Einsatz der Gendarmerie bei der Landnahme des Burgenlandes

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Die Tapferkeit und Treue der Gendarmerie bei der Übernahme des Burgenlandes 1921 soll im Folgenden aufgezeigt werden.


Artikel im Aufbau


Geschichtlicher Überblick

Das heutige Burgenland bestand zur Zeit der K.u.K.-Monarchie aus Teilen der altungarischen Komitaten Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg und gehörte somit zu den ungarischen Kronländern.


Nach dem 1. Weltkrieg wurde Ungarn ein selbstständige Republik, wie auch viele andere Länder durch die Entscheidungen der Siegermächte aus Teilen der früheren Monarchie entstanden. Die Aufteilung der neuen Länder sollte damals unter Beachtung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker erfolgen. Da die Bevölkerung in dem Gebiet des heutigen Burgenlandes vielfach Deutsch sprach und enge soziale und wirtschaftliche Kontakte zur Republik Österreich bestanden, entwickelte sich eine Initiativen, die die Anbindung des Burgenlandes an Österreich forderten. Ursprünglich sollte hier auch der Bereich Pressburg einbezogen werden. Dieses Gebiet wurde aber bei den Friedensverhandlungen im August 1919 der Tschechoslowakei zugeordnet. Die Siegermächte entschieden im Friedensvertrag von St. Germain, der am 10. August 1919 geschlossen wurde, die voraussichtliche Übergabe des Gebietes des heutigen Burgenlandes nach der Unterzeichnung und Ratifizierung des Vertrages mit Ungarn. Sofort nach diesem Beschluss versuchten die Ungarn auf die Siegermächte einzuwirken, diese Entscheidung zu revidieren.


Mit dem Vertrag von Trianon, es war einer der Verträge, die den 1. Weltkrieg formal beendeten, wurde dann die Abtrennung des Burgenlandes von Ungarn endgültig festgelegt. Die Ungarn unterschrieben diesen Vertrag am 04. Juni 1920 unter Widerspruch, da rund Zweidrittel ihres historischen Königreiches an Nachbar- und Nachfolgestaaten fielen.


Schließlich wurde die Übergabe des Gebietes des Burgenlandes an Österreich auf den 28. August 1921 festgesetzt. Dieses Datum sollte eigentlich ein Tag der Freude für die betroffene Bevölkerung sein. Man ging davon aus, dass die eintreffende Gendarmerie die Sicherheit und Ordnung übernehmen würde. Es kam aber ganz anders. Freischärlergruppen waren entstanden, um die Übernahme mit Waffengewalt zu verhindern. Auf österreichischer Seite entstand bei diesen Kampfhandlungen der Eindruck, dass Militärangehörige aus Ungarn an den Kämpfen beteiligt waren. Die Übernahme konnte nicht, wie geplant, vollzogen werden. Am 04. Oktober 1921 wurde für das Gebiet „Leitha-Banat“ sogar eine eigene Republik ausgerufen, mit dem Ziel, den Verbleib des Burgenlandes bei Ungarn zu erreichen.


Die Italiener übernahmen eine Vermittlerrolle in diesem Konflikt zwischen den beiden Ländern, um die Übergabe des Burgenlandes möglichst ohne weitere Verluste an Menschenleben zu erreichen. Am 13. Oktober 1921 verpflichtete sich Ungarn im „Venediger Protokoll“ Österreich zu helfen. Die Ungarn sagten zu, innerhalb von drei Wochen für den Abzug aller bewaffneten Kräfte aus dem Burgenland Sorge zu tragen und die betroffenen Gebiete an Österreich zu übergeben. Im Gegenzug erklärte Österreich, Volksabstimmungen über den Verbleib beim Burgenland in Ödenburg und acht umliegenden Ortschaften durchzuführen.
Die Freischärler waren mit dieser Entscheidung Ungarns nicht einverstanden und entzogen sich dessen Kontrolle. Das österreichische Bundesheer griff ein und besetzte das Gebiet „Leitha-Banat“ Erst auf ausdrücklichem Befehl ihres Anführers Horthys gaben die Freischärler auf. Am 05. Dezember 1921 wurde der Landstrich dann von Ungarn an Österreich offiziell übergeben.


Die vereinbarte Volksabstimmung in Ödenburg fand am 14. Dezember 1921 statt, in weiteren acht Gemeinden am 16. Dezember 1921. Ödenburg war eigentlich als Hauptstadt des Burgenlandes vorgesehen gewesen. In fünf der Gemeinden um Ödenburg stimmten die Einwohner für den Verbleib im Burgenland. Trotzdem wurden auch diese mit Ödenburg in der Zeit vom 10. Jänner 1923 bis 09. März 1923 an Ungarn zurück gegeben.


Zur Jahreswende 1921/22 war das Burgenlandes als selbstständiges, gleichberechtigtes Bundesland der Republik Österreich angegliedert. Einige Problembereiche bestanden aber weiterhin.


Der Einsatz der Gendarmerie

Verstorbene Gendarmeriebeamte in der Zeit vom 28. August 1921 bis 25. März 1922

gefallene Beamte:

  • Rayonsinspektor Michael Trattner, gefallen bei St. Margarethen am 28. August 1921,
  • Patrouillenleiter Adalbert Cervicek, gefallen bei Sinnersdorf am 04. September 1921,
  • Patrouillenleiter Felix Delavedova, gefallen bei Bubendorf am 29. September 1921,
  • Patrouillenleiter Arnold Mosch, gefallen bei Agendorf am 29. August 1921,
  • Patrouillenleiter Ernst Funke, gefallen bei Zagersdorf am 07. September 1921,
  • Patrouillenleiter Karl Heger, gefallen bei Agendorf am 8. September 1921,
  • Patrouillenleiter Leopold Fleischhacker, gefallen in Maltern bei Hochneukirchen am 18. September 1921,
  • Patrouillenleiter Anton Haberler, gefallen Edelstal am 28. Oktober 1921,
  • Patrouillenleiter Joahnn Jüttner, gefallen beim Meierhof Apertlon am 25. März 1922.

verunfallte Beamte

bei Edlitz kamen bei einer Ablösung durch einem Autounfall am 03. November 1921 ums Leben:
  • Patrouillenleiter Johann Hofer,
  • Patrouillenleiter Joahnn Mader,
  • Patrouillenleiter Josef Siegl.[1]


Aus den Erinnerungen des Sektionschefs Dr. Friedrich Gampp, Gendarmerie-Zentraldirektor i.R. in Wien

In Ungarn wurde die Räterepublik ausgerufen und Terrorbanden waren in Ödenburg aktiv. Die Genarmeriezentraldirektion sah bereits Anfang 1919 die Notwendigkeit, die Gendarmerie entlang der niederösterreichischen-ungarischen Grenze zu verstärken. Eingestellt wurden damals Gendarmen, die aus den Nationalstaaten nach Österreich gekommen waren und über eine deutsche Volkszugehörigkeit verfügten. In Wiener Neustadt wurde die "Gendarmeriegrenzschutzleitung" errichtet. Dieser wurde später der Grenzschutz der steiermärkisch-ungarischen Grenze unterstellt. Ende des Jahres 1919 waren hier bereits 1000 Gendarmen tätig. Nach der Übernahme der Gebiete des späteren Burgenlandes sollten diese neuen Bediensteten den Gendarmeriedienst dort übernehmen. Der Grenzschutz wurde in die fünf nachstehend aufgeführten Abschnitte eingeteilt:
- Abschnitt I. in Bruck an der Leitha, Abteilung Neudiedl am See,
- Abschnitt II. in Bruck an der Leita, Abteilung Eisenstadt,
- Abschnitt III. in Wiener Neustadt, Abteilung Ödenburg,
- Abschnitt IV. in Hartberg, Abteilung Oberwarth,
- Abschnitt V. in Fehring, Abteilung Güssing.
Hierzu kamen 11 Bezirksgendarmeriekommandos und 65 Gendarmerieexposituren mit genau festgelegten Bereichen im neuen Burgenland.


Die interalliierte Militärkommission in Ödenburg hatte ausdrücklich festgestellt, dass nur eine friedliche Besetzung des Burgenlandes in Frage kommen würde. Der Einsatz des Bundesheeres wäre daher untersagt. Daraufhin wurde der Gendarmeriegrenzschutz im Juli 1921 auf rund 2000 Beamte verstärkt und ein Plan für die Marschwege entworfen. Elf Kolonnen sollten am 28. August 1921 bis zur Mitte des Burgenlandes und am 29. Augsut 1921 bis zur Ostgrenze vorrücken. In den jeweils erreichten Orten sollten die eingeplanten Gendarmeriebeamten ihren Dienst aufnehmen.


Während dieser Arbeiten liefen immer wieder Berichte ein, das gut ausgerüstete Banden gebildet würden, welche die Übernahme des Burgenlandes mit Gewalt verhindern sollten. Die Versuche des damaligen Bundeskanzlers Schober, Teile des Heeres zur Sicherung der Gendarmieriekolonnen einzusetzen, scheiterten alle an dem Widerstand der interalliierten Militärkommission. Die Interessen der Ungarn wurden von dieser Kommission höher eingeschätzt.


Am 28. April 1921 setzten sich die 11 Kolonnen von ihren Standorten in Berg, Bruck an der leitah, Ebenfurth, Wiener Neustadt, Hochwolkersdorf, Kirchschlag, Friedberg, Hartberg, Burgau, Fürstenfeld und Fehring in Bewegung. Die nördlichen 6 Kolonnen erreichten ihre Marschziele und konnten die vorgesehen Posten aufstellen. Es kam hierbei nur zu kleineren Gefechten. Die Kolonnen 7 bis 9 sahen sich schon kurz nach dem Übertreten der Grenze überlegenen Kräften gegenüber. Trotz heftiger Abwehr mussten die Kolonnen in die morgens verlassenen Standorte zurück kehren. Die Kolonnen 10 und 11 erreichten ihre Ziele richteten die vorgesehenen Posten ein. Am Ende des ersten Marschtages waren ein Toter, 3 Schwer- und 4 Leichtverletzte zu beklagen. Für ihren Einsatz bei Agendorf, pinkafeld, Allhau und Burgau erhielten vom Bundesministerium des Inneren Gendarme für ihre tapferes Verhalten eine Auszeichnung.
Am Abend des 28. April 1921 ordnete der Vorsitzende der interalliierten Militärkommission an, dass der Vormarsch der Kolonnen auf Grund des gewaltsamen Widerstandes der Freischärler einzustellen sei. Ein Sonderzug, der Personal des Landesverwaltungsamtes ins Burgenland bringen sollte, fuhr daraufhin nur mit 200 Gendarmeriebeamten ab, die die Kolonne in Agendorf in der Nacht verstärken sollte.


Da die Kolonnen 7 bis 9 am 29. August die Weisung der Militärkommission noch nicht erhalten hatten, versuchten sie den vorgesehenen Zielstandort vom Vortage zu erreichen. Die Freischärler griffen wieder mit überlegenen Kräften an und so mussten sich die südlichen Kolonnen wieder zurück ziehen. Am 31. August 1921 waren diese Kolonnen wieder in ihre Ausgangs-Standorte zurück gekehrt. Die Kämpfe hatten vier Schwerverletzte gekostet.


Die Freischärler verlegten ihre Aktivitäten jetzt. So waren die Posten in Pilgersdorf und Geresdorf Anfang September 1921 neue Ziele für sie. Der Angriff auf Geresdorf wurde von so starken Kräften durchgeführt, dass sich die Beamten nach Kirchschlag zurück zog. Man hatte einen Toten und 4 Gefangennahmen zu beklagen. Auch auf das Gebiet der Republik Österreich drangen die Aufrüher vor. Ein Beamter wurde hierbei getötet, ein anderer erlitt schwere Verletzungen. Die Zentraldirektion der Gendarmerie sah sich daher gezwungen, eine erhebliche Verstärkung des an der Grenze eingesetzten Personals vorzunehmen. Zwei Bundesminister kamen in das Kampfgebiet und überzeugten sich von der prekären Lage im Grenzgebiet. Der Bundeskanzler schlug den Alliierten vor, das Bundesheer einzusetzen, um die geplanten Maßnahmen im Burgenland doch noch zu ermögliche. Hiermit war man aber nicht einverstanden. Weitere Zwischenfälle waren zu verzeichnen:
  • 07. September 1921: Überfall auf Gendarmen in Zagersdorf,
  • 08. September 1921: starke Gefechte im Raum Schattendorf-Agendorf. Hier starben 3 Gendarmen. Hinzu kamen 6 Schwer- und 15 Leichtverletzte.
  • 08. September 1921: In Mattersdorf waren sich zurück ziehende Gendarmeriebeamte aus anderen Orten eingetroffen. Ein kleinerer Teil dieser Beamten zog sich weiter nach Sauerbrunn zurück. Um Mattersdorf zu halten blieb die Mehrzahl der Beamten vor Ort. Überwiegend waren dieses Freiwillige.
  • 09. September 1921: Es wurde befohlen, dass sich alle Gendamerieposten aus dem Burgenland zurück zu ziehen hätten und wieder die Sicherung der österreichisch-ungarischen Grenze zu übernehmen sei.
Im Grenzgebiet waren zwischenzeitlich Abteilungen des Bundesheeres aufgezogen. Zusammen mit der Gendamerie wurden Angriffe der Freischärler bis Anfang November 1921 abgewehrt. Welche Verluste das Bundesheer hatte, ist nicht bekannt. Auf Seiten der Gendarmerie waren 5 Tote und 2 Schwerverletzte zu verzeichnen.
Auf Grund dieser Situation hatte die Bundesregierung das Angebot des Bundesaußenminister von Italien angenommen, in der Angelegenheit "Landnahme Burgenland" zwischen Österreich und Ungarn zu vermitteln. Die Konferenz hierzu wurde in Venedig abgehalten. Am 13. Oktober 1921 wurde eine Vereinbarung von allen Beteiligten unterschrieben. Es begann sofort eine Planung für die notwendigen Schritte, wenn 3 Wochen später die Freischärler auf Anordnung von Ungarn das Gebiet des Burgenlandes verlassen hätten. Nicht die Gendarmerie, sondern das Bundesheer sollte die Übernahme des neuen Gebietes sicherstellen. Beamte der Gendarmerie sollten den Feldpolizeidienst, Verbindungsdienste und Sicherheitsaufgaben übernehmen. Ein andere Teil der Beamten blieb an der Grenze zurück, um in den vom Bundesheer besetzten Bereichen die notwendigen Dienststellen einzurichten.
Am 13. November 1921 war es dann soweit. In drei Gruppen marschierte das Bundesheer, begleitet von jeweils 100 Gendarmen, zu den vorgesehenen Orten Nudiel am See, Eisenstadt und Mattersdorf. Am 19. November meldeten die drei Gruppen, dass die Gendarmerie jetzt die Dienststellen in diesen Bereichen einrichten könnten und damit die Sicherheit vor Ort gewährleistet sein.
Am 25. November 1921 marschierten 3 Heeresgruppen in das mittlere und südliche Burgenland ein. Wiederum übernahmen je 100 Gendarmeriebeamten bestimmte Aufgaben im Rücken der vorgehenden Truppe. Die zu erreichenden Zielorte waren dieses Mal Oberwarth, Güssing und Jennersdorf. Schon am 28. November konnten dann die an der Grenze zurück gebliebenen Beamten nachrücken, die Dienststellen einrichten und die Sicherheit gewährleisten. Anfang Dezember konnte dann der normale Gendarmeriedienst unter dem Landesgendarmeriekommando im ganzen Burgenland aufgenommen werden. War der Einmarsch des Heeres auch problemlos verlaufen. Jetzt tauchten die ersten Freischärlergruppen auf und begingen meuchlerische Überfälle. So wurde beispielsweise am 25. März 1922 ein Patrouillenleiter in Apetlon tödlich verletzt.
Durch die Sicherung der Grenzen zu Ungarn und einer Intervention der Bundesregierung in Budapest beruhigte sich die Situation weiter und mit der Zeit konnten die Überzähligen Beamten aus dem Burgenland wieder abgezogen werden.


Einzelnachweise

  1. Sonderausgabe 10 Jahre Gendarmerie im Burgenland, Seiten 17 u. 18

Quellenangabe

  • Sonderausgabe 10 Jahre österreichische Gendarmerie im Burgenland