Ferdinand Krukenfellner: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Regiowiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Keine Bearbeitungszusammenfassung
(wf)
Zeile 1: Zeile 1:
[[Datei:Zeilerbruch.jpg|mini|Im Zeilerbruch der Familie Krukenfellner, nach der Jahrhundertwende]]
[[Datei:Zeilerbruch.jpg|mini|Im Zeilerbruch der Familie Krukenfellner, nach der Jahrhundertwende]]
'''Ferdinand Krukenfellner''' (* [[18. November]] [[1837]] in [[Kaisersteinbruch]], [[Komitat Győr-Moson-Sopron|Westungarn]], heute [[Burgenland]]; † [[1927]] Kaisersteinbruch) war ein [[Österreich-Ungarn|österreichisch-ungarischer]] [[Steinmetz]]meister und [[Bildhauer]] des [[Historismus]]. Das [[Sommerein]]er [[Handwerk|Steinmetzhandwerk]] war von alters her dem [[Handwerk der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch]] inkorporiert. Auf [[Joseph II. (HRR)|Allerhöchsten Befehl]] ab dem 7.&nbsp;Oktober&nbsp;1783 dem [[Bruck an der Leitha|Brucker]] Handwerk zugeteilt.<ref>Stadtarchiv Bruck an der Leitha: ''Steinmetzakten''</ref> Die Steinmetzfamilie '''Kruckenfellner''' war ein Repräsentant des Sommereiner Handwerkes. Durch die [[Matriken|Kirchenbücher]] ergab sich eine unterschiedliche Schreibweise.
'''Ferdinand Krukenfellner''' (* [[18. November]] [[1837]] in [[Kaisersteinbruch]], [[Komitat Győr-Moson-Sopron|Westungarn]], heute [[Burgenland]]; † [[1927]] ebenda) war ein [[Österreich-Ungarn|österreichisch-ungarischer]] [[Steinmetz]]meister und [[Bildhauer]] des [[Historismus]]. Das [[Sommerein]]er [[Handwerk|Steinmetzhandwerk]] war von alters her dem [[Handwerk der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch]] inkorporiert. Auf [[Joseph II. (HRR)|Allerhöchsten Befehl]] ab dem 7.&nbsp;Oktober&nbsp;1783 dem [[Bruck an der Leitha|Brucker]] Handwerk zugeteilt.<ref>Stadtarchiv Bruck an der Leitha: ''Steinmetzakten''</ref> Die Steinmetzfamilie '''Kruckenfellner''' war ein Repräsentant des Sommereiner Handwerkes. Durch die [[Matriken|Kirchenbücher]] ergab sich eine unterschiedliche Schreibweise.


[[Datei:Krukenfellner Grundbuch.jpg|mini|hochkant=1|Grundbuch 1851<ref>Archiv Stift Heiligenkreuz, Grundbuch 1851, Ferdinand Krukenfellner</ref>]]
[[Datei:Krukenfellner Grundbuch.jpg|mini|hochkant=1|Grundbuch 1851<ref>Archiv Stift Heiligenkreuz, Grundbuch 1851, Ferdinand Krukenfellner</ref>]]
== Leben ==
 
== Leben und Wirken ==
Ferdinand Krukenfellner wurde als Sohn des Steinmetzmeisters Ferdinand Krukenfellner und der Johanna Gehmacher, Witwe des Steinmetzmeisters Franz Gehmacher, geboren. Der Vater hatte das Handwerk in Sommerein bei seinem Vater gelernt, durch diese Heirat war er Kaisersteinbrucher Meister geworden.
Ferdinand Krukenfellner wurde als Sohn des Steinmetzmeisters Ferdinand Krukenfellner und der Johanna Gehmacher, Witwe des Steinmetzmeisters Franz Gehmacher, geboren. Der Vater hatte das Handwerk in Sommerein bei seinem Vater gelernt, durch diese Heirat war er Kaisersteinbrucher Meister geworden.
Ferdinand jun. heiratete 1871 Cäcilia Heidenreich von [[Moson|Wieselburg]].
Ferdinand jun. heiratete 1871 Cäcilia Heidenreich von [[Moson|Wieselburg]].
Zeile 12: Zeile 13:


==== Hofoper ====
==== Hofoper ====
Steinlieferungen und Steinmetzarbeiten für die [[Wiener Staatsoper#Hof-Operntheater an der Ringstraße|Hofoper]]<ref>Stadterweiterungsfonds Hofoper vom 5.&nbsp;November&nbsp;1863</ref> erfolgten in den Steinbrüchen seines Vaters. Laut Vertrag mit den Steinbruchbesitzern: „.. jedes in seiner [[Qualität]] nicht entsprechende Stück Stein soll innerhalb von fünf Tagen durch ein Neues, vollkommen den Mustern gleiches, zu ersetzen sein“.
Steinlieferungen und Steinmetzarbeiten für die [[Wiener Staatsoper#Hof-Operntheater an der Ringstraße|Hofoper]]<ref>Stadterweiterungsfonds Hofoper vom 5.&nbsp;November&nbsp;1863</ref> erfolgten in den Steinbrüchen seines Vaters. Laut Vertrag mit den Steinbruchbesitzern galt: „.. jedes in seiner [[Qualität]] nicht entsprechende Stück Stein soll innerhalb von fünf Tagen durch ein Neues, vollkommen den Mustern gleiches, zu ersetzen sein“.
 
Vom Meister Krukenfellner sind Lieferungen aus dem ''Waldbruch'' beim Öden Kloster (300 m³ jährlich) und dem ''Zeilerbruch'', vormals ''Pansipp-Bruch'' (500 m³ jährlich) dokumentiert. Harter [[Kaiserstein (Gestein)|Kaiserstein]], gelblichweiß, fein- bis grobkörnig, härteste Sorte auch polierbar, für Tragsteine, [[Balkon]]platten, Platten von nur geringer Dicke mit reicher Gliederung, [[Treppenstufe|Stiegenstufen]] … Mittelharter Kaiserstein für weniger reich gegliederte Formen konnte auch in den Wintermonaten gebrochen werden.


=== Kirchvater ===
Vom Meister Krukenfellner sind Lieferungen aus dem ''Waldbruch'' beim Öden Kloster (300 m<sup>3</sup> jährlich) und dem ''Zeilerbruch'', vormals ''Pansipp-Bruch'' (500 m<sup>3</sup> jährlich) dokumentiert. Harter [[Kaiserstein (Gestein)|Kaiserstein]], gelblichweiß, fein- bis grobkörnig, härteste Sorte auch polierbar, für Tragsteine, [[Balkon]]platten, Platten von nur geringer Dicke mit reicher Gliederung, [[Treppenstufe|Stiegenstufen]] … Mittelharter Kaiserstein für weniger reich gegliederte Formen konnte auch in den Wintermonaten gebrochen werden.
Der Vater zog sich 1869 zurück und wurde [[Kirchvater|Kirchenvermögensverwalter]].


==== Naturhistorisches Museum ====
=== Naturhistorisches Museum ===
Das verwendete Baumaterial ist ident mit dem des [[Kunsthistorisches Museum Wien|Kunsthistorischen Museums]]. Ein Beispiel vom 27.&nbsp;November&nbsp;1876: [[Naturstein|Rohsteinmaterial]] für die Hängeplatten des Hauptgesimses für einen Hof des [[Naturhistorisches Museum Wien|k.k. naturhistorischen Hofmuseums]].
Das verwendete Baumaterial ist ident mit dem des [[Kunsthistorisches Museum Wien|Kunsthistorischen Museums]]. Ein Beispiel vom 27.&nbsp;November&nbsp;1876: [[Naturstein|Rohsteinmaterial]] für die Hängeplatten des Hauptgesimses für einen Hof des [[Naturhistorisches Museum Wien|k.k. naturhistorischen Hofmuseums]].


==== Rathaus ====
=== Rathaus ===
Durch die [[Wiener Rathaus|Wiener]] [[Stadtrat|Gemeinderatsbeschlüsse]] der Jahre 1874–1877<ref>Material zum Weiterbau bis zur Fußbodenhöhe des [[Erdgeschoss]]es, eventuell des [[Parterre (Architektur)|Hochparterres]]</ref> erfolgten Lieferungen von [[Breitenbrunner Kalksandstein|Breitenbrunner]] Roh- und Bildhauerstein. Krukenfellner war Steinbruchbesitzer in [[Breitenbrunn am Neusiedler See|Breitenbrunn]],<ref>Helmuth Furch, ''Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch'': Die Familie Krukenfellner, Nr. 51, 1999.</ref> Blumenstingl, mit einer jährlichen Ausbeute von 400 Kalksandstein. Ein weißer, mittelfein bis feiner, nicht polierbarer, weicher Stein, verwendbar für Figurensteine, [[Ornament]]e, Quaderverkleidungen an [[Fassade]]n, [[Altar|Altäre]], der in der Hofoper, den Hofmuseen, in der [[Hofburg]] am [[Michaelertrakt|Michaelerplatz]], im [[Wiener Rathaus|Rathaus]] eingebaut wurde.
Durch die Wiener [[Stadtrat|Gemeinderatsbeschlüsse]] der Jahre 1874–1877<ref>Material zum Weiterbau bis zur Fußbodenhöhe des [[Erdgeschoss]]es, eventuell des [[Parterre (Architektur)|Hochparterres]]</ref> erfolgten Lieferungen von [[Breitenbrunner Kalksandstein|Breitenbrunner]] Roh- und Bildhauerstein. Krukenfellner war Steinbruchbesitzer in [[Breitenbrunn am Neusiedler See|Breitenbrunn]],<ref>[[Helmuth Furch]]: ''Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch: Die Familie Krukenfellner.'' Nr. 51, 1999.</ref> Blumenstingl, mit einer jährlichen Ausbeute von 400 m<sup>3</sup> Kalksandstein. Ein weißer, mittelfein bis feiner, nicht polierbarer, weicher Stein, verwendbar für Figurensteine, [[Ornament]]e, Quaderverkleidungen an [[Fassade]]n, [[Altar|Altäre]], der in der Hofoper, den Hofmuseen, in der [[Hofburg]] am [[Michaelertrakt|Michaelerplatz]], im [[Wiener Rathaus|Rathaus]] eingebaut wurde.
[[Datei:WienerRathaus.jpg|mini|Rathaus, Zeichnung von 1891]]
[[Datei:WienerRathaus.jpg|mini|Wiener Rathaus, Zeichnung von 1891]]


=== Weitere dokumentierte Aufträge, Zeilerbruch, Zeindler-Stein ===
=== Weitere dokumentierte Aufträge, Zeilerbruch, Zeindler-Stein ===
Zeile 34: Zeile 32:
{{Hauptartikel|Verwendung von Kaiserstein als Baumaterial#Kaiserstein für Kaiser Franz Joseph I., den Michaelertrakt der Wiener Hofburg|titel1=„Kaiserstein für Kaiser Franz Joseph I., den Michaelertrakt der Wiener Hofburg“ im Artikel Verwendung von Kaiserstein als Baumaterial}}
{{Hauptartikel|Verwendung von Kaiserstein als Baumaterial#Kaiserstein für Kaiser Franz Joseph I., den Michaelertrakt der Wiener Hofburg|titel1=„Kaiserstein für Kaiser Franz Joseph I., den Michaelertrakt der Wiener Hofburg“ im Artikel Verwendung von Kaiserstein als Baumaterial}}


== Kaisersteinbrucher Richter ==
=== Kaisersteinbrucher Richter ===
Zweimal wählten die Steinbrucher Ferdinand Krukenfellner zu ihrem Richter, von 1894 bis 1895 und von 1904 bis 1912.
Zweimal wählten die Steinbrucher Ferdinand Krukenfellner zu ihrem Richter, von 1894 bis 1895 und von 1904 bis 1912.


== Meister des Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerkes ==
==== Meister des Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerkes ====
Krukenfellner amtierte als Richter von 1894 bis 1895, seine Mitmeister in diesen Jahren waren Joseph Amelin, Alexander Krukenfellner, Carl Teuschl, Carl Winkler, Franz Winkler. In den Jahren 1904–1912 waren seine Mitmeister [[Ferdinand Amelin]], Josef Amelin, Alexander Krukenfellner, Carl Teuschl.
Krukenfellners Mitmeister in den Jahren von 1894/1895 waren Joseph Amelin, Alexander Krukenfellner, Carl Teuschl, Carl Winkler, Franz Winkler. In den Jahren 1904–1912 waren es [[Ferdinand Amelin]], Josef Amelin, Alexander Krukenfellner, Carl Teuschl.
 
Sohn Eduard, Steinverkäufer, heiratete 1897 Juliana Agnes Blemenschitz.
Tochter Johanna heiratete 1903 Johann Rudolph Schramm, Steinmetzmeister von [[Preßburg]].


1903 fanden im Gebiet seines Steinbruches ''Waldbruch'' archäologische Ausgrabungen statt.
1903 fanden im Gebiet seines Steinbruches ''Waldbruch'' [[Archäologie|archäologische]] Ausgrabungen statt.
: Hauptartikel: → [[Römische Villa von Königshof-Ödes Kloster]]
: Hauptartikel: → [[Römische Villa von Königshof-Ödes Kloster]]


== Steinbruch-Pachtvertag 1903 ==
=== Steinbruch-Pachtvertag 1903 ===
[[Datei:Heiligenkreuz Kreuzweg1.jpg|mini|Heiligenkreuzer Kreuzweg]]
[[Datei:Heiligenkreuz Kreuzweg1.jpg|mini|Heiligenkreuzer Kreuzweg]]
[[Stift Heiligenkreuz]] und Ferdinand Krukenfellner<ref>Stift Heiligenkreuz Archiv: Pachtvertrag, 1. Januar 1903, Abt [[Gregor Pöck]], Verwalter P. Rudolph Rath</ref>: Pachtvertrag vom 1.&nbsp;Jänner&nbsp;1903 für Waldbruch beim [[Schloss Königshof#Ödes Kloster|Öden Kloster]] und Zeilerbruch.
[[Stift Heiligenkreuz]] und Ferdinand Krukenfellner:<ref>Stift Heiligenkreuz Archiv: Pachtvertrag, 1. Januar 1903, Abt [[Gregor Pöck]], Verwalter P. Rudolph Rath</ref> Pachtvertrag vom 1.&nbsp;Jänner&nbsp;1903 für Waldbruch beim [[Schloss Königshof#Ödes Kloster|Öden Kloster]] und Zeilerbruch.
:Es überlässt die [[Schloss Königshof|Herrschaft Königshof]] zwei Steinbrüche auf 3&nbsp;Jahre vom 1.&nbsp;Januar&nbsp;1903 bis 31.&nbsp;Dezember&nbsp;1905 um den jährlichen [[Pachtvertrag (Österreich)|Pachtschilling]] von 1.000 [[Österreichische Krone|Kronen]].
:Es überlässt die [[Schloss Königshof|Herrschaft Königshof]] zwei Steinbrüche auf 3&nbsp;Jahre vom 1.&nbsp;Januar&nbsp;1903 bis 31.&nbsp;Dezember&nbsp;1905 um den jährlichen [[Pachtvertrag (Österreich)|Pachtschilling]] von 1.000 [[Österreichische Krone|Kronen]].


Zeile 55: Zeile 50:


=== Vertragsverlängerung bis Ende 1908 ===
=== Vertragsverlängerung bis Ende 1908 ===
um den jährlichen Pachtschilling von 1.400 Kronen.
Die erfolgte um den jährlichen Pachtschilling von 1.400 Kronen.


Im Stiftsarchiv ist auch ein Steinbruch-Pachtvertrag vom 1.&nbsp;Jänner&nbsp;1901 bis Ende&nbsp;1905 für den Zeilerbruch mit dem [[Baumeister]] Franz Lengenfelder aus [[Bruck an der Leitha]] erhalten, jährlich waren 400 Kronen zu bezahlen.
Im Stiftsarchiv ist auch ein Steinbruch-Pachtvertrag vom 1.&nbsp;Jänner&nbsp;1901 bis Ende&nbsp;1905 für den Zeilerbruch mit dem [[Baumeister]] Franz Lengenfelder aus [[Bruck an der Leitha]] erhalten, jährlich waren 400 Kronen zu bezahlen.


Sohn Alexander Krukenfellner, Steinmetzmeister, heiratete 1910 die Wienerin Albina Fitzl.
=== Nachkommen ===
Sohn Eduard, Steinverkäufer, heiratete 1897 Juliana Agnes Blemenschitz. Tochter Johanna heiratete 1903 Johann Rudolph Schramm, Steinmetzmeister von [[Preßburg]]. Sohn Alexander Krukenfellner, Steinmetzmeister, heiratete 1910 die Wienerin Albina Fitzl.


== Ausflugsziel Kaisersteinbruch ==
=== Tod ===
Ehefrau Cäcilia starb am 31.&nbsp;Dezember&nbsp;1919 mit 68&nbsp;Jahren an halbseitiger [[Lungenlähmung]]. Ferdinand Krukenfellner, einer der letzten erfolgreichen Meister des Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerkes, der aber auch dessen Ende miterlebte, starb 1927 im Alter von 90&nbsp;Jahren.<ref>Kaisersteinbrucher Totenbücher</ref>
 
=== Kaisersteinbruch als Ausflugsziel ===
[[Datei:Kai - Karte.jpg|mini|Postkarte von 1902]]
[[Datei:Kai - Karte.jpg|mini|Postkarte von 1902]]
Die Lehrerin Editha Senekovitsch bemühte sich, der [[Kunststein#Geschichte|„arbeitslosen“]] Gemeinde [[Einnahmen|Einnahmequellen]] zu erschließen, sie schrieb 1925:<ref>Stift Heiligenkreuz Archiv: Edith Senekovitsch, Lehrerin in Kaisersteinbruch, ''Siedlungsverhältnisse im Schulort'', maschinschriftliches Exemplar&nbsp;1925, Kopie im [[Steinmetzmuseum Kaisersteinbruch]]</ref> Schon vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] war Kaisersteinbruch das Ziel vieler [[Ausflug|Ausflügler]] .. die so traulichen Waldwirtshäuser übten eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Anmutig liegen die Häuser, von den Schüttbergen der umgebenden Steinbrüche, in ihrer Mitte die doppeltürmige stattliche Kirche. Nähert man sich dem Dorf bieten die vier riesenhaften [[Ulme]]n einen herrlichen Anblick, eine hat bereits einen Umfang von neun Metern erreicht .. Im Dorf trifft man Häuser, die 1623, 1728 und ähnliche Jahreszahlen aufweisen, Hier sei das schöne Haus des Steinmetzmeisters Ferdinand Krukenfellner genannt, vor dem sich neben einem alten [[Ziehbrunnen]] eine prachtvolle [[Linden (Botanik)|Linde]] befindet .. keine Eisenbahn, keine Fabrik beeinträchtigt die Reinheit der würzigen Waldluft, viele Ausflüge werden durch die Autobuslinie [[Mannersdorf am Leithagebirge|Mannersdorf]] nach Bruck an der Leitha begünstigt.
Die Lehrerin Editha Senekovitsch bemühte sich, der [[Kunststein#Geschichte|„arbeitslosen“]] Gemeinde [[Einnahmen|Einnahmequellen]] zu erschließen, sie schrieb 1925:<ref>Stift Heiligenkreuz Archiv: Edith Senekovitsch, Lehrerin in Kaisersteinbruch, ''Siedlungsverhältnisse im Schulort'', maschinschriftliches Exemplar&nbsp;1925, Kopie im [[Steinmetzmuseum Kaisersteinbruch]]</ref> „Schon vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] war Kaisersteinbruch das Ziel vieler [[Ausflug|Ausflügler]] .. die so traulichen Waldwirtshäuser übten eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Anmutig liegen die Häuser, von den Schüttbergen der umgebenden Steinbrüche, in ihrer Mitte die doppeltürmige stattliche Kirche. Nähert man sich dem Dorf bieten die vier riesenhaften [[Ulme]]n einen herrlichen Anblick, eine hat bereits einen Umfang von neun Metern erreicht .. Im Dorf trifft man Häuser, die 1623, 1728 und ähnliche Jahreszahlen aufweisen, Hier sei ''das schöne Haus des Steinmetzmeisters Ferdinand Krukenfellner'' genannt, vor dem sich neben einem alten [[Ziehbrunnen]] eine prachtvolle [[Linden (Botanik)|Linde]] befindet ... keine Eisenbahn, keine Fabrik beeinträchtigt die Reinheit der würzigen Waldluft, viele Ausflüge werden durch die Autobuslinie [[Mannersdorf am Leithagebirge|Mannersdorf]] nach Bruck an der Leitha begünstigt.
 
== Tod ==
Ehefrau Cäcilia starb am 31.&nbsp;Dezember&nbsp;1919 mit 68&nbsp;Jahren an halbseitiger [[Lungenlähmung]]. Ferdinand Krukenfellner, einer der letzten erfolgreichen Meister des Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerkes, der aber auch dessen Ende miterlebte, starb 1927 im Alter von 90&nbsp;Jahren.<ref>Kaisersteinbrucher Totenbücher</ref>


== Archivalien ==
== Archivalien ==
Zeile 75: Zeile 71:


== Literatur ==
== Literatur ==
* [[Helmuth Furch]]: In: ''Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch''
* [[Helmuth Furch]]: In: ''Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch: Die Familie Krukenfellner.'' Nr. 51, 1999. ISBN 978-3-9504555-3-3.
:Die Familie Krukenfellner, Nr. 51, 1999. ISBN 978-3-9504555-3-3.
* Helmuth Furch: ''Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, Ferdinand Krukenfellner jun.'' 2 Bände. Museums- und Kulturverein, Kaisersteinbruch 2002–2004. ISBN 978-3-9504555-8-8.
* Helmuth Furch: ''Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, Ferdinand Krukenfellner jun.'' 2 Bände. Museums- und Kulturverein, Kaisersteinbruch 2002–2004. ISBN 978-3-9504555-8-8.
* August Hanisch, Heinrich Schmid: {{ALO|10245|1|''Österreichs Steinbrüche. Verzeichnis der Steinbrüche, welche Quader, Stufen, Pflastersteine, Schleif- und Mühlsteine oder Dachplatten liefern.''|KeinText=Ja}} Graeser, Wien 1901. (Online bei [[Austrian Literature Online|ALO]]).
* August Hanisch, Heinrich Schmid: {{ALO|10245|1|''Österreichs Steinbrüche. Verzeichnis der Steinbrüche, welche Quader, Stufen, Pflastersteine, Schleif- und Mühlsteine oder Dachplatten liefern.''|KeinText=Ja}} Graeser, Wien 1901. (Online bei [[Austrian Literature Online|ALO]]).

Version vom 12. September 2023, 21:34 Uhr

Im Zeilerbruch der Familie Krukenfellner, nach der Jahrhundertwende

Ferdinand Krukenfellner (* 18. November 1837 in Kaisersteinbruch, Westungarn, heute Burgenland; † 1927 ebenda) war ein österreichisch-ungarischer Steinmetzmeister und Bildhauer des Historismus. Das Sommereiner Steinmetzhandwerk war von alters her dem Handwerk der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch inkorporiert. Auf Allerhöchsten Befehl ab dem 7. Oktober 1783 dem Brucker Handwerk zugeteilt.[1] Die Steinmetzfamilie Kruckenfellner war ein Repräsentant des Sommereiner Handwerkes. Durch die Kirchenbücher ergab sich eine unterschiedliche Schreibweise.

Grundbuch 1851[2]

Leben und Wirken

Ferdinand Krukenfellner wurde als Sohn des Steinmetzmeisters Ferdinand Krukenfellner und der Johanna Gehmacher, Witwe des Steinmetzmeisters Franz Gehmacher, geboren. Der Vater hatte das Handwerk in Sommerein bei seinem Vater gelernt, durch diese Heirat war er Kaisersteinbrucher Meister geworden. Ferdinand jun. heiratete 1871 Cäcilia Heidenreich von Wieselburg.

Wiener Ringstrasse

Die k.k.Hofoper an der Ringstrasse um 1890
k.k.Naturhistorisches Museum

Hofoper

Steinlieferungen und Steinmetzarbeiten für die Hofoper[3] erfolgten in den Steinbrüchen seines Vaters. Laut Vertrag mit den Steinbruchbesitzern galt: „.. jedes in seiner Qualität nicht entsprechende Stück Stein soll innerhalb von fünf Tagen durch ein Neues, vollkommen den Mustern gleiches, zu ersetzen sein“.

Vom Meister Krukenfellner sind Lieferungen aus dem Waldbruch beim Öden Kloster (300 m3 jährlich) und dem Zeilerbruch, vormals Pansipp-Bruch (500 m3 jährlich) dokumentiert. Harter Kaiserstein, gelblichweiß, fein- bis grobkörnig, härteste Sorte auch polierbar, für Tragsteine, Balkonplatten, Platten von nur geringer Dicke mit reicher Gliederung, Stiegenstufen … Mittelharter Kaiserstein für weniger reich gegliederte Formen konnte auch in den Wintermonaten gebrochen werden.

Naturhistorisches Museum

Das verwendete Baumaterial ist ident mit dem des Kunsthistorischen Museums. Ein Beispiel vom 27. November 1876: Rohsteinmaterial für die Hängeplatten des Hauptgesimses für einen Hof des k.k. naturhistorischen Hofmuseums.

Rathaus

Durch die Wiener Gemeinderatsbeschlüsse der Jahre 1874–1877[4] erfolgten Lieferungen von Breitenbrunner Roh- und Bildhauerstein. Krukenfellner war Steinbruchbesitzer in Breitenbrunn,[5] Blumenstingl, mit einer jährlichen Ausbeute von 400 m3 Kalksandstein. Ein weißer, mittelfein bis feiner, nicht polierbarer, weicher Stein, verwendbar für Figurensteine, Ornamente, Quaderverkleidungen an Fassaden, Altäre, der in der Hofoper, den Hofmuseen, in der Hofburg am Michaelerplatz, im Rathaus eingebaut wurde.

Wiener Rathaus, Zeichnung von 1891

Weitere dokumentierte Aufträge, Zeilerbruch, Zeindler-Stein

Kaisersteinbrucher Richter

Zweimal wählten die Steinbrucher Ferdinand Krukenfellner zu ihrem Richter, von 1894 bis 1895 und von 1904 bis 1912.

Meister des Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerkes

Krukenfellners Mitmeister in den Jahren von 1894/1895 waren Joseph Amelin, Alexander Krukenfellner, Carl Teuschl, Carl Winkler, Franz Winkler. In den Jahren 1904–1912 waren es Ferdinand Amelin, Josef Amelin, Alexander Krukenfellner, Carl Teuschl.

1903 fanden im Gebiet seines Steinbruches Waldbruch archäologische Ausgrabungen statt.

Hauptartikel: → Römische Villa von Königshof-Ödes Kloster

Steinbruch-Pachtvertag 1903

Heiligenkreuzer Kreuzweg

Stift Heiligenkreuz und Ferdinand Krukenfellner:[6] Pachtvertrag vom 1. Jänner 1903 für Waldbruch beim Öden Kloster und Zeilerbruch.

Es überlässt die Herrschaft Königshof zwei Steinbrüche auf 3 Jahre vom 1. Januar 1903 bis 31. Dezember 1905 um den jährlichen Pachtschilling von 1.000 Kronen.

Schottersteine für den Kreuzweg

Der Pächter verpflichtet sich an die Herrschaft 50 Fuhren Mauersteine und 30 Fuhren Schottersteine zur Beschotterung der Kreuzstrasse unentgeltlich zu überlassen.

Vertragsverlängerung bis Ende 1908

Die erfolgte um den jährlichen Pachtschilling von 1.400 Kronen.

Im Stiftsarchiv ist auch ein Steinbruch-Pachtvertrag vom 1. Jänner 1901 bis Ende 1905 für den Zeilerbruch mit dem Baumeister Franz Lengenfelder aus Bruck an der Leitha erhalten, jährlich waren 400 Kronen zu bezahlen.

Nachkommen

Sohn Eduard, Steinverkäufer, heiratete 1897 Juliana Agnes Blemenschitz. Tochter Johanna heiratete 1903 Johann Rudolph Schramm, Steinmetzmeister von Preßburg. Sohn Alexander Krukenfellner, Steinmetzmeister, heiratete 1910 die Wienerin Albina Fitzl.

Tod

Ehefrau Cäcilia starb am 31. Dezember 1919 mit 68 Jahren an halbseitiger Lungenlähmung. Ferdinand Krukenfellner, einer der letzten erfolgreichen Meister des Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerkes, der aber auch dessen Ende miterlebte, starb 1927 im Alter von 90 Jahren.[7]

Kaisersteinbruch als Ausflugsziel

Postkarte von 1902

Die Lehrerin Editha Senekovitsch bemühte sich, der „arbeitslosen“ Gemeinde Einnahmequellen zu erschließen, sie schrieb 1925:[8] „Schon vor dem Ersten Weltkrieg war Kaisersteinbruch das Ziel vieler Ausflügler .. die so traulichen Waldwirtshäuser übten eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Anmutig liegen die Häuser, von den Schüttbergen der umgebenden Steinbrüche, in ihrer Mitte die doppeltürmige stattliche Kirche. Nähert man sich dem Dorf bieten die vier riesenhaften Ulmen einen herrlichen Anblick, eine hat bereits einen Umfang von neun Metern erreicht .. Im Dorf trifft man Häuser, die 1623, 1728 und ähnliche Jahreszahlen aufweisen, Hier sei das schöne Haus des Steinmetzmeisters Ferdinand Krukenfellner genannt, vor dem sich neben einem alten Ziehbrunnen eine prachtvolle Linde befindet ... keine Eisenbahn, keine Fabrik beeinträchtigt die Reinheit der würzigen Waldluft, viele Ausflüge werden durch die Autobuslinie Mannersdorf nach Bruck an der Leitha begünstigt.“

Archivalien

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stadtarchiv Bruck an der Leitha: Steinmetzakten
  2. Archiv Stift Heiligenkreuz, Grundbuch 1851, Ferdinand Krukenfellner
  3. Stadterweiterungsfonds Hofoper vom 5. November 1863
  4. Material zum Weiterbau bis zur Fußbodenhöhe des Erdgeschosses, eventuell des Hochparterres
  5. Helmuth Furch: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch: Die Familie Krukenfellner. Nr. 51, 1999.
  6. Stift Heiligenkreuz Archiv: Pachtvertrag, 1. Januar 1903, Abt Gregor Pöck, Verwalter P. Rudolph Rath
  7. Kaisersteinbrucher Totenbücher
  8. Stift Heiligenkreuz Archiv: Edith Senekovitsch, Lehrerin in Kaisersteinbruch, Siedlungsverhältnisse im Schulort, maschinschriftliches Exemplar 1925, Kopie im Steinmetzmuseum Kaisersteinbruch