soll er sogar militärische Hilfe von den Gegnern seiner Familie erbeten haben, woraufhin sein späterer Schwiegervater, der böhmische König Johann von Böhmen ("Johann der Blinde") und der ungarische König Karl (I.) in die von seiner Familien beherrschten Länder im Osten einfielen.[10] Eine Teilung der Herzogtümer lehnten seine älteren Brüder Friedrich (I.) und Albrecht (II.) trotzdem ab. 1329 kam es zu einer Einigung, worauf Albrecht Otto die Verwaltung der Herrschaften in der früheren Reichslandschaft Schwaben (später die "Vorderen Lande") übertrug.[11]

Nach dem Tod Friedrichs des Schönen herrschte Otto zusammen mit Albrecht (II.) seit 1330 über die Herzogtümer Österreich und Steier, die Mark Krain, die Windische Mark und Portenau.[12] Im Herbst 1330 traf er sich mit Kaiser Ludwig (IV.) "dem Baiern" in der Reichsstadt Augsburg, wo beide einen Vertrag über eine erste Aufteilung der Reichsfürstentümer, die damals noch Herzog Heinrich (VI.) von Kärnten, Graf von Tirol, beherrschte, schlossen. Da dieser nur Töchter hatte, sollte das Herzogtum Kärnten nach seinem Tod und dem Rückfall ans Reich an die Habsburger verliehen werden, welche dafür Kaiser Ludwig bei der Inbesitznahme der Grafschaft Tirol unterstützen würden.[13] 1331 ernannte Kaiser Ludwig "der Baier" Otto zum Reichsvikar.[14]

Nach dem Tod von Herzog Heinrich von Kärnten belehnte der Kaiser die Brüder Albrecht und Otto am 2. Mai 1335 in Linz gemeinsam mit dem Herzogtum Kärnten, mit der Mark Krain und Teilen der Grafschaft Tirol.[15] Das hatte zur Folge, dass der böhmische König Johann, mit dem 1332 Frieden geschlossen worden war[6], erneut in das Herzogtum Österreich einfiel, und der ungarische König Karl nochmals das Herzogtum Steier bedrohte.[16] In diesem Zusammenhang dürfte die zweite Eheschließung von Otto mit einer Tochter von König Johann beschlossen worden sein. 1336 wurde dann mit diesem und seiner Familie der Friede von Enns geschlossen.[17]

Otto hielt sich in seinen letzten Lebensjahren meistens im Herzogtum Steier auf, das eine relativ friedliche Zeiten erlebte.[18] Nachdem er offenbar schon länger gekränkelt hatte, starb er, angeblich überraschend, auf einer Reise von Graz nach Wien zu seinem Bruder Albrecht, die er auf dessen Wunsch hin unternahm[17].[19] Zunächst im Augustinerkloster in Wien beigesetzt, wurde er etwas später nach Stift Neuberg überführt, wo er nach seinem eigenen Bekunden hatte begraben werden wollen.[20]

Otto stiftete vor 1337 in Wien bei der Kirche St. Augustin die "Societas Templois", eine exklusive Ritterschaft zur Erneuerung des Gralrittertums, die sich zum Beispiel einen Kreuzzug gegen den heidnischen Preußen und Litauer zum Ziel setzte. Dass es für ihn ein besonderes Anliegen war, das gesellige Hofleben und die Literatur zu fördern, findet sich erstmals in schriftlichen Quellen um 1460.[17].

Orte mit Bezug zu Otto dem Fröhlichen im heutigen Österreich

Eine alte Ansicht von Stift Neuberg, das von Herzog Otto 1327 gestiftet wurde

Kärnten

Otto war der erste Herzog von Österreich (Habsburger), der auf dem Fürstenstein in Karnburg (heute Teil von Maria Saal) am Zollfeld[21] als Herzog von Kärnten eingesetzt wurde.[22]

Steiermark

Otto gründete 1327 gemeinsam mit seinen Brüdern Friedrich und Albrecht das Zisterzienserkloster in Neuberg an der Mürz[23], wo er zusammen mit seiner ersten Ehefrau und seinen Söhnen seine letzte Ruhestätte fand und wo 1379 (eine Generation später) zwischen seinen Neffen Albrecht III. und Leopold III. der folgenreiche Neuberger Hausvertrag geschlossen wurde.

Wien

  • Nach seinem Tod wurde Otto zunächst bei den Augustinern in Wien beigesetzt und erst später in das Zisterzienserkloster Neuberg an der Mürz überführt.[6]

Herzog Otto von Österreich in Legende und Sage

  • Nach der Chronik von Johann von Viktring soll Ottos Tod durch einen Traum angekündigt worden sein, den der Notar Nikolaus hatte. ---> Albrecht II. (Österreich)#Albrecht II. in Legende und Sage.
  • Nach zeitgenössischen Chroniken wollte Albrecht zunächst nicht den letzten Willen seines Bruders erfüllen. Erst unter dem Eindruck des Traumgesichtes eines Kartäusers änderte er seine Meinung und ließ Otto im Kloster Neuberg beisetzen.[3]

Das Veilchenfest

Einige Bauern aus Heiligenstadt spielen dem Ritter Neidhart von Reuenthal einen üblen Streich, als dieser das erste Veilchen entdeckt hat und blamieren ihn so vor Herzog Otto und der Hofgesellschaft. Es gelingt dem Ritter die Geschichte aufzuklären, Rache an den Bauern zu nehmen und sich mit Herzog und Hof wieder zu versöhnen.[24] Um das Veilchenfest geht es auch im Neidhartspiel.

Der Koch und sein Söhnchen

In der Chronik des Johannes von Viktring finden sich Andeutungen, dass Ottos erste Ehefrau Elisabeth an einer Lebensmittelvergiftung starb, die sein Bruder Albrecht II., wenn gleich mit schwer geschädigter Gesundheit, überlebte. Hier dürfte die Legende von einem angeblichen Mordanschlag auf die herzögliche Familie ihren Ursprung haben, die beinahe die Hinrichtung des unschuldigen Küchenmeisters zur Folge gehabt haben soll. Herzog Otto hat in dieser Geschichte insofern Glück, als er den Mordanschlag unbeschadet übersteht.[25] In einer Version [26] ist die Legende um den Küchenmeister mit einigen Sagen um den späteren "Pfaffen" vom Kahlenberg zu einer zusammenhängenden Erzählung verknüpft.

Siehe auch: Sage aus Wien

Literatur

Literatur zu Teilaspekten

  • Werner Tscherne: Die frühen Habsburger in der Steiermark. In: Gerhard Pferschy (Hrsg.): Die Steiermark im Spätmittelalter (= Geschichte der Steiermark. Bd. 4). Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 2018. ISBN 978-3-205-20645-03, S. 27f., S. 41 (Stammtafel)

Weblinks

 Otto der Fröhliche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. vgl. Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 113
  2. vgl. Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 138 und Rudolf Lehr: LandesChronik Oberösterreich. 3000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien: Christian Brandstätter Verlag 2012, ISBN 978-3-850-62-1, S. 71 und
  3. 3,0 3,1 vgl. Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien: Zeitgenossen berichten. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 1995, ISBN 978-3-205-98372-9, S. 76
  4. vgl. Alfred Strnad: Herzog Albrecht III. von Österreich (1365-1395). Ein Beitrag zur Geschichte Österreichs im späteren Mittelalter. (Ungedruckte) Dissertation, Universität Wien, 1961. S. 14, Fußnote 5
  5. Ein Eintrag unter dieser Bezeichnung findet sich zum Beispiel bei Rudolf Lehr: LandesChronik Oberösterreich. 3000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien: Christian Brandstätter Verlag 2012, ISBN 978-3-850-62-1, S. 86
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 vgl. Brigitte Hamann (Hrsg.): Die Habsburger, 1988, S. 377
  7. vgl. Matthias Becher - Harald Wolter-von dem Knesebeck (Hrsg.): Die Königserhebung Friedrichs des Schönen im Jahr 1314. Krönung, Krieg und Kompromiss. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien, 2017, ISBN 978-3-412-50546-2, S. 140
  8. vgl. Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien. Zeitzeugen berichten. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 1995, ISBN 3-205-98372-6, S. 74
  9. vgl. Gerald Schwedler: Familienmodell im Wandel. Zu kooperativen und dynastischen Vorstellung der Habsburger zur Zeit Friedrichs des Schönen. In: Matthias Becher - Harald Wolter-von dem Knesebeck (Hrsg.): Die Königserhebung Friedrichs des Schönen im Jahr 1314. Krönung, Krieg und Kompromiss. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien, 2017, ISBN 978-3-412-50546-2, S. 140
  10. vgl. Gerald Schwedler: Familienmodell im Wandel. Zu kooperativen und dynastischen Vorstellung der Habsburger zur Zeit Friedrichs des Schönen. In: Matthias Becher - Harald Wolter-von dem Knesebeck (Hrsg.): Die Königserhebung Friedrichs des Schönen im Jahr 1314. Krönung, Krieg und Kompromiss. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien, 2017, ISBN 978-3-412-50546-2, S. 141
  11. vgl. Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 132
  12. vgl. Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 132 und S. 135
  13. vgl. Julia Hörmann-Thurn und Taxis: Der fremde Fürst im Land. Zur Regierung Johann Heinrichs von Böhmen in Tirol. In: Michel Pauly (Hrsg.): Die Erbtochter, der fremde Fürst und das Land. Die Ehe von Johann dem Blinden und Elisabeth von Böhmen in vergleichender europäischer Perspektive. Colloque international organisé par le musée d’histoire de la ville de Luxembourg et l’université du Luxembourg les 30 septembre et 1er octobre 2010 à Luxembourg (= Publications du CLUDEM, 38). Cludem, Luxemburg, 2013. ISBN 2-919979-28-0. S. 142
  14. vgl. Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 135
  15. vgl. Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 136 und S. 137
  16. vgl. Werner Tscherne: Die frühen Habsburger in der Steiermark, S. 27
  17. 17,0 17,1 17,2 vgl. Brigitte Hamann (Hrsg.): Die Habsburger, 1988, S. 378
  18. vgl. Werner Tscherne: Die frühen Habsburger in der Steiermark, S. 27
  19. vgl. Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 138
  20. vgl. Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien: Zeitgenossen berichten. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 1995, ISBN 978-3-205-98372-9, S. 76f.
  21. vgl. die Angaben unter Felix Czeike (Hrsg.): Ernst der Eiserne. In: Historisches Lexikon Wien. Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 206.
  22. vgl. Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 137
  23. vgl. Gerald Schwedler: Familienmodell im Wandel. Zu kooperativen und dynastischen Vorstellung der Habsburger zur Zeit Friedrichs des Schönen. In: Matthias Becher - Harald Wolter-von dem Knesebeck (Hrsg.): Die Königserhebung Friedrichs des Schönen im Jahr 1314. Krönung, Krieg und Kompromiss. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien, 2017, ISBN 978-3-412-50546-2, S. 140f.
  24. vgl. Das Veilchenfest auf Sagen.at
  25. vgl. Der Koch und sein Söhnchen
  26. vgl. Der Meisterkoch und sein Söhnlein

Anmerkungen

  1. Ein weiterer möglicher Zusammenhang, der in der Forschung bisher noch nie in Betracht gezogen würde, könnte die Eheschließung mit Elisabeth gewesen sein, welche seinen Status innerhalb der Familie zumindest formal verbessert hatte. Ebenso wäre ein Zusammenhang mit der Geburt seines ersten Sohnes nicht auszuschließen. Da bisher keiner seiner Brüder Söhne hatte, die zu dieser Zeit noch am Leben waren, bedeutete dessen Geburt für Ottos Stellung innerhalb der Familie eine wesentliche Stärkung.
  2. In Details nicht mehr ganz aktuell, aber als Einführung und Erstinformation noch immer gut geeignet. Eine weitere und spätere, inhaltlich aber nicht aktualisierte Ausgabe ist 2001 bei Amalthea Signum erschienen: Brigitte Hamann (Hrsg.): Die Habsburger. Ein biographisches Lexikon. Verlag Amalthea Signum, Wien, 2001. ISBN 978-3850024457. Neuere aktualisierte Auflagen existieren nur als EBook.
VorgängerAmtNachfolger
Friedrich (I.) und Leopold (I.)Herrscher über das Herzogtum Österreich
ca. 1330-1339
gemeinsam mit Albrecht (II.) von Österreich
Albrecht (II.) von Österreich
VorgängerAmtNachfolger
Friedrich (I.) und Leopold (I.)Herrscher über das Herzogtum Steier
ca. 1330-1339
gemeinsam mit Albrecht (II.) von Österreich
Albrecht (II.) von Österreich
VorgängerAmtNachfolger
Heinrich von KärntenHerrscher über das Herzogtum Kärnten
1335-1439
gemeinsam mit Albrecht (II.) von Österreich
Albrecht (II.) von Österreich
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