Paul Wiedemann

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Paul Wiedemann (* 1579, am 12. Dezember[1] oder 12. Februar, in Neunburg im Böhmerwald; † 21. Dezember 1650, in Wien)[2] war Bürgermeister der Stadt Wien[A 1].

Herkunft und Familie

Paul Wiedemanns Vater hieß ebenfalls Paul Wiedemann († nach 1604) und war Ratsherr.[1] Seine Schwester Barbara war seit 1604 mit dem Ratsherrn Niklas Polstermair verheiratet.[1]

Paul Wiedemann war dreimal verheiratet,
∞ in 1. Ehe (Eheschließung im Februar 1593) mit Margaretha († vor dem 7. März 1606), Witwe von Rupert Schlager und des Ratsherrn Veit Varinger († vor 7. März 1606), der dem Äußeren Rat von Wien angehörte[1].
∞ in 2. Ehe (Eheschließung am 26. April 1606) mit Barbara (* 1587[1]; † vor dem 24. September 1617), Tochter des früheren Bürgermeisters Augustin Haffner aus dessen Ehe mit Eva Ernst. Durch die Ehe mit Barbara gelangte Paul Wiedemann in den Besitz des repräsentativen Gundelhofs, den später seine dritte Ehefrau Rosina erbte.[3]
∞ in 3. Ehe (Eheschließung am 5. Juni 1622) mit Rosina (* 1. Mai 1602; † vor dem 5. August 1679), Tochter des Bürgermeisters Daniel Moser aus dessen Ehe mit Katharina. Sie heiratete nach seinem Tod den späteren Bürgermeister Daniel Lazarus Springer.[2]

Seit 1613 führte Paul Wiedemann ein Adelswappen.[1]

Leben

Politische Laufbahn

Paul Wiedemann arbeitete 1588-1591 als Amtshelfer des Stadtschreibers von Baden bei Wien. 1591 kam er nach Wien, wo er zunächst als Amtsschreiber und dann als Steueramtsgegenhandler tätig war. 1593 erwarb er das Wiener Bürgerrecht. 1595 wurde er Mitglied des Äußeren Rats, für den er in folgende Jahren als Verweser des Grundbuch und "Remanenzer"[A 2] tätig war. 1604 war Beisitzer des Stadtgerichtes 1606 erstmals Mitglied des Inneren Rats.[1]

Der Aufstieg in die "gehobene" Wiener Gesellschaft gelang Paul Wiedemann durch seine zweite Ehe der Aufstieg. 1608 war er nochmals Beisitzer des Stadtgerichts. Seit 1611 gehörte er endgültig dem Inneren Rat an. 1614-1620 war er dort Oberkämmerer. 1620-1622 war Wiedemann Stadtrichter[1]

Paul Wiedemann, seit 1623 kaiserlicher Rat[4], war 1623-1625 Bürgermeister von Wien. 1626-1631 war er wieder Stadtrichter. Er verblieb bis zu seinem Tod im Inneren Rat.[5]

Vermögensverhältnisse

Nach dem Tod (1616) seines Schwiegervaters Augustin Haffner übersiedelte Paul Wiedemann, der zu dieser Zeit in einer eher bescheidenen Wohnung am Judenplatz lebte, in den von seinem Schwiegervater zu einem repräsentativen Wohnsitz ausgestalteten Gundelhof (heute: Wien 1, Bauernmarkt 4). Dort ließ er 1624 neben einer Messstiftung auf der hauseigenen Thomaskapelle auch eine Armenstiftung begründeten.[5] Dieser ist auch als sein Sterbeort belegt. Gundelhof (1, Bauernmarkt 4)[1]

Paul Wiedemann war außerdem im Besitz eines Hauses in der heutigen Währinger Straße und mehrere Häuser im Gebiet zwischen der heutigen Glockengasse und der Taborstraße.[5]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Wiedemann Paul. In: Historisches Lexikon Wien. Band 5, Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 3-218-00547-7, S. 624. digital
  2. 2,0 2,1 vgl. Wiedemann Paul, Website Stadt Wien, eingesehen am 31. Jänner 2018
  3. vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Springer Daniel Lazarus. In: Historisches Lexikon Wien. Band 5, Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 3-218-00547-7, S. 274.
  4. vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Wiedemann Paul. In: Historisches Lexikon Wien. Band 5, Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 3-218-00547-7, S. 624–625. digital
  5. 5,0 5,1 5,2 vgl. Felix Czeike (Hrsg.): Wiedemann Paul. In: Historisches Lexikon Wien. Band 5, Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 3-218-00547-7–625. digital

Anmerkungen

  1. Wien war damals die größte Stadt im Herzogtum Österreich. Sie gehörte zu den Landständen des Herzogtums und behauptete sich im 15. Jahrhundert endgültig als Hauptstadt des Herzogtums Österreich "unter der Enns". Unter den Babenbergern war Wien seit Herzog Heinrich (II.) von Österreich ("Heinrich Jasomirgott") gewöhnlich der Sitz des Herzogs von Österreich. Wien gehörte zu den wichtigsten Residenzen der Habsburger, wurde aber erst im 17. Jahrhundert endgültig die Hauptstadt ihres Reiches.
  2. Remanenzer war die Bezeichnung für einen Beamten des Oberkammeramts, dessen Aufgabenbereich die Evidenzhaltung der Außenstände war. Ein Remanenzer führte das Hauptschuldenbuch und verwaltete die Amtsgelder, vgl. Gerlinde Sanford: Wörterbuch von Berufsbezeichnungen aus dem siebzehnten Jahrhundert. Gesammelt aus den Wiener Totenprotokollen der Jahre 1648-1668 und einigen weiteren Quellen (= Europäische Hochschulschriften. Reihe 1: Deutsche Sprache und Literatur, 136). Lang Verlag, Bern / Frankfurt am Main, 1975, S. 95 (Oberkammeramtsremanenzer) und S. 106 (Remanenzer)
VorgängerAmtNachfolger
Daniel MoserBürgermeister von Wien
1623-1625
Daniel Moser