Burgruine Merkenstein

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Die Burgruine Merkenstein heute

Die Burgruine Merkenstein ist eine im Wienerwald gelegene frühere Höhenburg. Die sagenumwobene Ruine, die ursprünglich zu den wichtigsten Wehranlagen des einstigen Herzogtums Österreich gehörte, gilt heute als einer der bekanntesten Kult- und Kraftplätzen im südlichen Niederösterreich.[1].

Lage

Die Burgruine Merkenstein ist Teil der Gemeinde Bad Vöslau. Sie befindet sich in der Nähe des Haidlhofs mitten in einem Wald, der sich auf einem Felsen liegt, welcher ein südlicher Ausläufer des Hohen Lindkogels ist und nach drei Seiten steil abfällt.[2]

Das Bauwerk

Die ursprüngliche Burg dürfte zwischen 1317 und 1324 auf unbekannte Art zerstört worden sein und wurde um 1324 wiedererrichtet.[3] Von dieser Anlage ist jedenfalls nichts mehr erhalten. Die Reste der Hochburg, die spätgotische Formen zeigen, stammen aus dem 16. Jahrhundert, die Reste der Vorburg sind aus dem 17. Jahrhundert.[4]

Historische Eckdaten

Die Burg Merkenstein im Jahr 1683, ehe sie von den Osmanen zerstört wurde, ein Rekonstruktionsversuch nach Felix Halmer, Modell des Stadtmuseums Bad Vöslau

Die Burg wurde in der Mitte des 12. Jahrhunderts als Wehranlage erbaut. Sie diente dem Schutz des Herzogtums Österreich gegen das ungarische Königreich[A 1]. Als Erbauer der Burg wird ein Ortwin von Merkenstein (erste Nennung um 1141) vermutet[3], doch sind weder das genaue Baujahr noch der Name des Bauherren urkundlich belegt.[5] Vom 12. bis ins 14. Jahrhundert die Ritterfamilie der Merkensteiner belegt, die sich nach der Burg Merkenstein benannt haben dürfte oder nach welcher die Burg benannt war. Anfang des 13. Jahrhunderts kam die Burg in den Besitz von Königin Elisabeth. Später gehörte sie den Adelsfamilien der Walseer und der Hohenberger.[4]

In den Kriegen des 15. und 16. Jahrhunderts wurde die Burg mehrmals belagert. Nachdem sie in den 1480er-Jahren vorübergehend vom "Ungarnkönig" Matthias Corvinus eingenommen wurde, kam es 1482 sogar zu ihrer Belagerung durch kaiserliche Truppen. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg als landesfürstliches Lehen des Herzogtums Österreich an Franz von Ficin verpfändet, was 1565 schwere Auseinandersetzungen mit den zur Herrschaft gehörigen Bauern zur Folge hatte ("Merkensteiner Bauernaufstände"). Später wurde die Burg an die Familie der Heißperger (Heysberger) verkauft.[4]

1672 kam die Burg durch Kauf in den Besitz des Fürsten Gundakar von Dietrichstein.[6] Zu dieser Zeit wurde sie zum letzten Mal um- und ausgebaut.[4] 1620 diente die Burg als Fluchtburg vor Söldnern, doch 1683 wurde sie im Zusammenhang mit der "Zweiten Wiener Türkenbelagerung" von den Osmanen erobert und zerstört. Die Menschen, die dort Zuflucht gesucht hatten, angeblich 173 Personen, wurden dabei gnadenlos niedergemetzelt. In den Folgejahren begann die Burg zu verfallen.[4] Nach ihrer Zerstörung 1683 wurde der Amtssitz der Herrschaft Merkenstein nach Gainfarn (heute Teil der Gemeinde Bad Vöslau) verlegt.[3] Joseph Karl von Dietrichstein ließ die Kapelle im Park erneuern und 1801-1803 in der Nähe der Ruine ein Wohnhaus und ein Wirtschaftsgebäude im Schweizerstil erbauen, das unter Joachim Eduard von Münch-Bellinghausen, der 1829 durch Kauf in den Besitz der Burg Merkenstein gelangt war, zu einem Schloss umgebaut wurde. Joachim Eduard von Münch-Bellinghausen ließ außerdem um 1843/44 zwei Zimmer im ersten Stock der Ruine wieder bewohnbar machen. 1866 erbte Freiherr Adolf Brenner-Felsach († 1883) die Ruine, danach gehörte sie seinem Sohn Joachim Brenner-Felsach († 1927). Seit ca. 1911 gehörte die Ruine dem Unternehmer Leopold Kern, 1917 kam sie an den Berndorfer Industriellen Arthur Krupp († 1938). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie bis 1955 unter russische Verwaltung gestellt, dann war Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft und später die Österreichischen Bundesforste für die Verwaltung zuständig. Heute ist die Ruine im Privatbesitz der Familie Klinger, welche sich seit 1978 um die Erhaltung und den Weiterbestand früheren Burg kümmert.[6]

Nennung mit möglichen Bezug zur Ruine Merkenstein

  • 1141 wird erstmals ein Ortwin von Merkenstein genannt.[3] Er könnte mit jenem Ortwin von Merkenstein ident sein, der als Empfänger eines Briefes belegt ist, welcher im Falkensteiner Codex (1165-1170) überliefert ist.[4]
  • 1182 werden die Brüder Ortwin ("Ortvinus"), Hugo, Ulrich ("Ulricus") und Weikhard ("Wichardus") von Merkenstein ("de Merchensteine") als Zeugen in einer Urkunde von Herzog Heinrich von Mödling genannt.[4]
  • Ein Hugo von Merkenstein ("Hugo de Merchenstein") ist 1189 in einer Urkunde des Stiftes Kremsmünster genannt.[7]
  • 1209 ist ein Albert von Merkenstein ("Albero de Merckenstein") genannt[4]
  • 1280 verkaufte ein Ulrich von Merkenstein seinen Hof zu Brand dem Stift Lilienfeld[4]

Die Burgruine Merkenstein in der Kunst

Der Komponist Ludwig van Beethoven vertonte ein Gedicht über Merkenstein.[4]

Die Burgruine Merkenstein in Sage und Legende

Die Burgruine Merkenstein gehört zu jenen Orten im heutigen Niederösterreich, um welche sich eine Menge Sagen gebildet haben.

Merkenstein

Es handelt sich um eine jener Sagen, in welcher ein Ortsname erklärt wird. Hier ist der Ritter Winfried, der sich das Recht des Erstgeborenen gegenüber seinem Zwillingsbruder erkämpft, indem er die Aufgabe, die sein Vater Leodegar ihm und seinem Bruder deshalb gestellt hat, als erster löst. Bei einem Spaziergang im urwaldähnlichen Gebiet, wo Winfried in der Sage später die Burg erbauen lässt, zeigt sein Vater den Söhnen einen Stein, den sie nach drei Jahren wiederfinden müssen. Winfried gelingt das, weil er sich den Stein und dessen Umgebung gut eingeprägt hat. Da sich der Zwillingsbruder bei der Suche verirrt, findet er diesen, "den er sich gemerkt" hat, vor ihm und deshalb nennt er die Burg, die er sich später an dieser Stelle erbaut, Merkenstein.[8]

Merk dir den Stein

Auch in dieser Sage geht es um eine Erklärung, warum die Burg Merkenstein heißt. Als die Burg belagert wird, vergräbt die Burgherrin mit ihrem Sohn alle Schätze. Sie markiert die Stelle mit einem großen Stein, damit ihr Sohn sie später wiederfinden kann und schärft ihm ein, sich diesen Stein zu merken. Als die Burg eingenommen wird, werden alle Burgbewohnerinnen und Burgbewohner umgebracht, nur ihr Sohn überlebt. Als er jedoch später nach den Schätzen sucht, kann er den Stein nicht mehr finden, und somit bleiben auch die Schätze ungehoben. Ein Ritter, der die Burg später wieder aufbaut, nennt sie daraufhin, Merkenstein.[8]

Der Schatz auf Merkenstein

Die Burg Merkenstein, um 1672, Kupferstich von Georg Matthäus Vischer (1628–1696)

Es handelt sich um eine jener Sagen, die von Schätzen berichtet, die auf Burgen verborgen sein sollen. Nach dieser Sage soll in der Ruine Merkenstein ein silberner Wagen mit silbernem Pferdegeschirr vergraben sein.[8]

Merkensteiner Sage

Es handelt sich um eine jener Sagen, in den ein Bösewicht aus emotionalen Gründen eine Untat begeht. Der auf Merkenstein ansässige Ritter kehrt überraschend von einer Reise zurück und entdeckt, dass seine Tochter sich mit einem Pagen eingelassen hat. Aus Zorn lässt er diesen lebendigen Leibes einmauern.[8] In dieser Version, die eindeutig ein "patriarchalisches" Weltbild vermittelt, wird das Verbrechen des Ritters als gerechtfertigte Strafe inszeniert. Die Tochter erscheint als leichtfertige Verführerin, der verführte Page muss dafür büssen, dass er dieser Verführung nicht widerstanden hat.

Die Merkensteiner Fische

In der Sage geht es um die historisch belegte, erfolglose Belagerung der Burg Merkenstein durch Truppen von Kaiser Friedrich III. im Jahr 1482, nachdem diese vom Ungarnkönig Matthias Corvinus eingenommen worden war beziehungsweise der damalige Lehensinhaber die Seiten gewechselt hatte. Auch hier findet sich das Motiv, dass eine Belagerung beendet wird, nachdem es den Eingeschlossenen gelungen ist, den Belagerern weiszumachen, dass sie einer Belagerung noch lange standhalten könnten. Allerdings gibt es hier keine Notlage der Eingeschlossenen, sondern diese treiben munter ihre Spiele und ihren Spott mit den Belagerern. Die lebenden Fische, die sie schließlich über die Burgmauern werfen, sind lediglich der Letzte dieser Streiche, worauf die Belager abziehen, was hier eindeutig eine Kapitulation ist.[9]

Die Türken vor Merkenstein

In dieser Sage geht es um die historisch belegte Belagerung und Einnahme der Burg im Jahr 1683. Es wird allerdings versucht, das grauenvolle Schicksal der Menschen, die dabei umgebracht wurden, als göttliche Strafe für Anmaßung und Hochmut zu erklären. Hier wollen die osmanischen Truppen, nachdem sie auf heftigen Widerstand gestoßen sind, gerade abziehen, als eine Frau den Anführer mit einer frechen Geste, die nicht näher beschrieben ist, unnötigerweise verärgern muss. Er lässt daraufhin einen weiteren Angriff mit Feuer auf die Burg durchführen, der ihre sofortige Erstürmung und die Tötung sämtlicher Menschen zur Folge hat.[9]

Siehe auch: Kategorie:Sage aus Niederösterreich

Literatur

  • Johann Redl: Merkenstein. Die Geschichte der Burgruine Merkenstein, des Schlosses und der Herrschaft Merkenstein. Eine Zusammenfassung. Eigenverlag, Bad Vöslau, 2008
  • Ilse Schöndorfer: Steine und Sagen. Burgruinen in Niederösterreich. Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten / Wien, 1999. ISBN 3-85326-114-0

Weblinks

 Burgruine Merkenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. vgl. Burgruine Merkenstein, Kultkraftplatz.COM, abgerufen am 2. August 2020
  2. vgl. Ilse Schöndorfer: Steine und Sagen, 1999, S. 160
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 vgl. Burgruine Merkenstein, Wienerwald.INFO, abgerufen am 2. August 2020
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 4,7 4,8 4,9 vgl. Ilse Schöndorfer: Steine und Sagen, 1999, S. 161
  5. vgl. [Burgruine Merkenstein, StadtmuseumBadVoeslau.AT abgerufen am 2. August 2020
  6. 6,0 6,1 vgl. Merkenstein, BadVoeslau-Tourismus.AT, abgerufen am 2. August 2020
  7. vgl. Ilse Schöndorfer: Steine und Sagen, 1999, S. 160f. und S. 161
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 vgl. Ilse Schöndorfer: Steine und Sagen, 1999, S. 163
  9. 9,0 9,1 vgl. Ilse Schöndorfer: Steine und Sagen, 1999, S. 164

Anmerkungen

  1. Das heutige Bundesland Burgenland war damals Teil des ungarischen Königreiches. Hinzu kommt noch, dass sich erst in den kommende Jahrhunderten so etwas wie eine halbwegs stabile Grenze zwischen dem Königreich und dem benachbarten Herzogtum Österreich herausbilden sollte.
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