Damenstift Hall

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Das Damenstift Hall wurde im 15. Jahrhundert von den Erzherzoginnen Magdalena und Helena von Österreich in Hall in Tirol als Institution für unverheiratete adelige Frauen gegründet. Es bestand von 1567 bis 1783.

Lage

Das Gebäude des früheren Stiftes befindet sich in Hall.

Bauwerk

Das Stift wurde im Stil der Renaissance nach Plänen der italienischen Baumeister Giovanni und Alberto Lucchese erbaut. Neben dem Stiftsgebäude und der Stiftskirche, die 1570 geweiht wurde, umfasste die Anlage das Kapellmeisterhaus, das Knabenseminar, den Ansitz Thurnfeld und einen Stiftsgarten mit einer Stiftsmaierei, ein Sommerhaus und das Stiftsdoktorhaus. Sie wurde bereits 1611/12 als Folge der Neugestaltung des in der Nähe gelegenen Jesuitenklosters und des Neubaus der Jesuitenkirche stark verändert und barockisiert. Nach einem schweren Erdbeben, welches 1670 das Inntal heimsuchte, kam es zu einer weiteren Umgestaltung der Anlage. 1692 erhielt die Fassade der Klosteranlage ihr heute noch erhaltenes Aussehen[1].

Geschichte

Dort, wo später das Damenstift errichtet wurde, befand sich im Mittelalter der Ansitz Sparberegg, die im 15. Jahrhundert als landesfürstliche Burg einige Zeit Sitz der Münze der Tiroler Landesfürsten war. Nach dessen Abriss wurde das Damenstift erbaut.[2]

Das Stift wurde als königliches Damenstift gestiftet. Als Gründerin gilt gewöhnlich die Erzherzogin Magdalena von Österreich, eine Tochter von Kaiser Ferdinand I., doch nach der neueren Forschung erfolgte die Stiftung gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Helena. Es wurde um 1569 bezogen, die geistliche Betreuung der Stiftsdamen war den Jesuiten anvertraut.

Da das Stift außerdem ein Herrschaftssitz war, fungierten seine Oberinnen als Inhaberinnen dieser Herrschaft, welche sie ausbauten und erweiterten. Als Oberin erwarb die Gräfin zu Spaur und Vallör die Pfandherrschaft über das Gericht Lienz und dessen "niedere" Gerichte Kals, Virgen und Defereggen sowie die Herrschaft Heinfels.

Im 18. Jahrhundert wurde im Auftrag des Damenstiftes eine Untersuchung zum angeblichen "Ritualmord" an dem Kind Ursula von Lienz durchgeführt, welches im 15. Jahrhundert angeblich von Juden ermordet worden war.[3] Aus diesem Anlass wurde am 8. Juni 1789 ihr Grab geöffnet, worüber sich ein Protokoll erhalten hat.[4]

Das Stift wurde 1783 von Kaiser Joseph II. als Teil seiner Kirchenreform aufgehoben.[1] Danach wurden das Stiftsgebäude und die Stiftskirche profaniert. Das Gebäude diente zunächst als Wohnhaus, Um 1846 befand sich hier das Stadtspital von Hall, seit 1905 hatte die Sparkasse Hall hier ihren Sitz[1].

Heute ist das Stift wieder ein Kloster. 1912 wurde hier der belgische Orden der Töchter vom Heiligen Herzen Jesu untergebracht[A 1]. Aus der Stiftskirche wurde die Herz-Jesu-Basilika.[1]

Personen, die in der Geschichte des Damenstiftes eine Rolle gespielt haben

Erzherzoginnen, die als Stiftsdamen belegt sind

Literatur

  • Brigitte Hamann (Hrsg.): Die Habsburger. Ein biographisches Lexikon. Verlag Carl Ueberreuter, Wien, 1988, S. 203-206[A 2]
  • Nikolaus Grass: Das Damenstift und seine Kunstdenkmäler. In: Haller Buch. Festschrift zur 650-Jahrfeier der Stadterhebung (= Schlern-Schriften 106). Innsbruck, 1953, S. 337–394
  • Brigitta Lauro: Die Grabstätten der Habsburger. Kunstdenkmäler einer europäischen Dynastie. Wien, 2007, S. 126–130

Weblinks

 Damenstift Hall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 vgl. Damenstift, Hall-Tirol.AT, abgerufen am 22. August 2020
  2. vgl. Ludwig Tavernier et al. (Hrsg.): Tiroler Ausstellungsstrassen. Barock & Rokoko. Tyrolia Verlaganstalt, Innsbruck, 1995. ISBN 978-3702222604 digital
  3. vgl. Meinrad Pizzinini: Ursula Pöck, 1990, S. 219f. und S. 228f.
  4. vgl. Meinrad Pizzinini: Ursula Pöck. Eine mittelalterliche Ritualmordlegende aus Lienz. In: Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg 70, 1990, S. 230
  5. vgl. Brigitte Hamann (Hrsg.): Die Habsburger, 1988, S. 312

Anmerkungen

  1. Die Nonnen werden wegen ihres Ordenskleides im Tiroler Volksmund "weiße Tauben" genannt
  2. In Details nicht mehr ganz aktuell, aber als Einführung und Erstinformation noch immer gut geeignet. Eine weitere und spätere, inhaltlich aber nicht aktualisierte Ausgabe ist 2001 bei Amalthea Signum erschienen: Brigitte Hamann (Hrsg.): Die Habsburger. Ein biographisches Lexikon. Verlag Amalthea Signum, Wien, 2001. ISBN 978-3850024457. Neuere aktualisierte Auflagen existieren nur als EBook.

47.28111111111111.509722222222Koordinaten: 47° 16′ 52″ N, 11° 30′ 35″ O

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